letzter Tag?

Die APE

Vor 5 Jahren gekauft, zuerst 400 km von der dänischen Grenze nach Berlin, dann nochmal über 1000 km nach Graz gerattert, gezogen, geschoben, geschleppt. Dort über ein Jahr renoviert, von Grund auf. In seine Bestandteile zerlegt, Ersatzteile in ganz Italien gejagt, schweißen gelernt, weil der Kabinenboden eher ein Sieb und kein Blech, das was die Italiener einen Lack nennen geschliffen bis ich eine Staublunge hatte. Karosserieteile selber gespengelt, Motor in seine Einzelteile zerlegt und wieder zusammenbekommen dann nach Salzburg gezogen bei Nacht und Nebel die APE mit im Gebäck, (inzwischen schon zusammengebaut und im roten Kleid). Dort zwei Jahre vor sich hingeschlummert (ich sage lieber „gereift“). Und jetzt soll das wirklich an so was wie der Typisierung scheitern? Das hat sie nicht verdient. 


Wir erinnern uns, schon 2-mal hab ich Anlauf genommen, um mein Teil typisieren zu lassen.

Prüfstelle

 Das ist besagte Typisierungsstelle. Der Ort der Entscheidung… oder eben nicht.

Beim ersten Mal ging die Gangschaltung in die Knie, knappe 2 km vor der Typisierungsstelle. beim zweiten Mal schleppte ich mich bis zur Typisierung aber ein kaputtes Blinklicht  und eine Fahrgestellnummer die der Prüfer nicht fand wurde mir zum Verhängnis. Und es sollte noch nicht das Ende sein. Merke… typisieren ist deine persönliche Reifeprüfung. Hier scheidet sich Mann von Waschlappen. Und ich wollte Mann sein!


Ich hatte die Woche vorher alles Kritikpunkte durchgearbeitet. Alles eigentlich ganz einfach. Das mistige Blinklicht repariert in knapp 2 Minuten (Wackelkontakt). Die Fahrgestellnummer war genau da wo sie sein sollte. Nur man musste sich halt etwas bücken… das kann man einem In-schenöhr von der Prüfstelle nicht zumuten. Der hatte es wohl im Kreuz. Die Innenverkleidung mit Blechmuttern festgeschraubt, auch ein Klacks.

Fehlte noch die Tachowelle.

Ich weiß nicht, was mich da beißt, dass ich mir immer irgendetwas bis zum Schluss aufheben muss. Räum ich die Werkstatt auf, bleibt die dreckige Lack Dose am Arbeitstisch, die ich dann 4 Tage später mit der Hilti wieder runterhämmern muss. Pack ich meine Koffer ausnahmsweise mal nicht 20 Minuten vor Takeoff lass ich bestimmt das Zusammensuchen der Dokumente für kurz vor dem Abflug. Wo ich diese Dokumente natürlich nicht dort finde, wo ich sicher war, dass sie liegen müssten. Und dann mit Taxi Vollgas und bei Rot durch die Stadt und verschwitzt in die 14 Grad Klima des Flugzeugs… Muss so sein. Ich hab ja die Theorie, dass der Mann Herausforderungen braucht, die ihm das moderne Leben einfach nicht bieten kann. Wann hat unsereins das letzte Mal ein Mamut gejagt? Na eben. Und immer nur Fernsehfernsteuerung Programmieren ist auch nicht der Killer. Normales Leben hat keine Dramatik. Ok, typisieren schon, und APE herrichten erst recht, aber sonst? Gähnende Unterforderung für unsereins… Da gibt eine noch nicht eingebaute Tachowelle am Tag der Abnahme dem Leben erst seine Würze.

Mein Plan war der: Um 10 Uhr war der Vorführungstermin. Um 8 wollte ich mit der Welle bei meiner APE auftauchen, eine halbe Stunde schrauben… dann gemütlich frühstücken und dann ab zur Vorführung. So war es gedacht.
Ich kam um 9 zur APE. Konnte ich voraussehen, dass ich meinen Sohn zur Tagesmutter bringen musste? Ja konnte ich, aber nicht, dass ich mich nicht so leicht von meinem kleinen knopfäugigen Nachwuchs trenne und er mir vorher noch erzählen muss, dass er jetzt mit dem Traktor spielen wird und mir den Traktor zeigen muss und ich ihn bestaunen muss und mich mit ihm ins Spielzimmer gehen und ein paar Runden herumtuckern. …. Tja das hat halt Priorität. Und das spart den Psychologen in der Zukunft.

