III

Also, bis ihr zu meinen dritten Wagen kommt,

Preview

(hier schon mal einen kleinen Ausschnitt)müsst ihr euch durch die Vorgeschichte beissen. Tut mir echt leid, aber die gehört dazu. : ) Am besten ihr schmeisst euch eine Country CD in die Stereoanlage. Als richtigen Soundtrack. Noch am besten eine von Garth Brooks, und ganz noch am besten das ganze so laut, dass die Nachbarn, die immer nur Punk und Independent hören, bald an den Tapeten kratzen.

 

Ich verkaufte also meinen Traumwagen. Den SuperCarry. Ja leider. Ich musste ihn loswerden, um an etwas Geld zu kommen, denn ich wollte in die USA. Ich war 22 Jahre und stellte fest, das es für mich Zeit war den American Dream zu leben. In Farbe, Cinemascope, und Dolbysurround. Das ganze Programm. Mit allen „Bells and Whistles“ wie man über den Teich sagte. Und zwar gleich ein paar Monate, mit der Option „open End“.

Zuerst ein bisschen New York. Eintauchen in den Big Apple. Vielleicht dort jobben. In Manhattan leben. Dann ein Auto kaufen und mit dem all das erleben, was man von den diversen einschlägigen Roadmovies so kannte. Route 66, Sonnenuntergängen auf endlose Highways, Grand Canyon, Las Vegas, Death-Valley, und Country Music aus dem Radio und irgendwann in LA aufschlagen und in Santa Barbara mit den Surferdudes herumhängen. Dazwischen gigantische Burger fressen und Cola und Bier trinken und Pizza verschlingen und unendlich große Steaks und SpareRibs bis einem schlecht wurde. Endlose Freiheit halt. (Hey, das war das Amerika der 80er Jahren. Da war George Bush noch das dumme Kind des Vizepräsidenten. (Genau genommen hat sich da bis heute nichts geändert.))
Also, wo waren wir? Ach ja.

Freiheit, Roadmovie, Burgerschlemmen, USA.

da gehts hin
Ja. Das war der Plan. Und ihr werde lachen. So ist es passiert. Nur mit einem Haken. Besser gesagt, zwei.
Und beide waren weiblich.

 

Falls ihr das noch nicht wisst. Fahrt nie mit Mädels auf Urlaub, wenn ihr einen „Abenteuer“ Urlaub plant, und ihr nicht hundert Prozent sicher seit, das eure weibliche Begleitung unter „Abenteuer“ nicht nur die Auswahl eines anderen Rot’s für den Lippenstift versteht. Es gibt da nämlich einige Unterschiede zwischen Mann und Frau.

Ja, ne, schon klar.

Ich meine solche, die weit über die Affinität zu Werkzeug und dem anatomischen-hormonellen, hinausgehen. Was ich da meine? Na lest weiter.

 

Also, zwei Mädels schlossen sich an, als ich an der Uni erzählte erzählte, ich wolle für ein paar Monate da hinüber. Wir waren Freunde. Und zwar im Sinne von, „die kann man sich nackt auf den Bauch binden, und nix passiert“ Freunde. Studienkollegen halt, und hatten uns prima verstanden.
Ein weiterer Freund von mir sprang dann in letzter Minute noch auf. Er wollte einige Wochen später nachkommen und zu uns stoßen womit wir zu Viert gewesen wären.

Die Ankunft am JFK, einer der drei Flughäfen in New York war geradezu klassisch. Ich hatte gerade die Anflugshalle verlassen mit meinem, bis zum einknicken, schweren Rucksack im Genick, als mich ein 2 Meter „African American“ Muskelmann mit den Worten.

You fucking Son of a Bitch!!!!!

begrüsste. Sonore Stimme der junge Mann. Ich glaube er hatte mir damit das bisschen Gesichstfarbe rausgeblasen, was ich da hatte. Ich brauchte eine Weile, bis ich begriff, dass nicht ich, sondern der Taxifahrer hinter mir der Sohn des Bitches war. Also ich war glücklich. Nicht nur, das der das Fett wegbekam, und nicht ich, sondern weil ich mir so Amerika vorgestellt hatte. Cool!

