Es begann…

… mit einer Anzeige auf Ebay. Irgendjemand verkaufte eine APE. Und ich bot mit. Weiß der Teufel warum. Ich bot. Und irgend so ein Aas bot gegen mich. Dreiradlover145. Sein Nick. Und ich mochte ihn nicht, diesen Dreiradlover145.

Nicht dass ich die APE wirklich haben wollte, dass heißt, irgendwie wollte ich sie schon, zu Beginn zumindest. Wenn ich sie billig bekommen würde. Aber das war zu diesem Zeitpunkt lange vorbei. Jetzt am nahen Ende der Versteigerung ging es nur noch um Stolz und Ehre, und um das Gewinnen. Dieser Andere, der Feind, Dreiradlover145 hatte meine APE nicht verdient. Ja, da war sie bereits „Meine“.

Das war irgendwo bei 600 Euro.

6 spannende, schweißtreibende, nervenzermalmende Stunden später war dann Schluss. Und ich hatte gewonnen. Ich war Erster. Sieger. Und ich besaß eine 18 Jahre alte Piaggio APE P2 für 2000 Euro. Fahrbereit und Ungesehen. Natürlich. Alles andere ist für Weicheier.

Für alle jene, die nicht wissen was eine APE ist. Die „APE“, man spricht es aus wie man es schreibt, ist die italienische Interpretation des Themas Transporter. Oder was man in Italien davon hält. Und sie sieht so aus . . .

Ape

Das ist das original Ebay Foto von damals. Liebe auf den ersten Blick.

Und die gehört jetzt mir. 🙂

„Was?!!!!!“ … die Reaktion meiner Freundin.

Was wusste die schon von Stolz und Ehre und dem Gewinnen.

„2000 Euro!!!!!!!?“

„Spontankauf“ gab ich zu bedenken.

„Und du moserst schon, wenn ich mir ein paar Schuhe für 100 Euro kaufe.“

Hatte sie recht. Logisch war das ganze nicht. Aber was ist im Leben schon logisch.

Damals war ich Geschäftsführer einer Agentur in Berlin, und diese APE passt so in mein Leben wie der Föhn zum Nacktmull.

Ich wusste auch gar nicht wirklich, warum ich sie gekauft hatte. Es war ein Impuls. Spontankauf eben.

Ich mein, klar, ich mochte dieses Gefährt schon. Ich fand sie einfach skurril, wenn sie in Italien durch die engen Gassen kurvten, beladen bis zum Zusammenbruch der Hinterachse mit allem, was man irgendwie transportieren konnte und wollte. So sehr, das man glaubte, sie machen einen Buckel. Rostig, zerschunden, abgearbeitet, überladen. Sie waren das anarchistische Symbol für die italienische Meinung zu Technik und Vorschriften. Nämlich, dass man gut ohne die beiden auskäme.

Aber in Berlin. 2004. Für mich. Eine APE?!

Erstes Problem… Wie bekomme ich sie nach Berlin. Der Verkäufer saß an dem nördlichsten Ende des Deutschen Bundesgebietes. Genau genommen knappe 4 km vor der Dänischen Grenze, und damit 500 km von Berlin entfernt. „Nun“, sagte ich zu meiner Freundin, die immer noch nicht fassen konnte, was ich mir da eingefangen hatte, „das Ding hat Räder. Also sollte es doch möglich sein, das Ding von dort hierher zu fahren.“ Logisch eigentlich. Aber was ist schon logisch.

