Steckschlüssel

 

Intro

 

Steckschluessel

 

„Gehste mal und besorgste dir einen Stecknussensatz.“


Diesen legeren hingeschmissenen Tip bekam ich von einem Bekannten, der seines Zeichens, bereits langjähriger Autoschrauber war. Profi gewissermaßen. Er hatte auch schon einmal den Zylinderkopf von seinem alten Benz offen. Gut, der musste dann in die Werkstatt, aber wer das alleine probiert, gehört bei mir zu den Profis.

„Gehste mal und besorgste dir einen Stecknussensatz.“ Ein einfacher Satz für eine komplizierte Sache.

 

Der Anfang war noch easy.
Ich nicht faul, ziehe los zu AldiLidlPlus (Namen der Redaktion bekannt, ich will hier ja keine Werbung machen) und besorge mir ein Sonderangebot. 98 Teile, standen da drauf. Nicht schlecht. Alles dran, alles drin. Musste nicht ein zweites Mal laufen, dachte ich. Chrom Vanadium stand auch irgendwo auf der Verpackung. Das versprach Stabilität, obwohl ich mit Chrom eher die Oberfläche meiner Zierleisten in Verbindung brachte, und die blätterte bereits, gar nicht so stabil, ab. Vanadium sagte mir ja so etwas von überhaupt nichts. Aber da auf allen Werkzeugen „Chrom Vanadium“ stand, musste es einen Sinn haben. Also, hatte ich auch Chrom Vanadium. Und einen „Praktischen Plastikkoffer“ für die Ordnung. Ordnung ist das halbe Schrauberleben. Die andere Hälfte sucht man bekanntlich sein Zeug, das man irgendwohin geschmissen hat. Das ganze für läppische 49 Euro. Jedes Teil quasi 50 Cent. Wenn das kein Schnäppchen ist.

 

 

„Was haste denn da für einen Schrott gekauft!“


Wow. Ich hoffte, er meinte das wohlwollend. Mein Freund war sauer.
„Igge zeig dir mal was.“ Mit dem Satz hievte er eine ca. 1 Meter 50 lange Stahlrohrverlängerung aus der Ecke seiner Werkstatt, klemmte eine der kleinen Verlängerungsstücke aus meinem Koffer in seinen 50 Kilo Schraubstock, setzte die Verlängerung an, stemmte sich mit seiner 120 Kilo Körperfülle dagegen, und ….. das Teil brach ab. Nicht mein kleines sondern sein großes Stahlrohr. „Size doesn´t matter“, dachte ich.
Der Ehrlichkeit halber muss ich sagen, dass auch das Stück aus meinem Kasten ordentlich etwas abbekommen hatte. Es war wild verbogen, und zum Teil eingerissen.
„Siehste“ keuchte er. „Schrott.“
„Musst was Besseres kaufen.“
Ich war nicht überzeugt. Nahm meinen Koffer und zog von dannen. Für mich müsste es locker reichen. Ich brauchs ja nicht so oft. Und dafür reichts allemal. Nur halt ohne die Verlängerung. Die sah traurig lädiert aus. Umtauschen war wohl nichts. Wie sollte ich das bei der Reklamation erklären? „Wurde von einem Schraubstock in die Mangel genommen?“

Der Koffer stand einige Zeit in meinem Vorzimmer in Berlin. Dann am Dachboden, dann im Keller. Wo Werkzeug eben so steht.
Als ich begann, die APE für den Abtransport bereit zu machen, begann ich ihn zu suchen. Es dauerte, bis ich den Koffer wieder geborgen hatte. (Mit der Zeit lagern sich, einem unheimlichen Naturgesetzt folgend, ganze Sedimentschichten an Kram in meinem Keller ab. Weiss der Teufel, wo die herkommen.)
Ich musste den Zylinderkopf abnehmen und nachsehen, was bei dem Kolbenreiber kaputtgegangen ist. Die Schrauben saßen verdammt fest, und so verabschiedete sich mit einem Knall eine der Knarren. Ich hatte einen blutigen Finger und die Aufgabe, mit der kleineren Knarre die Arbeit zu beenden. Dem Zylinder ging’s gut, meinen Daumen weniger, und ich hatte die Erkenntnis, dass der Satz „Für mich reicht das Billigste auch, brauchs ja nicht so oft.“ ein kapitaler Unsinn ist.
Irgendwann einmal wurde mir dieser Steckschlüsselsatz, den ich immer in der Scheune hatte, in der meine APE stand, gemopst. Und ich war nicht wirklich unglücklich darüber. (Soll sich der Mopser einen blutigen Daumen hohlen.) Ein neuer Satz musste her.

 

 

Fortsetzung

 

 

 

Ein Reaktion zu “Steckschlüssel”

  1. Thomas schreibt:

    Hallo,
    eine schöne Seite hast du da zusammen geschrieben.
    Hier noch eine kurze Geschichte und 2 Tipps:
    Ich gehöre nicht zu den glücklichen Enkeln aber zu den glücklichen Söhnen! Ich habe leider etwas zu früh die komplette „Hobby-Werkstatt“ meines Vaters geerbt. Ausgerüstet mit FACOM (meine erste Wahl) und Gedore. Für mich selbst gab es früher immer nur den billigsten Chinakasten da ich der unbestrittene König des 17er13er10erNussververlierens war. Meistens war alles schön im Garten verteilt, weil da eben irgendwo das Fahrrad oder Mofa zur Reparatur stand.
    Seit ich mit dem Edelbesteck arbeiten darf bin ich schlimmer als mein Vater verschliesse meine Schätze ordentlich aufgeräumt und abgerieben in einem Schrank, da meine Tochter ein gebürtiger Nachfolger im Nussverlieren ist.
    Meine Empfehlung lautet: Im Fachhandel die wichtigen Sachen selbst zusammenstellen (passt ja alles). Was früher am Auto mit 10 13 17 21 24 ging, muss heute mit Vielzahn gelöst werden. Ich selbst habe am Auto noch nie einen 14 er benötigt, auch hab ich noch nie die 16 verlegt.
    Und ! ! Steckschlüsselsätze sind nicht der Weisheit letzter Schluss,
    ich arbeite auch gerne mit den in Motoradwerkstätten verbreiteten Nuss T Hebeln.
    Schöne Grüsse Thomas

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