Wir wurden am Flughafen abgeholt. Von einem Polen in seinem Toyota. Den Polen kannten wir überhaupt nicht. Niemand von uns. Er war von einem Freund einer Brieffreundin der Mädchen ein Freund, glaub ich, oder entfernter Verwandter eines Freundes, eines Freundes einer Brieffreundin. Auf jeden Fall: Keine Sau kannte den Jungen. Das musste ich 20 Minuten vor der Landung erfahren. Vor der Landung in einer 8 Millionen Einwohnerstadt, in der mich niemand kannte, ich niemanden kannte, und es 4 Uhr Abends war, also kurz vor Mitternacht, und ich nicht wusste wo wir schlafen sollten. Und ich hätte damals alles gewettet, das er nicht auftauchen würde.

Aber er stand da. Der Pole. Mit einem Schild und wartete. 160 groß, der Pole, nicht das Schild, riesen Schnurrbart, der sogar seine Unterlippe verdeckte, und ein „Big Apple“ T-shirt. Eh klar. Polen haben seither einen Extrabonus bei mir.



Sein Toyota war einige Jahrzehnte alt,
wobei er seine besten Jahre, wahrscheinlich warens drei oder vier, bereits vor viele dieser Jahrzehnte hinter sich hatte. Das Teil war so kaputt, dass er, um die Türen zu schließen, einen ordinären Gummispanner von der rechten zur linke Tür spannen musste, sonst gingen sie unter der Fahrt auf. Beide. Der Wagen war wohl mal weiß, was man zwischen den Handteller großen Rostlöchern erahnen konnte, durch die man bequemen die Mechanik des Wagens sah. Mit geschlossener Motorhaube.

Ein durchschnittlich junger gesunder Mann vom deutschen Tüv hätte, eingedenk der Tatsache, dass der Wagen nicht nur fuhr, sondern auch noch ein Nummernschild besaß (dass mit einem weitern Gummiseil an der Befestigung der nicht mehr existenten hinteren Stosstange gebunden war) wahrscheinlich der sofortige Herztot dahingerafft.

Den Wagen hätte sie in Deutschland nicht einmal auf den Schrottplatz mehr angenommen. Aber in New York war er ein legales Fortbewegungsmittel. Wobei Fortbewegung relativ. Und legal auch.

Der Toyota, den der Mann fuhr, war nicht nur alt, sondern auch klein. Was die ganze Situation fast eskalieren lies, war der Umstand, dass er den Kofferraum, aus einem Grund der mir erst später klar wurde, zugeschweisst hatte und wir also mit unseren übermäßigen Rucksäcken, zu viert in dieser Kiste sassen, die wahrscheinlich für zwei ohne Gebäck bereits zu klein gewesen wäre. Zusätzlich hatte jeder von uns seinen Rucksack auf den Schoss, bis auf den Fahrer, der dafür die zwei Zusatztaschen der Mädels auf die Knie bekam. So rasten wir proppevoll über den Highway Richtung Manhattan. Schlaglöcher so gross wie U-Bahn-Eingänge, die der Toyota locker wegsteckte, einmal oder zweimal einen kurzen Slalom zwischen zerfetzten Truckreifen machten die Fahrt abweschslungsreich. Aus dem Radio knurrten irgendwelche Radiosprecher Werbung und dazwischen piepte leise aber beständig ein Warnsignal.

„Sietbells ..put.
“ meinte unser Chauffeur, und meinte damit, dass die Sicherheitsgurte durchschnitten von den Seiten hangen.
Und ich hatte schon die ganze Zeit gesucht. Aber eigentlich war es ja egal, weil Erstens war das New York und Zweitens hatte ich ja meinen Rucksack als Airbag vor dem Bauch und dazu das Gummiseil, das nebenbei noch die Türen zuhalten sollte. Sollte deshalb, weil bei jeder engeren Kurve meine Tür sich einige Handbreit öffnete, und den Blick auf US Amerikanischen Fahrbahnbelag freigab. „Dont lean out.“ lächelte der Pole durch seinen walrossähnlichen Schnurrbart.


Hätt ich nicht gemacht.