Also fuhren wir eines schönen Tages in den hohen Norden. Ich betete, dass es nicht eine totale Rostbeule wäre, denn dann könnte ich mir diese Aktion von meiner besseren Hälfte wahrscheinlich bis zu meinen Lebensende anhorchen, oder sollte ich sagen „vorhalten lassen.“? Dort angekommen, stellte sich der Zustand als besser als gedacht heraus. Eigentlich ganz passabel. Klar hier und da etwas Rost, aber es ist ein Italiener. Was will man erwarten. Eigentlich, dass das ganze Gefährt sich nach 17 Jahren nach einen gezielten Fußtritt in seine Bestandteile kommentarlos zerlegt. Aber es existierte noch. Welch Erleichterung. Vorsichtshalber trat ich nicht dagegen. Ich legte vorsichtig die Nummernschilder dem Fahrzeug an, tranken eine nette Tasse Tee mit dem Vorbesitzer, der nicht ganz glauben wollte, dass wir damit nach Berlin fahren wollten.

„Es fährt doch?“ Fragte ich ihn. „Klar“ sagte er, „aber es ist eine „APE““

„Ja klar. Weiß ich doch. Eine APE, und sogar für die Autobahn zugelassen.“

„Sie wollen damit auf die Autobahn!!?“

Meine Freundin sah etwas unsicher zu mir. Ich nickte so cool, wie ich nur konnte.

Wir fuhren los. Tapfer, und Richtung Berlin. Meine Freundin mit dem Auto hinter mir her, hielt mir den Rücken frei, ich tuckernd vorneweg. Das mit der Autobahn schminkte ich mir ganz schnell wieder ab. Bei knapp 55 Reisegeschwindigkeit. Höchstens. Und auf gerader Strecke. Eine leichte Steigung, und Steigung bedeutet im Norden Deutschlands alles was über einen halben Prozent ist, und die Geschwindigkeit fiel auf satte 25km/h. Mehr oder weniger. Meistens weniger. Aber sie fuhr.

Wir fuhren auf Bundesstrassen im Zickzack durch die Norddeutsche Tiefebene, die viel weniger Ebene, als man das gemeinhin zu glauben meint. Der Ausdruck „Plattes Land“ bekam für mich eine differenziertere Bedeutung.

Wir fuhren stundenlang. Irgendwann, es war weit nach Mitternacht, passierte es. Auf einer einsamen, verdammt einsamen Landstrasse. Der Motor blockierte.

Ich kannte das von meiner Zeit als Vespafahrer.

Das war ein Kolbenreiber. Der Supergau. Der Kolben verklemmt im Zylinder, und das ist im gemeinen der Tod des Motors. Und das bittere Ende unserer Fahrt natürlich. Und das 100 km vor Berlin, also knapp vor dem Ziel. Nur noch ein zwei, vielleicht drei, oder vier, allerhöchsten fünf knappe Stunden und wir hätten es geschafft.

Ich stellte das Ding am Straßenrand, stieg müde und durchgerüttelt in das Auto und fuhren heim. Ich wollte am nächsten Tag wiederkommen und sie abholen. Mit einem Abschleppwagen. Ich war am Boden zerstört. Diese „Scheiß Kiste.“

„Die Ölpumpe. Kann sein, dass die Ölpumpe schlapp gemacht hat.“

Ein freundlicher Mensch aus dem Internet gab mir den Tipp. Selbst langjähriger APE Besitzer.

„Füllste einfach Öl in Tank. Wart ein bisschen. Bet ein bisschen, und vielleicht springt sie wieder an.“

Sie tat es. Ich konnte mir sogar das beten ersparen. Meine APE, dieses traumhafte wunderbare Gefährt fuhr wieder, als wäre nichts gewesen. Bis nach Berlin. Toll, nicht? Ganze hundert Kilometer.

Lektion eins. Eine APE lehrt einen Bescheidenheit.

Kaum stand sie vor der Tür.

„Und jetzt?“ So eine Frage konnte nur von meiner Freundin kommen.

„Ich richte sie wieder her.“

„Du hast in deinen Leben noch keinen Schraubenzieher am richtigen Ende angegriffen, und die willst du herrichten. Und vor allem, wann? Du hast bei deinem Job ja nicht mal Zeit deine Eltern Weihnachten zu besuchen, da willst du Zeit haben ein solches Ding (Sie sagte noch immer Ding dazu.) zu restaurieren.“

Sie hatte ja gar keine Ahnung. Ich war wild entschlossen, diese Frau eines besseren zu belehren.

