Rost…

Am 8. Tag muss Gott den Rost erschaffen haben. Schlechtgelaunt, in einer der Kaffeepausen zwischen der Entwicklung des Furunkels und den sieben Plagen. Als Fingerübung der Grausamkeiten sozusagen.

Rost macht uns Schraubern das Leben zur Hölle. Die ganze Familie bricht in Panik aus, wenn die Wettervorhersage von einem Regentief über Marokko spricht (man weiß ja nie), und schiebt die Omi aus dem, den Wagen in das Wohnzimmer. Der Unterboden wird 4mal jährlich mit Taschenlampe und Lupe penibelst abgesucht. Fertan steht kübelweise zwischen den Kartoffeln, jederzeit griffbereit, um auch das kleinste Fleckchen Braun im Keim zu ersticken. Nur um dann angesichts der ersten Rostbläschen im Lack trotzdem in Tränen auszubrechen. Wer sein Auto wirklich liebt, geht da kein Risiko ein. Er packt seinen Liebling unter Tonnen von Planen, saugt die Luft ab sperrt für immer ab und schmeißt den Schlüssel weg. Wir anderen kämpfen.

Und übrigens: Alle die sich jetzt ins Fäustchen lachen und glauben, sie wären aus dem Schneider, weil ihre Karosserie verzinkt ist. 🙂 Nix da. Irgendwann nagt auch da die braune Pest, und damit den Liebling weg.

  

Die schlechte Nachricht zuerst. Ganz verhindern kann man ihn nicht. Die Gute: Es gibt keine Gute. Sorry.

Ich fang mal mit etwas ganz Grundsätzlichem an: Was ist Rost?
Klingt einfach. Ist doch das braune Zeugs, das da aus meinem Gefährt quillt. Ja und nein.
Man kann eine Abhandlung über das Thema schreiben, und wahrscheinlich immer noch nicht alle Aspekte von Rost angesprochen haben. Aber wer will schon mit einem Zahnputzbecher den Rhein leerschöpfen (wer will das überhaupt). Für uns wichtig: Ja, Rost ist braun. Und zweitens: Rost ist ein Oxidationsprodukt von Wasser, Sauerstoff und dem Metall Eisen. Ohne Wasser kein Rost, ohne Sauerstoff kein Rost. Ohne Eisen kein Rost.

Wie muss man sich das vorstellen: Nun die mikrokleinen Wassertröpfchen, die in den kleine Spalten des Eisenblechs sitzen fungieren wie Mikrobatterien (deshalb auch das Problem mit dem Salz im Winter, da dieses die „Batterie“ auch noch beschleunigt, da in Salzlösung Ströme besser geleitet werden. Haben wir mal in der Schule gelernt.). Dabei werden Eisenatome aus dem Blech gelöst und mit Wasser und Sauerstoff zu Eisenoxyd „verbrannt“.
Zu ungenau? Nun hier ist die Formel.

 

Zuerst
Formel1
wobei
Formel2
damit

Formel3

Sowie

Formel4

Was bewirkt das

Formel5

Ergibt in Summe

Formel6

mit dem Ergebnis

Formel7

 

oder =


Rostiges Auto

 

 

Alles klar?

 

Ok, ok. 🙂
Oxydation ist also ein Chemischer Prozess bei der zum einen Wärme abgegeben wird, und zum anderen bei der das Endprodukt, nämlich der Rost entsteht. Und der braucht mehr Platz als das Ausgangsprodukt, nämlich das Eisen. Und da fängt die Krux an, denn durch dieses böse aufblähen des Rostes (Man kann sich das ähnlich vorstellen, wie wenn Wasser in die Ritzen von Stein dringt und dort gefriert) Platzt zum einen das Eisenblech auf und gibt zum andern immer mehr Wasser die Möglichkeit an unverrostete Teile zu kommen. Wodurch ein Teufelkreis in Gang gesetzt wird, der so lang wirkt, bis nichts mehr übrig ist vom Blechle, außer ein Häuflein Rost.
So einfach.

Was kann man tun. Nun eigentlich ist die Sache ganz einfach. Kein Wasser. In Wüstengegenden, wie z.B. in L.A. rosten Autos nicht, oder kaum. Selbst gesehen. Die alten Dinger die da auf den Strassen so rumkurven, fallen zwar mechanisch auseinander (bis hin zur Achsaufhängung), aber Rost… kaum.
Nun bei uns gibt’s Regen, und Schnee, und Matsch, und Luftfeuchtigkeit und zu allem Überfluss eben Salz.
Deshalb überzieht man auch Blech mit einer Schicht, die genau das verhindert, nämlich dass Wasser zu diesen kommt. Manchmal Plastik, öfters Lack. Und solange der Lack ganz bleibt, gibt’s auch keinen Rost, theoretisch. Bei manchen Autos rostet es aber obwohl der Lack darüber ist, und das hat oft mehrere Ursachen. Ab und zu ist wirklich bereits das Blech etwas rostig, aus dem das Fahrzeug gemacht wird. (Flugrost, also erst Rostspuren, entwickeln sich beim ungeschützten Blech bereits nach wenigen Stunden.) Oder der Lack hat kleine Risse, die man mit dem freien Auge nicht sehen kann und die durch die Bewegung der Karosserie entstehen, und darin wird das Wasser geradezu eingesaugt (Kappillareffekt) und dann geht’s rund.

Eine andere Möglichkeit, neben dem Lack, ist das Metall einzufetten. Fett oder Öl verdrängt das Wasser, (was bereits die alten Ritter wussten, die ihre Waffen in ölgetränkte Tücher wickelten). Hohlraumversiegelung besteht meist aus Öl oder Fett, oder Wachs.
Eine dritte Möglichkeit, ist das Eisen mit einem unedlen Metall zu beschichten. Dieses unedle Metall oxidiert dann quasi für das Eisen, wobei aber dieses unedle Metall eine schützende Oxidationsschicht bildet, durch die weder Wasser noch Luft dringt.
Dieses unedle Metall ist meistens Zink. Dementsprechend sind auch verzinkte Karosserien weitgehend gegen Rost geschützt. Weitgehend. Wird die Zinkschicht verletzt, geht auch diese Karosserie den Weg allen Metallenen. Es erübrigt sich zu schreiben, dass die APE nicht verzinkt ist.

Warum Autos, und die APE bildet dabei keine Ausnahme, besonders gerne in Falzen anfängt zu rosten, und was man dagegen tun kann, schreib ich das nächste Mal.

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