Wir fuhren über die Brooklyn Bridge nach Manhatten ein und bei dem Anblick der beiden Türme des WTC war ich platt. Es war ein Traum. Die Fahrt, der Pole, die Stadt, die gerade in der Dämmerung in die Nacht abtauchte, selbst das Auto.
Durch die gigantischen erleuchteten Häuserschluchten ging es zur Lower East. Damals eines das unzähligen Glasscherbenviertel in New York, wobei damals in New York alles Glasscherbenviertel war. Die Lower East nur davon ein bisschen mehr. Aber mir war das egal. Hey ich war in New York. Die Mädels konnten meine Begeisterung nicht Teilen. „Mit so einem Auto zu fahren ist gefährlich“, zischten sie in Deutsch von den hinteren Sitzen nach vorne. Ach ne.
Als wir schliesslich in einer Strasse stehen blieben half uns unser Chauffeur aus dem Wagen. „Good Car“ meinte er als er an sein Lenkrad eine mechanische Lenkradsperre ungeahnten Ausmaßes anbrachte, die den Wagen zum einen eine Schlagseite nach Links gab, zum anderen dessen Wert locker um ein mehrfache nach oben trieb. Ich musste lernen, das in den USA alles etwas anders war. Auch, dass man in New York keine Autos zusperrt. Das verführt nur geradezu zum Aufbrechen. Prinzipiell. Mir wurde klar, wieso man zum Türversperren Spanngummis benutzte.
Lower East

Wir dürften bei ihm bleiben solange wir wollten,
teilte er uns mit. Nach einen Blick auf die Kackerlacken, die über die Kaffeetassen in der Spüle liefen, entschieden die Mädels, dass wir nicht wollten. Auch das Argument Abenteuer stach da nicht. Was wir damals alle noch nicht wussten, war der Umstand, das in New York Kakerlaken zum Inventar gehören. Jeder hat Kakerlaken. Wirklich jeder. Gehörte zum guten Ton. Mein Haus, mein Auto meine Kakerlaken.

Den nächsten Schock bekamen die Mädels, als sie aus dem Fenster sahen und beobachteten, wie auf der gegenüber liegenden Fahrbahnseite zwei Jungs in einen Wagen einbrachen.
Aufgeregt berichteten sie das unserem polnischen Gastgeber, der deshalb nicht einmal aufhörte in seinem Kaffee zu rühren.

 

Am nächsten Tag vermittelte uns unser Pole ein Appartement eines Freundes zum Sonderpreis, weil die Mädels unvermissverständlich klar machten, dass sie seine Gastfreundschaft nicht länger in Anspruch nehmen wollten. Seine und die der Kakerlaken. Wir tauschten seine Kakerlaken, gegen unsere eigenen. Das „Appartement war ein Wohnschlafküchebadklo Zimmer am Broadway irgendwo in der 60ten Strasse, 2ter Stock. Der Preis war für Manhatten erträglich, für den Broadway geradezu gemeingefährlich billig.
Der unschlagbare Vorteil des Zimmers war, das es für New Yorker Verhältnisse, geradezu unheimlich sicher war, worauf auch die 4 Türschlösser hinwiesen, die noch nie aufgebrochen worden waren. So betonte unser Pole. Sauber im europäischen Sinn war es nicht unbedingt. Der Lichtschacht, eigentlich eine Art Hinterhof, war bis in den 2. Stock mit Müll aufgefüllt, dessen Gestank man mit Unmengen, nach Chemie riechenden Duftwässerchen, zu übertünchen versuchte. Ich wusste nicht, wovon ich gleich kotzen würde. Von dem Müll Gestank, oder der Chemie, oder der raffinierten Mischung von beiden.

Die Mädels weigerten sich kategorisch da einzuziehen
, und kamen erst wieder auf das Angebot zurück, als sie feststellten, das jede andere, nur einigermaßen bessere Unterkunft in einer Woche ihr gesamtes Reisbudget verschlingen würde. Ein Wochende wollten sie hier verbringen und dann raus aus diesem „Dreckloch“. Mit Dreckloch meinten sie das Appartement im Speziellen, New York im Allgemeinen.
Ich wollte bleiben. Zum einen kam in einigen Wochen der andere Junge an, und irgendjemand sollten den vom Flughafen abholen, zum anderen. Mensch… das war New York!!
Die Mädels blieben dabei. Nach zwei Tagen packten sie ihren Rucksack und fuhren mit ihre Zusatztaschen in einem Bus zu Freunden von uns nach Ohio.