Also machte ich dass, was man in einem solchen Fall tut. Ich suchte einen Schuppen, stellte die APE dort unter und vergaß sie für die nächsten 2 Jahre.

Frauen sollen sich nichts einbilden und jetzt blöde grinsen. Das ganze hat seinen tieferen Sinn. Damit beginnt nämlich der eigentliche Restaurierungsprozess. Mit der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt. Und dem Umstand sein Restaurierungsobjekt einfach einmal stehen zu lassen. Das zeigt die wahre Grösse, und innere Ruhe, die man für so ein Projekt ganz eindeutig benötig.

Nur nichts überstürzen. Autos reifen nach. Ehrlich.

Der richtige Zeitpunkt kam 2007. Zwei Gehörstürze innerhalb kurzer Zeit und ein leichter Schlaganfall stoppten abrupt meinen Arbeitseifer. Aber einmal im Ernst: kann nicht an den 140 Wochenarbeitsstunden gelegen haben. Doch man möchte nicht als stur gelten und horcht darauf, wenn der Körper was flüstert, und geht zum Arzt. Insbesondere wenn einen die eigene Freundin dorthin prügelt. Der gab mir, nach einigen CT´s, Blutabnahmen, bis kein Tropfen mehr drinnen war, Belastungstest uws. dann einen unterschwelligen Hinweis als er meinte:

„Wenn sie so weitermachen, schick ich ihnen im nächsten Monat Blumen.“ Und er meinte nicht vor die Haustür, oder zum Geburtstag, oder weil ich so ein toller Hecht wäre.

Ich erinnerte mich, an meine APE, die da in einen Schuppen vor sich hinreifte. Ich kündigte meinen Job und wir beschlossen nach Österreich zu ziehen, für einige Zeit auf Stress und Arbeit zu verzichten, die APE mitzunehmen und sie innerhalb der nächsten Monate renovieren. Als quasi meditatives Projekt. Wie gesagt, eine APE lehrt einen Bescheidenheit.

Buddhistisch geradezu. Ich war bereit zu lernen.

Lektion Zwei: Jeder Nacktmull braucht seinen Föhn.

Das ist der Beginn der Geschichte.


5 Reaktion zu “Es begann…”

  1. kerni68 schreibt:

    Hammerstory- witzig fomuliert.. man kann gar nicht mehr aufhören zu lesen!! Solltest doch mal überlegen zum schreibenden Beruf zu wechseln, wenn das Schrauben nicht mehr geht. Obwohl auch dazu bracht man Hände, (oder eine Freundin, Schwester, Cousine?! die aus vom Diktaphon abschreibt).. Respekt!

  2. kerni68 schreibt:

    Korrigiere – braucht sollte es heißen und das aus streich ma mal!

  3. Koppi schreibt:

    Aloha Ape-Freund

    Ick verstehe dir.
    Good Luck on the Road

  4. Ben schreibt:

    Interessante Geschichte, bin durch Zufall per bloggerei.de auf diesen Blog gestoßen. Du solltest ein Buch schreiben, mag diesen lockeren Schreibstil in Verbindung mit dieser Geschichte! Werde mir in der nächsten Zeit die komplette Story/den kompletten Blog durchlesen.. es fesselt irgendwie sehr!

  5. Kais schreibt:

    Wirklich ganz toller Blog, man merkt Dir an, dass Du hier wirklich Herzblut reinsteckst. Jemand aus dem Ape-Fans-Forum hat mir den Link gepostet und ich kann garnicht aufhören zu lesen. Der Letzte Abschnitt erinnert mich sehr an meine momentane Lebenssituation und ich werde sicherlich an meiner kürzlich erworbenen P2 ähnlich wachsen können.

    Grüße und vielen Dank für diesen Informativen Blog!

    Kais

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