Fahrzeugkauf

Ich möcht hier im Folgenden ein paar Tips zum besten geben, die ich mir bei meinen Käufen von gebrauchten, allzu oft (nein immer) leidvoll selber angeeignet habe. Nicht vom Profi zum Laien, sondern vom gebrannten Laien, zum noch nicht gebrannten.
Ich mein jetzt nicht, den Glanz-Gebrauchten bei seriösen Vertragshändlern, die ja Garantie, und einen Wunderbaum in Grün als Draufgabe geben. Nein, ich schreib‘ hier nicht für Warmduscher, ch meine, für Käufe am Straßenrand, auf diversen Hinterhofgaragen, auf Wochenendmärkten, dunklen Ecken und verschwiegenen Plätzchen, oder ganz düster . . . eBay. Warum?

Nun, ganz einfach. Weil die Kisten, das Objekt unserer dunklen Begierde, stehen nicht bei Vertragshändlern mit Dauergarantie und vollverzinkter Karosserie. Unsere sind modrig, alt, verrostet und einfach nur geil. Richtige Autos halt noch, mit Geschichte und Geschichten. Wer ein Auto will, mit dem er die Kinder jeden Tag in die Schule bringen will, dann bitte ab zum einem Händler, und Finger von den tollen Kisten. Dann muss was Japanisch, Deutsches her mit Plastik, wohin das Auge auch schweift. Und der braucht hier nicht weiterzulesen. Für alle Anderen . . .


Ok. Gut, ihr habt euch also entschieden, und wollt einem älteren Fahrzeug ein zweites Leben schenken.
Die Dame des Hauses weiß wahrscheinlich noch nichts davon (Unter dem Motto, „wenn’s einmal da ist, wird sie sich schon daran gewöhnen.“ Würd ich nicht machen. Das bereut man. Bitter.) Aber ihr träumt ja erst einmal davon. Ist ja noch nichts passiert, nur die diversen Oldtimerzeitungen, und Youngtimer Zeitschriften liegen halt unterm Bett. Tja, eine solche außereheliche Beziehung kann man nie lange geheim halten.
Das mit den Zeitschriften ist schon mal ein heißer Tip. Für den ersten Überblick. Besser, und wenn man schon weiß, was für ein Fabrikat es werden soll, ist das Internet. Es gibt für jeden Wagen, so skurril kann er gar nicht sein, Foren und Newsgroups. Ab vor den Computer und danach googeln. Sich anmelden, vorstellen, und gleich mal mitlesen. Da bekommt ihr eine Menge mit. Z.B. wie sieht’s mit Ersatzeilen aus, wo bekommt man die, welche Modelle gibt es, welche sind begehrt, welche weniger. Wo sind die Probleme der Fahrzeuge, wie sehen die Lösungen aus. Engländer, das gleich zu Beginn, sind meistens ein Problem, genauso wie die Amerikaner. Schon aus dem einfachen Grund, da ihre Schrauben nicht metrisch sind, d.h. man kann sich einen neuen Werkzeugsatz zulegen, Ersatzeile können nur aus den Ländern kommen, weil nichts, aber auch gar nichts aus Europa passt. Aber sind halt verd. geile Kisten. Ich weiß . . .

Infos:

1. Zeitschriften (z.B. Motor Klassik, Oldtimer Markt)
2. Internet-Foren (auf Google: Gibt es tausende: Hier z.B. für den Käfer: Link)
3. Newsgroups (deto)
4. Einschlägige Clubs (hier z.B. für den MG (Link))

     

    Geht’s dann ums Kaufen, hilft diese Liste (Link) für Old- und Youngtimer, um erst einmal eine preisliche Vorstellung zu bekommen.
    Da sind die Fahrzeuge nach Baujahr und Zustand bewertet. Die Preise liegen in Wirklichkeit, nach meiner Erfahrung, meist so 30% unter den hier genannten Werten, aber so Daumen mal Pi passts.


    Klar gibt’s Schnäppchen, und von denen träumt jeder
    .