Dann war es ruhig.

 

Gut. Ok. Na ja. Im ersten Moment war ich überrascht, aber dann hatte ich die besten Wochen meines Lebens. Ich und New York. Ich hab George Benson im West Village life gehört (arthur’s tavern, eine Bar, in der das ganze Jahr über die Weihnachtsdeko hängt) ein Konzert von Ray Charles im Central Park. Ich war Clubsandwich essen um 3 Uhr früh in einem Joint am Timesquare, mitten unter Hookers und den Tänzerinnen aus einem der Musicals die da gerade probten, lag am Wochenende inmitten Hundertausender im Centralpark, lies mir die Junisonne auf den Bauch scheinen und sah den Rollschuhläufern zu, aß NY Cheescake in einem Cafe in 5th Avenue, stöberte durch die versifften Gebrauchtläden in der Canalstreet, wo man damals noch alles für den ganz privaten Kleinkrieg kaufen konnte, inklusive Panzerfäuste (unter dem Tisch auch scharf) ging tanzen im Limelight, der umgebauten Kirchendisco. Und dann noch das Übliche.

Fast hätte ich einen Job als Austräger für einen Pizzaladen angenommen, den mir der Besitzer, ein Schweitzer Halbfranzose mit ungarischen Wurzeln, der mit einer Mexikanerin verheiratet war (ein typischer Ami halt), anbot, bei dem ich fast jeden Tag zu Pizaslice und Beer halt machte. Meistens so um 4 Uhr früh, wenn ich von Downdown zurück kam. Und dann wär ich wohl in NY geblieben, hätte dort Karriere gemacht, ein Haus mit Pool, drei Autos, Fittnesclub, Herzinfarkt, oder wär in den Irak eingezogen worden, oder Busch-Wähler. Wer weiß. Aber als mein Kumpel kam, bog ich, und mein Schicksal nach Ohio ab, um dort wieder die Mädels zu treffen.

Der Vater der Freunde, bei denen wir in Ohio unerkrochen waren, war Autohändler. Und er bot uns um unser mickriges Geld zwei Wägen an. Einen ur vernünftigen 6 Jahre alten Toyota mit knappen 9 Liter verbrauch, AirCondition, zuverlässig, und braun und …. hässlich. Das war auch seine Empfehlung, weil der andere, den er noch hätte, hätte seine Macken, meinte er. Er wäre halt ein Amerikaner, fügte er hinzu. Und der sah so aus…

the car
Der auf dem Dach bin ich. Die anderen hab ich abgedeckt, weil ich nicht weiß, ob es ihnen recht ist in einem Blog aufzutauchen, und mich, weil ich urhässlich bin. 🙂

Ein 75er Ford LTD Station Wagon.
Ein Gewaltstier mit einer 6,2 Liter V8 Maschine. 180 PS ca. Grün… gross … schwer (2,2 Tonnen) stark, amerikanisch. Der Toyota hatte nicht den Hauch einer Chance.


Auf der hinteren Ablage konnten 4 Leute locker schlafen, und vorne ebenso viele nebeneinander Sitzen. Das Tier hatte nämlich vorne eine Bank!! Wir zahlten und wollten gleich los. Er stoppte uns im Flug gewissermaßen.
Das Tier würde noch einmal von einem seiner Mechaniker durchgesehen.
Am nächsten Tag bekamen wir noch den Tip, nicht über 55 Meilen/Stunde zu fahren (so ca. 89 kmh). 55 Meilen!? Wie meinte er das? Das war ein Auto mit 180PS? V8 Maschine, 6,2 Liter. Das war ein Tier. Und schafft locker das dreifache. Er lächelte. Na, meinte er, das sei erstens; ein altes Auto und zweitens; dürfe man in den USA sowieso nicht schneller fahren, und drittens; sei das ein amerikanisches Auto. Ja klar war das ein amerikanisches Auto. Wir haben ja bewusst nicht die Japanische Reisschüssel genommen. Die tieferen Sinne seiner Worte sollten wir erst später erfahren.
Damals fragten wir uns, für was überhaupt ein 6,2 Liter 180 PS Monster, wenn die auf der Strassen kaum vom Ersten in den Zweiten schalten durften? Amerika ist eben anders, dachten wir.

