V (AMG 190E 3.2)

Disclaimer: Ok, gleich zum Anfang. Ich empfehle jeden, der ab und zu unter akuten, und unkontrollierbaren Neidausbrüchen leidet, diesen Artikel nicht zu lesen. Allen anderen viel Spass. 🙂

 

Habt ihr, als ihr klein gewesen seit, ein Kind eben, schon mal davon geträumt, in einem Spielzeugladen ĂĽber Nacht eingesperrt zu werden….? Vielleicht sogar ein ganzes Wochenende, und ihr könnt euch bedienen und alles ausprobieren, herumspielen soviel ihr wollt, und wie ihr Lust und Laune habt? Gut es soll erwachsene, ausgewachsene Männer geben die immer noch davon träumen, und ich gestehe offen, ich gehöre da sicher dazu, aber als Kind findet das ausnahmslos auch jeder andere toll. Glaub ich zumindest.

Mir ist sowas passiert,denk ich, da war ich 24. Nicht mit Spielzeug, sondern mit Autos. (Was, wenn ich so nachdenke, eigentlich für uns Männer das gleiche ist) Und das kam so.

 

Als ich von meinen Amerikaaufenthalt zurück kam, brauchte ich Geld, und zwar schnell. Sehr schnell. Ich hätte alles getan für ein paar Pfennige. Ich war damals nicht abgebrannt, ich war bis auf die Grundmauern niedergekokelt, platt und pleite. Ich lebte von Reis mit Ei, über Wochen. Typisches Studentenfutter am Monatsende, nur das bei mir das ganze Monat Monatsende war.

  

Das nervt. Und zehrt.
Der Zufall wollte es, dass die Stadt, in der ich damals studierte, Austragungsort eines bekannten KlassikFestival war, und der gleiche Zufall wollte es, das ein bekannter Dirigent an diesen Sommer dort auftrat. Und es war genau eben genau dieser Zufall, dass dieser einen Assistenten hatte, der eines nicht konnte. Nämlich Autofahren. Und da Daimler diesen bekannten Dirigenten die Autos zur Verfügung stellte, hatte eben diese Leute von Daimler nicht unerhebliche Angst, dass eben jener Assistent ihre blecherne Schätze ramponierte. Wie ich später erfahren sollte, war die Angst nicht unbegründet, hatte der gute Mann es doch geschafft, innerhalb der ersten 2 Wochen umgerechnet 49 Tausend Euro Schaden an 4 verschiedenen Wägen zu verursachen. Das nenn ich mal konsequent. (und da sage noch einer, nur die Frauen fahren mies Auto..)

Es waren noch einige Zufälle im Spiel die mich Schlussendlich zum interims Fahrer-Assistent-PR Mann-Wunderwutzi dieses Dirigenten machen sollte.
An meinem ersten Dienst-Tag stand ich pĂĽnklichst in der lokalen Daimlervertretung auf dem Hof vor einer Flotte von gut einem duzend schwarzer Mercedes und der Mann an meiner Seite sagte….. „suchen sie sich welche aus.“
Bei mir kam das in Zeitlupe an. Langsam und wie durch einen unendlichen Schleier….. „Suchen … sie … sich …. welche … a u s s s s.“

Rosa sternchen. Gleissendes Licht.

„Mehrere?“

„Ja, soviel sie eben brauchen.“

Soviele ich brauche?!


Eigentlich brauchte ich nur einen.
Da sich die Familie, es waren Engländer, konsequent weigerten, in Kontinentaleuropa in einen linksgelenkten Wagen zu setzen, (alle ausser eben jener Assistent, mit den bereits erwähnten Folgen) wäre einen Wagen zu nehmen ökonomisch, vernünftig und klug gewesen.
Aber wer wird sich mit einem begnĂĽgen, wenn er alle haben kann.
Ich zähl euch mal ein paar der SchnuckelstĂĽcke auf, die da auf dem Hof standen. S Klasse, drei StĂĽck. Zwei davon von AMG „ĂĽberholt“ mit satten 500 PS unter der Motorhaube. Sportfahrwerk, mit hydraulischer Tieferstellung, zwei SL, dann viele E Klassen, und .. ganz hinten im Eck ein Mercedes 190. Aber was fĂĽr ein 190er. Ein AMG 190E 3.2 Baby. Tiefer gelegt, breiter gemacht und ĂĽberall aufgemotzt wo es nur möglich war, und einigermassen noch mit dem Wort „Stil“ vereinbar war. Wer kann da ernsthaft vornehme ZurĂĽckhaltung von mir erwarten.

 

Mein Baby

Bild eines 190er AMG´s.


Ich war bescheiden und „nahm“ mir drei. Einen E Kombi, fĂĽr die Vernunft, einen der AMG S Klasse fĂĽrs Vorfahren und eben diesen 190er, der mein persöhnliches Lieblingsfahrzeug werden sollte.

 

Bose Anlage, Ledersportsitze diese Schwarz, beheizt und klimatisiert, Motor mit 304 nm, 240 PS. Muss ich mehr sagen?