Alles noch kein Problem, bin locker in der Zeit. Und die Welle, das ist ja kein Akt…Ich schraub die Armatur runter, geschwind die alte Welle vom Tacho, dann noch zum Motor, wo die Welle in denselben führt dreh an dem Alustutzen und dreh und dreh ….  und krieg das Scheissteil nicht los.

Eigentlich sollte man einmal dran rumnuckeln und die Alumutter sollte sich dann von alleine lösen. Eigentlich, aber die Alu Befestigungsschraube tat das, was Alu am besten kann. Sie verkorrodierte mit dem Alu Motorblock. Und das Teil saß bombenfest. Geschweißt wäre lockerer gesessen.

 Tachowelle…

 Besagte Aluschraube… eher ein Griff, als eine Schraube und mit dem Motor festgebacken….

Was die Sache noch zusätzlich erschwerte. Diese scheiss Schraube war so blöd angebracht, dass man eigentlich den ganzen Motor auszubauen hatte, um an sie ordentlich ranzukommen. Etwas was man nicht auf der Straße so mal eben mit einem Leatherman macht. Und erst recht nicht in 60… nein 50 Minuten vor dem Vorführtermin. 

Ich gebs zu, ich war dabei meine Contenance etwas zu verlieren.

Ein bisschen. Aber warum hat Gott WD 40 erfunden. Na klar, damit man es benutzt. Also sprüh ich das Teil mit WD 40 ein, was sag ich, ich ersaufe es in einer vollen Dose. Und… es rührt sich nicht. Meine Flüche (ich hatte jetzt nur noch knappe 25 Minuten) hallten durch die ganze Stadt. Blöderweise verstand die diese Aluschraub nicht. Eh klar. Ich schwitzte und zog und rüttelte, dass der Lack fast von der Karosserie fiel, aber sie rührte sich nicht. Nicht einen mm. 20 Minuten noch. Kann nicht sein. Ist das ein Fluch? Will da jemand was verhindern. Ich erinnerte mich wieder an den guten alten Odysseus, und den Fluch der Götter. Ich fluchte zurück robbte mich nochmal unter die Maschine, presste meinen Franzosen mit aller Macht zu- fluchte nochmal (fluchen gehört zum Schrauben, wie WD40) und zog… und …sie knackste.. ein bisschen… und gab nach. Diese verdammte Schwester einer H…. löste sich und lies sich losschrauben.

(Übrigens.. Piaggio… Aluschraube in einem Alublock… und das in Salzwasser…. keine gute Idee… echt nicht… wirklich nicht)

Ich hätte gerne gefeiert. Mir eine Sixpack Bier gekauft und mir jede Dose über den Kopf geschüttet, aber es fehlte etwas die Zeit. Nur noch 15 Minuten. Ich befestigte die Welle am Motor, zog sie nein fädelte sie in die Fahrerkabine und dort an den Tacho. Noch für einen kleinen Funktionstest den Parkplatz auf und abgefahren…. und wirklich… dieser besch… Tachonadel rührte sich überhaupt nicht. Mir gingen die Flüche aus. Hatte auch keine Zeit mehr dazu. 10 Minuten noch. Ich zerlegte in meiner Not den Tacho und bemerkte, dass die Nadel zu Schwergängig. Ich übergoss sie mit Öl und zog die Rückholfeder noch etwas straffer. Noch 2 Testfahrte und der Tacho bewegte sich wieder. Auch das Zittern hat aufgehört. Aber ob das die richtige Geschwindigkeit war, die er anzeigte… Egal, scheissegal. Mir blieben noch 3 Minuten. Ich klemmte mich hinter das Lenkrad und ratterte zur Abnahmestelle bei Rot über die Kreuzung.
Eine Minute nach 10 Uhr traf ich bei der Prüfungsstelle ein. Dort stieg ich schwitzenden aus dem Gefährt…

„Nervös“? fragte der Prüfer. Ich japste irgendwas von einer zitternden Tachonadel und der Motornummer und das der Blinker… „Zitternde Tachnonadel?“ frage der Prüfer… „da hats einer aber sehr genau gemeint.“ Ich konnte ihm nicht widersprechen. D.h. ich konnte wirklich nicht, weil ich immer noch am Luftschnappen war.

Die Überprüfung dauerte genau 2 Minuten.

ZWEI MINUTEN!!!