So schaukelten wir, mit guten Wünschen versehen, in unserem grünen Ford LTD Stationwagon Richtung Sonnenuntergang. Vorne blubberten besagte 180 PS, die du aber, wie wir schnell erfahren durften, kaum bemerktest. Nicht weil er so gepflegt lief, sondern weil das Aas keinen Saft hatte. Es fühlte sich eher wie satte 18 PS an, was da unter der elendslangen Motorhaube rackerte, und mir war klar, warum niemand in den USA schneller fuhr. Die armen Schweine konnten nicht.
Wahrscheinlich lag es am unheimlichen Gewicht von über 2 Tonnen, oder am Luftwiderstand, der den der Eiger Nordwand aufs Haar glich, oder der ineffektiven Mechanik, die den Rest der Leistungsreserve wegschluckte wie nichts.

 

Beschleunigung war einfach das falsche Wort. Der Wagen rollte an, wenn man aufs Gas stieg. Wenn du wirklich Gas geben wolltest musste du dir das schon einige Minuten vorher gut überlegen, denn solange brauchten die 180 PS um das Boot langsam nach vorne zu schieben. Und schaukeln war nicht figurativ gemeint, denn was die Amerikaner unter einem Fahrwerk verstanden hatte mit dem was wir in Europa haben vielleicht den Namen gemeinsam.

Das war einen Nierenschaukel.
Fuhrst du über einen Bodenwelle tauchtest du geradezu durch und schwangst noch in dern nächsten Stadt später gemütlich nach. Da vermittelten 20 cm Federweg, einige Tonnen Gewicht und eine kaum existierende Dämpfung das Gefühl in einem Federbett zu fahren. Abbiegen…. denk lieber gar nicht daran. Lass es sein. Weil das ist mehr ein Schwimmen statt ein biegen. Wenn man einschlug dauerte es erst einmal zwei-drei verdammt lange Sekunden bis dein Schiff den Befehl verstanden hat. Ebensolange bis es sich dazu entschieden hat, dem Folge zu leisten. Dann wabberten du und deinen 6 Metern um die Ecke und schauten, dass sie so gut es irgendwie ging den richtigen Fahrbahnstreifen trafen.

Aber verdammt. Wir waren in Amerika. Wer will da abbiegen!! Immer geradeaus ist die Devise
. Halt nur mit 89 km/h. Maximal. Nach 10 Minuten anrollen. In der 4.

Dafür brauchte das Boot 34 Liter auf 100 km. Im Schnitt. Manchmal auch etwas mehr. Cool nicht? Damals kostete der Gallon, also knapp 4 Liter, irgendwas bei 75cent. Da warst du mit dem Teil durch ganz Amerika billiger Unterwegs, wie mit einem 4er Golf bei uns heute wenn du Brötchen holst. Und sonst? Alles pikfein. Wir waren glücklich uns für das Teil entschieden zu haben. Es z.B. gab nur für diese Kisten vor den McDonalds eigene Parkplätze. Nannte sich „Fullsize“. Also „Volle Grösse“. Im Gegensatz zu „midsize“. Und nein. Europäische Wagen waren noch einen Schuhnummer darunter… die fielen unter Economy. Zwei Economy machten einen „Fullsize“.
Vorne konnte ein Beifahrer locker liegen, während man das Schiff durch die Nacht steuerte. Und hinten die zwei anderen pennten. Warmer Wind in den Haaren, Country aus dem Radio, eiskaltes Cola in der Hand, deren Eiswürfel in der Hose. Hey es war Sommer, und die Klimaanlage funktionierte nicht.