 

Mit diesen hab ich die Strecke Salzburg-MĂĽnchen Flughafen, (knappe 140 km), in unter 45 Minuten geschafft.

Ab und zu holte ich mir noch einen SL, wegen der Abwechslung, und einfach weil ich es konnte, aber gegen den kleinen 190er hatten die keine Chance. Der ging zwar „nur“ 240, während die SL bei 250 die S Klasse bei 280 kmh abriegelte, aber Spass hatte man mit der kleinen Kiste. Mein lieber Herr Waldmeister. Knackig, schnell, quirrlig, beweglich, eine Beschleunigung, da blieb das Hirn an der hinteren Schädeldecke kleben, und tropfte nur ganz langsam wieder ab. Hach…..

Ich schreib mich in Begeisterun, ihr merkt es. Vier Jahre hatte ich den Job während des Sommers und es war autofahrerisch die besten 4 Jahre meines Lebens. Ich durfte durch halb Europa glĂĽhen, nur um irgendwo einen Sänger hinzubringen, eine Partitur abzuholen, mal eben Spaghetti in Italien zu kaufen (wirklich wahr) Pressetermine vorzubereiten, oder eben hie und da mal ganz Privat durch die Gegend zu gondeln. Denn die Kisten standen unter dem Jahr ĂĽber in meiner Garage….


Und ich hatte dort nur Platz für Einen weshalb die Anderen abwechselnd die Besucherparkplätze meiner Studentenbude verstellten.
Irgend ein Nachbar schickte mir deshalb konsequenterweise die Polizei auf den Hals, weil er wohl die Vermutung hatte, ich würde, als Teil eines weltweit agierenden Ostblock Schieberringes, die Prachtstückchen ins Ausland verfrachten. Ich hatte auch einiges zu tun, Samstag früh,in meinen zerrissenen Jeans den Leuten vom Amt zu erklären, das ich rechtmässiger Besitzer der Karren war. Nix Schiebering. Mit nichten. Sie dienten nur einem Zweck. Mir.

Und wie sie mir dienten. Ich hatte meinen Spass. Könnt ihr mir glauben. Ich sag nur, vor das Studentenlokal im 600er. Aber sicher doch. Stilsicher in T-shirt, Jean und Turnschuh. War ich ein snobistisches Aaas. Aber wer wills mir verdenken.

 

Der Vollständigkeit halber muss ich hinzufügen, dass das ganze nicht nur autofahrerisch ein Gewinn war. Ich wurde teil der Familie. Dann hab ich verdient, und das nicht zu knapp. Daneben bekam ich Einblicke in den ganzen E-Musik Kunstbetrieb. Das was ich an Opernaufführungen sah, reicht bei anderen für ein Leben. Bei den Orchesterproben dabeisein zu dürfen war für mich als Musikstudent unbezahlbar. Ich bekam auch einen Unterricht in Klassengesellschaften. Ich musste lernen, das es Leute gibt, die in einer völlig anderen Welt leben.

So wurde ich eben mal schnell auf einen Markt geschickt um für knapp 600 Euro Obst und Gemüse einzukaufen. Fürs Wochenende. Und für zwei Personen. Alles was nicht gegessen wurde, also fast alles, wurde am Montag in die Tonne gekippt. Die Töchter, keine wirkliche Schönheiten, aber dafür aber umso arrogant, hatten auch kein Problem, sich noch Vormittags schnell mal ein 10.000 Euro Gucci Kleid für eine Premier zu besorgen, und das Teil dann abends mit der Schere abzuschneiden, weil man sonst die Punkerboots darunter nicht so gut sehen konnte.

Es kam auch zu skurrilen Erlebnissen. Besser: Noch skurriler.

 

So musste ich mit Pavarotti zusammen einen ganzen Abend für 22 Leute kochen, weil die Familien Köchin, die regelmässig aus Kolumbien eingeflogen wurde (woher auch sonst) den Flieger nicht bekommen hatte. Der Mann war nicht nur dick und ein begnadetet Sänger sonden es war ein Spass mit ihm die Kochlöffel zu schwingen. Womit sich eine alte Festspielweisheit bewahrheitet. Die wirklich Unfreundlichen in dem Geschäft sind entweder die *Sternchen* aus der zweiten Reihe, oder deren Frauen.

 

Und was ich noch lernen musste. Das Leute in diesen Sphären von solchen Massen an ekligen Schleimern umgeben sind, dass sie schon glauben, das wäre normal. Freunde haben sie dafür keine. Und das traurige ist, letzteres wissen sie.

 

ZurĂĽck zu den Autos.

 

Damals machte ich auch die Erfahrung, dass mit 280 kmh über die Autobahn zu schrammen schon ein heiden Spass, aber derjenige der sagt, er könne den Wagen bei der Geschwindigkeit kontrollieren ein verdammter Lügner ist. Deinen Wagen schaffst du vielleicht, aber dann darf es keine anderen auf der Strasse geben.
Ich muss dazu sagen, dass ich im zweiten Jahr einen Schnellfahrkurs von Daimler gesponsert bekam, aber der bereitete mich nicht darauf vor was mir an einen kĂĽhlen Vorherbstmorgen auf der Autobahn Richtung NĂĽrnberg begegnen sollte.