Tachonadel war im schnurzegal. „so ein Teil muss zittern nicht?“ Ich hätte geweint, hätte ich Luft bekommen. Ich hätte den Prüfer am liebsten mit der Nase auf meinen, nicht mehr zitternden, Tacho gebunden und wär mit ihm eine Runde durch Zentraleuropa getuckert, wenn es der Prüfer vom Letzen Mal gewesen wäre, aber der hier, der war nett. Und so blieb mir nichts anderes übrig als nach 10 Minuten meinen Typisierungschein abzuholen. M e i n e n T y p i s i e r u n g s s  c h e i n!!!!
Ich jubelte sprang und feierte ine Volksfest… intern. Äusserlich blieb ich cool wie ein Eisbär. Der Beamte sagte noch. „Na sehen sie, ging ja ganz schnell.“

Leute… heute ist es soweit: Ich melde das Scheissding an. . Jetzt. In 5 Minuten…. dachte ich damals noch… aber so schnell geht das ganze nicht. Es dauerte ….. noch eine ganze Weile und wäre fast in letzter Sekunde für immer gescheitert, aber dazu das nächste mal mehr…

Was haben wir heute gelernt: 

Das wir Männer Herausforderungen brauchen wie die Luft zum Atmen. Und wenn zufällig kein Mammut zur Stelle, heben wir uns eine Tachowelle bis zum Schluss auf. Hossa.
🙂

11 Reaktion zu “letzter Tag?

  1. wieseundco schreibt:

    Moin Oswald.
    Warum mag ich deine Berichte nur so gern?
    Ganz einfach, ich lache schon, bevor ich überhaupt weiß, was als nächstes kommt.
    Bitte, bitte, höre nie auf, dein Schraubertagebuch zu schreiben 🙂

  2. Toscana Regina schreibt:

    Moin Oswald,

    Gratuliere zur Typisierung ,am Ende wird alles gut!!!

    Wie immer herzerfrischend u.spannend geschrieben“bidde
    weiter machen“
    Sommerliche Nordseegrüße
    Regina

  3. admin schreibt:

    Danke euch Frank und Regine, für den Zuspruch. 😀 Ich schreib jetzt auf jedenfall noch die Typisierungsodyssee fertig und dann fang ich an in den Themen was zu schreiben. Infos über die APE und über Schraubermaterial. Und dann hab ich ja immer noch den Aufbau zu machen. 🙂

  4. Adrian schreibt:

    Hallo Oswald,

    auch ich freue mich sehr, dass es hier ein Lebenszeichen von dir gibt!
    Deine Berichte sind wirklich immer spitze!
    Grüße von der Dreiradfront
    Adrian

  5. oswald schreibt:

    Danke Adrian… super, dass ihr mich nicht vergessen habt. 🙂

  6. Micky schreibt:

    Danke danke, hatte gerade pipi in den Augen! 😀

    Schön das es hier wieder weitergeht und auch ein Ende der Odysee abzusehen ist.

    Mit lieben Grüßen aus Graz vom Alltagsklassiker (www.alltagsklassiker.at)!
    Micky

  7. SpieglerHannes schreibt:

    Moin Oswald. Kennst mich nicht, aber ich bin einer deiner Dauerleser. Hatte schon die Hoffnung aufgegeben, hier nochmal was neue zu lesen, und die anderen Seiten hab ich schon auswendig aufsagen können. Das freut mich.
    Gruss aus Hamburg

  8. alex350 schreibt:

    hallo andreas!
    erstmal gratulation zu deiner APE und natürlich zur gelungenen typisierung! mit geduld schlägt man sie alle…..
    ich hatte vor 3 jahren auch den wunsch nach einem dreirad, bei mir ist’s dann keine APE sondern ein PEUGEOT TRIPORTEUR TN55 geworden.
    ich wohne im innviertel (oberösterreich), das ist oldtimerzulassungstechnisch das gelobte land! prüfingeneure die z.t. selbst oldies fahren, ihre arbeit mit herz und verstand ausführen und sichtlich freude haben wenn sie etwas außergewöhniches prüfen.

    vielleicht geht sich mal ein italienisch/französisches dreiradtreffen aus, wir sind ja nur ca. 30 km voneinander entfernt.
    ….müßte man halt mit etwas vorlaufzeit planen, mein baguettetransporter geht max. 50 kmh…..

    schöne grüße und berichte bitte weiter von deinen abenteuern!

    alexander

  9. Oswald schreibt:

    Hi Alex… ich sitz im Moment in Mattighofen. Also vielleicht gar nicht so weit weg von dir. lg

  10. alex350 schreibt:

    ja, genau 3km….
    ich schick dir mal ne mail mit meiner telnr

    ciao

    alex

  11. Oswald schreibt:

    Cool. Freu mich.

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