    Den Garagenfund des Mercedes BJ. 34, den der Altbauer auf der Alp seit dem 2. Weltkrieg da untergestellt hat, und jetzt will er den Schrott endlich loswerden. Deshalb legt dann noch zwei Zehnerpack Eier drauf und jut ist. Wer so etwas mal wirklich selbst erlebt hat, schreibt mir. Ich hab davon immer nur gehört. Und beim dritten mal erzählen, bekam der Käufer bereits den Bauernhof als Draufgabe.
    In der Realität haben inzwischen selbst der Josi von der Alp das Breitband-DSL, und weiß bis aufs Komma, was er für ein paar Kilo Rostigen Blechs so bekommen kann.

    Ist der aufgerufene Preis also extrem niedrig, heisst’s, schon mal vorsichtig sein.

    Der Haken mag klein, aber giftig sein. So klein, dass man ihn nicht sieht, oder nicht als solchen wahr nimmt. Z.B. alles ganz, super und OK, der Lack, die Mechanik fast neu, ein fahrbarer Traum. Nur fährt er gerade nicht. Weil eine Kleinigkeit, die Pleuelstange . . . kaputt.
    Nur der Profi weiss: Das Teil ist seltener als die Blaue Mauritius, und ebenso teuer. Und nur unter Versatz der eigenen Kinder, und seiner Seele, bekommt man das Fahrzeug wieder zum laufen. Ansonsten kann man nur noch das Schätzchen zum Blumenkübel umarbeiten.


    Um noch an ein wirkliches Schnäppchen zu kommen
    hilft es, Kirchenblätter (kein Witz) lokale Gratiszeitungen, und ebenso lokale Kleinstblätter durchzuackern. Auf diversen Pinboard’s in Supermärkten nachschauen . . . usw. Wenn da steht: „Hab noch einen alten VW-Käfer auf dem Hof . . .“ Na das klingt ja nicht schlecht.
    Steht man seinem Objekt der Begierde erst einmal gegenüber, wird’s kritisch. Und man sollte kritisch werden. Wenn einem die Hormone vom Hirn ins Herz, oder beim Sportwagen, noch eine Etage tiefer rauschen, wird’s gefährlich. Kühlen Kopf bewahren, junger Jedi. Natürlich wäre es das Sicherste, erst einmal zur Vertragswerkstätte und ein Oldtimergutachten . . . , aber wer tut das wirklich. Das kommt meist in Preisregionen ab einigen Tausend Euro wirklich zum Tragen, und, ich schätze mal, 99% aller Young- und Oldtimer-Verkäufe bleiben da weit drunter.

    Und eines vorneweg. Selbst wenn man plant, eine Totalrestaurierung zu machen, das Schätzchen also bewusst Schrott, heißt es aufpassen wie Lukas! Denn da kann das ein oder andere Ersatzteil, dass vielleicht lustlos auf der Rückbank lümmelt, einem einen Urlaub in der Karibik kosten, oder eben bringen, wenn man es nicht nachkaufen muss.

     

    Meine persönliche Checkliste.


    1. Checken ob verbastelt oder nicht.

    Besser ist es, je weniger an dem Teil bereits gemacht wurde. Warum? Man spart sich ja Zeit, wenn schon wer anderer die Vorarbeit gemacht hat? Nö. Weil man, das hab ich schon mal geschrieben, nie weiß ob gut oder schlecht. Der Supergau: Man lackiert sein Gefährt neu, für 4000 Euro FlipFlop und weiss der Teufel was, weil man denkt das Ding hat eine perfekte Substanz, also anschleifen des alten Lacks reicht, und dann springt nach ein paar Monaten der Lack ab, weil die Spachtelmasse drunter schon mit einem Bein in der Luft rudert.
    Ich schau immer, ob er neu lackiert wurde. Sieht man, indem man die Gummidichtungen hochhebt, oder an den Innenseiten der Scharniere der Türen. Und nein, Autos wurden nicht im Inneraum von Haus aus andersfarbig lackiert. Vorsicht.

    1.a.Wurde viel gespachtelt? Vielleicht Unfall. Vorsicht.
    1.b. Sind tragende Teile davon betroffen . . . doppelte Vorsicht. Schweissen wird teuer.

