VI (Dreier Golf Diesel)



Es sollte der Einstieg in die autofahrerische Normalität sein. Ich hatte einen Job und verdiente Geld. Echtes Geld. Nicht von Mama und Papa, oder den Ferienjob. Nein. 5 Days nine to five. Paycheck. Und das wollte in einen Wagen investiert werden. Und der sollte grundsolide sein. Nach Fiat 128 und Suzuki supercarry das, was jeder kauft: einen Schwarzen Golf.

 


Der Dreier sollte es sein, weil der Vierer gerade auf den Markt kam und damit der Dreier erheblich günstiger. Ich hab den Wagen in einer Zeitung gefunden (echt, das war damals so, ich verarsch euch nicht. Früher hat man seine Autos in der Zeitung gesucht. )

Schwarzer dreier Golf

Dreier Golf… meiner hatte keine Alufelgen. Eh klar. 

 


Was soll man sagen… es war ein Golf. Und er war schwarz. Diesel. Muffiger geht nicht. Wirklich nicht. Das ist so was von Mainstream. Aber er fuhr.

Und eine Spezialität hatte er doch.
Der Vorbesitzer, LKW Fahrer von Beruf, dürfte in der Früh immer geduscht haben. Ja Gott sei Dank, wird der ein oder andere sagen.. aber wartet. Und er dürfte sich rassiert haben… Woher weiss das der Oswald, werdet ihr fragen.. gemach gemach…. und er dürfte sich nachher ein Rasierwasser ins Gesicht gepatscht haben…. Und anschließend ist er mit seinem Rasierwassertriefenden Händen in sein Auto gestiegen und hat selbiges am Autolenker verteilt. Wirklich war. „Denim“ wer es kennt. Das schält dir die Geruchspapillen ansatzlos von der Schleimhaut.  Und genau jenes „Denim“  hat sich so in die Armatur und das Lenkrad gefressen, dass ich noch Wochen, was sag ich Monate danach zu erste einmal das Auto 10 Minuten lüften musste um nicht an einen veritablen Asthmaanfall zugrunde zu gehen. Vergossene Milch?! Leiche im Auto?!!!  Ha.. Das war gestern. Denim vertreibt dir die Damen. Auch noch 2 Jahre nach dem Kauf.


Es war übrigens der Wagen, in dem ich nach meiner 3. Amerikafahrt den Entschluss packte eben mal schnell von Salzburg nach Paris zu fahren. In den USA sind 4500 km von Ost nach West kein Hindernis und man fährt das mal eben für einen Kurzurlaub, (bei uns würde man nach  4500 km mitten in Kasachstan stehen aber wer macht das schon. Vor allem, wer will das schon.
Tongue out)


Die Fahrt hatte zwei Besonderheiten. Ich fuhr hin, schlug am Eifelturm an, aß ein Baguette und fuhr wieder zurück. In einem Stück. (Tank-Pinkelpause und Baguettessen und Eifelturm anschlagen mal abgesehen.) D.h. Donnerstag in der Früh weg und Freitag früh wieder da. Salzburg Paris Salzburg für eine Kaffee … geht. Vernünftig? Nein. Aber wtf. Wer will schon vernünftig sein, wenn er einen Golf III Diesel fährt.

Die zweite Besonderheit war die: Es waren genau, und zwar ganz genau 1000 km von Salzburg zum Eifelturm. Keine hundert Meter mehr oder weniger. Ok. Wahrscheinlich find das nur ich cool. Aber … naja vergesst es.  

 


Sein Ende fand der Wagen eines Nachts auf der Autobahn nahe München, als ein heftiges Ruckeln den Wagen zum Stehen brachte. Motorschaden, wie mir ein treuherzig dreinblickender Mann von der Werkstätte versicherte, und er lies mich über eine Scharte im Zylinder mit dem Finger fahren… Totalschaden, weil ein neuer Motor kostet mehr, als das ganze Autoe versicherte er mir, und bot an, diese „Schrotkarre“ für umgerechnet 200 Euro zu übernehmen. „Da sparst du dir das Verschrotten“. Was für ein Menschenfreund. Hach…


Was ich gelernt habe… traue keiner Autowerkstätte, denn die hatte den 5 Jahre alten Wagen, 3 Wochen später für läppische 7000 Euro zum Verkauf in ihrer Ausstellungshalle. Waren wahrscheinlich Autofreunde und haben den Totalschaden mit allerhöchstem persönlichem Einsatz und unter brutalen Finanziellen Verlusten vor der Schrottpresse gerettet. Die guten Leute.


Der nächste Wagen war wieder ein Golf… na, stöhnt nicht. Der war nicht schlecht der Specht..


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