Neu: über mich…

… gibt’s nicht viel zu sagen, noch weniger zu schreiben, was von mir interessant wäre und wert gelesen zu werden.

Ich halte es lieber mit dem wirklich wahren Spruch:

Sage mir was du fährst, und ich sage dir, wer du bist.

In diesem Sinne werde ich auf der Seite ein bisschen über jene Fahrzeuge plaudern, die ich das Vergnügen hatte in meinen Leben besitzen zu dürfen.

Fangen wir ganz am Anfang an.
Zweirädrige lass ich jetzt einfach einmal aus. Das sind Präphasen. Frühpubertäre Vorversuche. Hat nix aber auch gar nix mit dem richtigen Leben zu tun. Das beginnt mit 18. Wenn du deinen Wisch in den Händen hältst und dein erstes Auto unter deinem Hintern hast. Egal was das für ein Teil ist. Eine Rostbeule wie sie im Buche steht, und schrottig. Das Öl läuft, der Keilriemen quietscht und der Motor läuft nur auf drei Zylinder?
Macht nix. Diese Beule ist bezahlt. Es ist deine Beule. Und sie fährt deinen Hintern um die Welt wenn du es willst. Und auf einem mal wird die Welt gigantisch groß. Und sie gehörte dir. Italien, Spanien, Griechenland, China. Alles Möglich. Kein Ziel zu weit. Solange du am Montag Früh zum Schulläuten wieder zurück bist und dir das Benzingeld nicht ausging. Das schränkte das ganze natürlich vorerst auf die vier Dörfer um deiner Heimatstadt ein… aber du könntest wen du wolltest.

Mein erster Wagen war ein Fiat 126.

So sah sie aus, die Kiste
Das ist kein Foto meines Wagens, sondern von Wikipedia. Meiner wurde nie fotografiert, soweit ich mich erinnern kann.

Das ist jenes Fahrzeug, das als Nachfolger des legendären Cinquecento auch eine ganze Zeitlang in Polen gefertigt wurde, Fiat cinquecentound deshalb hier im (ehemaligen) Westen zum Inbegriff polnischen Autofahrerluxuses wurde.
Meiner war ein echter Italiener. Mit allen vor und Nachteilen, die man Italienern so zuschreibt. Ok. Mit allen Nachteilen.

 


Aber fangen wir ganz am Anfang an
. Ich schaute ihn mir deshalb an diesen gewissen Wochenende an, weil ich Freitag meinen Führerschein bekommen hatte, nicht mehr als umgerechnet 300 Euro übrig, und das an diesem Wochenende der einzige Wagen war, der in der Preisklasse im örtlichen Blättchen angeboten wurde.

„Sport“, stand da, und „Speziallackierung.“ Ich war Feuer und Flamme, wenn das Teil jetzt auch noch fahren würde, wäre es gekauft.

Ich fuhr mit meiner Vespa zur angegebenen Adresse. Der Besitzer öffnete die Garagentür. „Garagengepflegt“ dachte ich. Dass sein brandneuer Mercedes im Freien stand, machte mich nicht die Bohne misstrauisch.

Er hat sein altes Fahrzeug halt lieb, der gute Mann.

Und ich war super glücklich, dass ich so ein wohlbehütetes Fahrzeug bekommen sollte. Der Wagen war eine Schönheit. Rot-metallic, natürlich. Tadellos gepflegt, sagte mir der Verkäufer. Das sah ich, das sah ich. Innen war er mit zentimeterdicken „roten Plüsch“ ausgekleidet. Alles, auch der Autohimmel. Das verringerte den nutzbaren Innenraum des kleinen Wagens schlagartig und die Hälfte, aber sah extrem cool aus. Wie ein Playmobil Puff auf Rädern. Ich hatte mich sofort in ihn verliebt. Was machte es, dass er bereits 12 Jahre alt. Der Tacho zeigte gerade einmal 12400 km an.
Handeln? Warum. Das Ding war ein Schnäppchen. Einpacken und mitnehmen. Ich stellte ihn, stolz wie Polle meinen Eltern vor. Die waren tapfer, und mitfühlend. Die hatten ja keine Ahnung.
Ich war der Star. Wenn ich die Kisten zwischen eine Rolls Royce und einen Jaguar parkte, wurde meiner fotografiert. Ich liebte ihn. Die Mädels liebten ihn. Zumindest brachte er sie trockenen Fußes nach Hause. Im Sommer. Im Winter sammelte sich, weiß der Himmel warum, im Fußraum Wasser, das in der Nacht zu einer mehrere cm dicken Eisplatte gefror, und nach längeren Fahrten, wenn es dann wieder schmolz, den puffroten Teppich im Fußraum zu in einen klitschig schwammigen Fußbad verwandelte. Fuhr man eine längere Zeit weiter, brachte die tapfer werkelnde Fussheizung die ganze Brühe zum kochen, das die Fenster beschlugen, und man nur durch heftig winkend die Strasse erkannte. Weshalb einer meiner Freunde den Kleinen auch mit „Schnellkochtopf“ titulierte. Das blieb ihm auch. Wobei schnell eben relativ. Ich glaube, er hatte 26 PS. Spitze war irgendwie bei 100, die er nach gut 5 Minuten erreichte. Wenn es nicht leicht bergan ging. Wenn das „Sport“ ist, was wäre dann „Normal“.

Van HindenEs war auch das erste Fahrzeug an dem ich selber schraubte. Reine Zwangslage, weil irgendwo auf der Heide plötzlich das Kabel zum Starter abriss (ja, der hatte einen Zündschlüssel und einen Hebel mit dem man den Wagen startete. Ich glaube Porsche hat das Konzept später wieder aufgegriffen. Da sieht man wieder.)

Ich also in das Bordwerkzeug geschaut.
Darin war.

1 Schraubenzieher,

1 Schraubenschlüssel, und

… aus.

Ungelogen. Na, es war ja auch ein kleines Auto, nicht.

Irgendwo fand ich noch ein Nagelclips, die zwischen die Sitze gefallen war, (fragt mich bitte bitte nicht, wie der da hin kam) und mit den drei Teilen gelang mir eine notdürftige Reparatur.

Die weiteste Fahrt die ich mit ihm machte, ich erinnere mich genau, war bis München. Die Erinnerung ist deshalb so lebendig daran, weil ich eine Zeitlang brauchte, die Gesichtsfarbe wiederzubekommen, nachdem mich 30 Tonner auf der LKW-Spur zwei Stunden vor sich hertrieben.

Das blieb dann auch meine längste Fahrt.

Was wusste auch der Tüv von unserer Leidenschaft,
als er mir zwei Monate später mitteilte, dass die Träger durchgerostet, unter dem massiven gefrorenen Plüschteppich auf Fahrerseite ein Fussballgrosses Loch, die Bremsen 20% Leistung hätten (Das war der gemittelte Schnitt, weil wirklich jedes Rad eine andere Verzögerung hatte).
Der langen Rede kurzer Sinn. Unsere Beziehung war, trotz vieler Reparaturversuche, eine kurze (aber Intensive. Mann, der Wagen hatte ein Stoffverdeck, und da konnte man sogar zu Zweit, ich meine, wenn man sich verrenkte, ging’s….)
Ich mochte diesen Wagen.

Das nächste Auto war ein ….(Fortsetzung folgt)

Ein Reaktion zu “Neu: über mich…”

  1. Geralynn schreibt:

    That’s not just the best answer. It’s the bsetest answer!

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