Country kam übrigens fast überall aus dem Radio, oder Christliche Predigten.
Wer glaubt, USA wäre New York, irrt. 95% ist plattes Land. CountryLand. So plattes Land, da ist dagegen Ostfriesland ein Hochgebirge. In einzelne kleinen Dörfer hältst du besser nicht an. Da bist du der erste Europäer der da auftaucht seit sie selber dorthin gezogen sind. Am besten Glasperln zum tauschen mitnehmen.
Route 66 ist schön. Die alte Strasse, nicht der Highway. Die meisten Touris rasen auf dem gleichnamigen 6 spurigen nagelneuen Highway dahin, und wundern sich, was an dem legendär sein soll.


Wir kamen ohne grössere Probleme 2000 km bis nach Nevada,
da machte es eines Abends einen Knall. Gleichzeitig dampfte und rauchte es aus der Motorhaube.
Ich fuhr sofort rechts ran. Zuerst war Stille im Wagen, dann wurde es laut.
„Mitten in der Wüste. Alleine. Kein Wasser.“ Die Mädels.
Wir waren vor 2 Minuten aus einer Tankstelle gebogen und standen auf einer der meist befahrenen Autobahnen der ganzen USA. Es rauschten im Sekundentakt duzente PKW´s an uns vorbei.
Wir wären wahrscheinlich hundert mal überfahren worden bevor wir verschollen wären. Zur not wär ich auch die 10 Minuten zu Fuss zur letzten Tanke gegangen.

Dann begannen sie zuerst auf das Auto zu schimpfen, dann auf den Verkäufer, der innerhalb von Sekunden, vom heiligen zum Monster mutierte, den einer der Väter der Mädchen wohl verklagen wird.
Wir Jungs brauchten eine Auszeit. Wir stiegen aus und taten das, was Männer in dem Fall einfach taten. Wir öffneten den Motorraum. Wunderbare Ruhe umfing uns, sah man vom Zischen der austretenden Kühlflüssigkeit einmal ab.

Normalerweise spielt sich das ganze ja so ab.
Mann öffnet die Motorhaube. Sieht hinein, zeiht an ein paar Kabel und schliesst ergebnislos dieselbe wieder. Mann hatte zumindest das Gefühl etwas getan zu haben. Und das war fürs eigenen Selbstbewustsein wichtig. Dann ruft man den ADAC. Aber den gibt’s bekanntlich in den USA nicht. Ausserdem konnten sogar wir zwei Dummies sehen was bei unserer Kiste kaputt war. Ein Kühlschlauch war gerissen, knapp vor der Befestigungsschelle am Motorblock. Und sogar wir Dummies trauten uns zu das Teil zu reparieren. Wir warteten einige Zeit bis sich der Motor abgekühlt hatte. (Die Mädels machten sich dabei mit Schimpfen nützlich) Dann konnte ich mit einem Schweitzermesse den Kühlschlauch abschneiden und verkürzt wieder anklemmen. Ein bisschen Wasser dazu und das Provisorium hielt die ganze restliche 3000 km, (und war mein zweiter Schrauberversuch.)
Der Kühlschlauch hielt wie gesagt die ganze Reise. Die Beziehung in der Gruppe war von dem Zeitpunkt, na … etwas brüchig.

 

Ich weiß nicht, ob ich das bereits geschrieben habe. Na egal. Es ist wichtig, und da schadet eine etwaige Widerholung nichts. Also: Falls jemand einen Tip haben will. Fahrt nie nie nie mit Frauen auf einen Urlaub, es sei denn ihr habt sie vorher auf Herz und Nieren geprüft und als voll Reisetauglich empfunden (und die heiratet dann so schnell wie möglich). Andererseits werden sonst 3000 km verdammt lang. Ganz ehrlich. Verdammt lang. Eine gefühlte Erdumrundung lang. Und zwar nicht auf den Polen, sondern schön entlang des Äquators. Zu fuss. Barfuss. Durch den Jungle. Ich weiss nicht? Kommt die Message rüber?

 


Die Nationalparks waren plötzlich „verdreckt“
. Die Natur zusehr Natur. Die Städte zusehr Städte. „Wir“ bemängelten: „keine Brausen“, „die falschen Brausen“, „die Brausen zu weit weg“, „zuwenig“, „ohne Seife“, „mit falscher Seife“. Die Motels zu gefährlich, zu teuern, zu billig, ohne Fernseher, mit Fernseher, aber den falschen Kanälen, die richtigen Kanäle, aber die zu bezahlen. Die Strassen zu lange?! zu steil, zu eng. Zu weit. Zuwenig Tankstellen, die falschen Tankstellen. Keine Toilette. Zu dreckig die Toilette, die Toilette sauber, aber am falschen Ort.