 

Ăśberholspur, dreispurig, eh klar, bergann mit 280 (einen HĂĽgel bemerken die 500 PS der S Klasse nicht wirklich) um eine Kurve brettern, (selbst lange Kurven werden da ziemlich eng…) und plötzlich steht da auf „deiner“ persöhnlichen höchsteigenen Ăśberholspur, ein Trabbi, der gerade verzweifelt versucht, auf dem kleinen Ansteig, einen LKW zu ĂĽberkriechen, der einen anderen Lkw ĂĽberschleicht…. da läuft einmal ganz schnell dein Leben vor dir ab. Schnell deshalb, weil fĂĽr länger hast du da keine Zeit.
Bremsen haben diese Kisten Gott sei Dank. Innenbelüftet und so gross wie Kuchenteller, weil ich sonst wahrscheinlich in den Trabbi getaucht wäre. Oder eher durch ihn durch. Und ich befürchte, ich hätte es nicht einmal mitbekommen in dem Dickschiff. Der Trabifahrer wär das schon eher unangenehm aufgefallen.
Der Trabi fuhr, so stellte ich fest, nachdem ich mich wieder einigermassen erhohlt hatte, und meine festgeglühten Bremsen wieder losgeeist hatte, heisse 45 kmh. Das er das auf der dritten Spur, eigentlich nicht durfte (mind. 100 laut Verkehrsschild). Keine Frage, aber was hilft ihn und mir das, wenn ich seine Pappe zu Altpapier zerfleddere. Ausserdem, auch wenn er mit 100 gefahren wäre, die Differenz wäre immer noch 180 kmh gewesen.

 

Seit dem Zeitpunkt hatte ich zur Geschwindigkeit ein zwiegespaltenes Verhältniss.
Das Problem ist, dass du in diesen Wagen einfach nicht spürst, wie schnell du unterwegs bist. 250 kmh, ist in etwas so, wie wenn du mit einem vierer Golf 60 über die Stadtautobahn cruised. Nur die Strasse wird optisch ein bisschen enger, und die Raststationen fliegen fast im Minutentackt an dir vorbei. Und während draussen der Fahrtwind in Orkanstärke an der Karosserie rüttelt ist es in den Wagen mux mäuschen Still. Doppelscheibenfenster, und ein paar Tonnen Gewicht sei Dank. Kein Wunder, das Leute die so eine Kiste besitzen, sie auch ausfahren. Gesund ist es halt auf Dauer nicht unbedingt.

 

Wie auch immer. Damals war es geil. Und der Umstieg und vor allem die Aufgabe meines Privaten Fuhrparks nach 4 Jahren fiel mir nicht ganz so leicht. War doch meine nächste Kiste ein dreier Golf Turbodiesel. Muss ich mehr sagen?

 

Lg Oswald

8 Reaktion zu “V (AMG 190E 3.2)”

  1. Heute mal ein neue Seite… » Beitrag » motorschrauber schreibt:

    […] Hier…..   […]

  2. Chris schreibt:

    „Seit dem Zeitpunkt hatte ich zur Geschwindigkeit ein zwiegespaltenes Verhältniss.
    Das Problem ist, dass du in diesen Wagen einfach nicht spĂĽrst, wie schnell du unterwegs bist.“

    Und deshalb hast du dir dann eine APE zugelegt. Sehr vernĂĽnftiger Mensch, muss ich zugeben.

    lg
    Chris

  3. oswald schreibt:

    Chris…. genau so ist es. 🙂 🙂 🙂

  4. micky schreibt:

    wieder ganz grosses kino! ich danke! 🙂

  5. Frank schreibt:

    Hallo Oswald. Lang von dir nichts mehr gelesen, aber ich sehe mit Vergnügen, du hast deinen Witz und vor allem das Schreiben nicht verlernt. Das ist gut. Tut mir immer gut, wenn ich am Abend durch deine Seiten blättere.
    Du solltest wirklich ein Buch schreiben. Ich mein das ganz im Ernst. Ich arbeite in der Branche, und da werden Leute veröffentlicht, die ein Bruchteil von deinem Talent haben. Oder, mag sein, du schreibst sowieso, und das hier ist nur dein Synonym. Nach dem was du bereits alles erlebt hast, würde mich das nicht wundern. Wie auch immer, du hast meine Email. Kannst dich ja melden.

    GrĂĽsse Frank

  6. Kai schreibt:

    wo muss ich mich fĂĽr den Job melden? ;-D

  7. Christian schreibt:

    Oswald du hättest Schreiberling werden sollen. Solche geschichten kannst du bestimmt gut vermarkten. Hut ab.

  8. Rex schreibt:

    Mensch Oswald, wie immer klasse geschrieben und wer mit Pavarotti kocht und so normal bleibt und Ape restauriert verdient Hochachtung.
    Rex

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