Die Diskussion, was wir wo essen wollten geriet zu einer Stundenlangen Selbsterfahrungs-Session. Dabei waren wir Jungs überhaupt nicht daran beteiligt. Wir beide gingen dahin, wohin die „Mehrheit“ sich entschied hat essen zu gehen. Und wir wussten vorher schon, es wäre das falsche Restaurant. Und wir wären Schuld.

Wir Jungs gingen Wandern. Ich bin in meinen Leben vorher noch keine 10 Minuten freiwillig irgendwohin gewandert. Zu Fuss mein ich. Zur Erklärung: ich war Student. Dort und zu diesen Zeitpunkt lernten mein Kumpl und ich die Schönheiten der freien Natur zu schätzen. Stundenlang. Mann .. gingen wir wandern.

Akut wurde die Situation einmal, als mir die Frauenpower, ich war gerade mit Fahren dran, in den Bergen erklärte, dass man nicht mit dem Motor bremse. Das mache ihn kaputt. Und sie gewillt waren ihre Meinung mit Gezeter, Schreien und diversen Drohungen durchzusetzen. Das war in jenen Bergstrassen der USA, die gut und gerne mal 18 Prozent Gefälle hatten, die der 2 Tonnen Wagen mit Begeisterung zu nehmen bereit war. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Bremsen für die Karre nicht gerade überdimensioniert waren. Aber hey, wir sind in den USA und wer will da schon bremsen.

 

Und sonst? Kamen wir mit unseren Ford bis nach LA. Wie vorgesehen. Dort trennten wir uns so schnell es ging von unserer weiblichen Reisebegleitung. Unseren Stationwagon mussten wir als Opfer Quasi zurücklassen. Aber das war es wert.
Danach machten wir erst mal Urlaub. Wir erinnern uns. Mit den Surfer Dudes herumhängen, schöne Frauen schauen, Burger verdrücken, Bier trinken, was man halt so macht.

Das wahre Leben
Ja, was soll ich sagen. Es gibt dunkle Seiten im Leben und es gibt Sonnenseiten. Und dann fingen eindeutig die Sonnenseiten an.

6 Monate war ich da in den USA. Bei meinem ersten Aufenthalt. Beim zweiten war ich weit über ein Jahr dort und hatte einen ganz anderen Wagen. Keinen Ami. Man lernt ja dazu. Aber die Story kommt erst viel später.

4 Reaktion zu “III”

  1. WEHOE schreibt:

    Hallo Oswald,
    daß mit den Frauen auf Reisen kenne ich.
    Ich hätte auf der Anfahrt zum ZDF-Fernsehgarten die, die ich zu der Zeit hatte fast an irgend einer Ampel zwischen Wiesbaden und Mainz entsorgt. Bei Haustieren wäre so etwas ja verboten, aber bei Frauen? MfG Werner

  2. Gregor schreibt:

    Ich will in den/die USA!!!

    die geschichte muss man unbedingt verfilmen! Das feeling in einem geilen auto zu sitzen gegen horizont, was zu trinken in der hand, eiswürfel in der hose, das hört sich so verdammt wundervll an… hach….

    und zum thema frauen: „ja ne is klar?!“

    mfg

    gregor

  3. Nachtfalke schreibt:

    Was machst denn du für Geschichten. Das Leben hat dich schon schwer gezeichnet. 🙂
    Und trotzdem. Etwas Neid fühl ich schon. Genau so eine Reise wollte ich machen, als ich noch ein paar Jahre jünger war. Sollte nicht sein.
    Und Zustimmung. Willst du wissen, ob die mit einer Frau ein Leben verbringen willst (und kannst) fahre mit ihr in den Urlaub. Ich war mit meiner Herzdame 5 Wochen in Griechenland. Und hab sie geheiratet.
    Oswald der Weise. Wer hätte das gedacht.

  4. micky schreibt:

    Ein Roadmovie allerfeinster Güte, wieder mal ganz großes Kino! 🙂

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