     


    2. Rost. Wo?

    Ok, alle sind rostig. Einschränkung: Alle, die nicht in Zink gebadet haben. Aber die wollen wir ja sowieso nicht. Aber wie, und vor allem wo seh ich das, wenn alles zulackiert ist? Vorerst mal: Ist der Rost nur oberflächlich, weil ein kleiner Kratzer im Lack . . . kein Problem. Kommen unter dem Lack Blasen hoch, ist das ein Zeichen, dass darunter bereits alles zu spät war. Das Teil muss dann ausgetauscht oder nachgebaut werden. Wenn man bereits auf den Foren war, weiß man auch, was das u.U. kostet.
    Als Schnelltest, und falls nicht schon vorher die Braune Pest einem entgegenspringt: Schweller prüfen und Unterboden ansehen. Mit der Hand Schweller und Radkästen abtasten. Hat man da die Bratzen bereits voller Rost, ist das nicht „Persönlichkeit“, sondern Scheisse, und macht einem lange noch Freude.
    Wo ich gerne nachsehe, ist bei den Einstiegen, und unter den Matten und Teppich auf der Fahrerseite. Weiters auf der Innenseite der Kofferaumabdeckung. Zur Not mit dem Schraubenzieher dem Wagen Frischluft zuführen. Ich weiß, ist nicht sehr beliebt (besonders beim Verkäufer), aber wir wollen uns ja keine Freunde machen, sondern einen Wagen kaufen.

     

    3. Sind alle (Original-) Teile vorhanden

    Besonders bei seltenen und alten Fahrzeugen gilt: Alle Teile sollten vorhanden sein. Manche Teile kann man nachbauen, manche Teile kaufen, mache bekommt man nie mehr. Aber es bedeutet immer Stress, immer Ärger, immer Geld und Arbeit. Es sei denn, man hat seinen Spaß daran, auf diversen Oldtimer-Treffs durch den Europäischen Kontinent zu gurken, und den Jäger und Sammler heraushängen zu lassen. Oder in der Heimwerkstatt drei Monate an dem Umschaltknopf für den Scheibenwischer zu feilen. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden. Aber man sollte schauen, dass es nicht zur Hauptbeschäftigung wird.

     


    4. Test: Mechanischer Zustand

    Hat der Liebling noch Räder, oder steht da nur die Karosserie? 😉 Meistens wurde er „gerade abgemeldet“. Verdächtig. Also entweder man besorgt sich für ein paar Euro ein Überführungskennzeichen, und macht eine Runde. (Dabei auf die Gesichtsfarbe des Verkäufers achten. Wenn der blass wird, zuerst einmal im Rollen nur die Bremsen testen. Wir sind Narren, aber keine Vollidioten.)
    Ich hatte die letzten paar Male eine Batterie und einen Reservekanister Benzin mit. Denn der Motor sollte zumindest laufen. D.h. dass es nicht ganz so schlimm ist, wenn man ihn zum Starten bekommt. Es kann natürlich auch sein, dass nur eine Kleinigkeit fehlt und ein nicht zu startender Motor kommt wieder ins Laufen, aber wer will das beurteilen, ohne das Teil zerlegt zu haben.
    Also, nur ein laufender Motor ist ein guter Motor. Dann versuchen, eine Gang einzulegen. Wenn das geht . . . ist schon einmal nicht schlecht.
    Bremssystem ansehen. Bremst er gleichmäßig, heisst das, 1. dass man den Wagen zum Rollen gebracht hat, und 2. Das es ein Bremssystem gibt, das zu funktionieren scheint.


    5. Blick unter die Motorhaube.

    Ja der berühmte Blick unter die Motorhaube. Sagt uns ja so was von nichts, was da so drunter an Teilen miteinander ineinander verkabelt ist. Stimmt’s? Aber ein paar Sachen kann man auch als Laie sehen. Ist überhaupt alles vorhanden, oder hängt statt dem Luftfilter nur ein alter Damenstrumpf über dem Lufteinlass. Wie sieht die Verkabelung aus. Wurde daran herumgepfuscht? Selbstverlegte Elektrik ist für mich der Horror. Es zeigt, dass einer herumgebastelt hat, und man setzt sich der Gefahr eines Kabelbrandes aus. Beides ist nicht lustig. Tritt irgendwo Öl aus. (Wenn der Motor gewaschen wurde, ihn einfach ein paar Minuten laufen lassen. Den Verkäufer nach den letzten Fussbalergebnissen fragen, und dann nachschauen.) Klopft was , heißt das nicht das der Wagen Rhythmus im Blut hat, (dieser kleine heisssssblütige Italiener), sonder wahrscheinlich einen veritablen Motorschaden. Kann auch andere Ursachen haben, aber die wären ja schnell behoben. Deshalb vorsichtig. Nähmaschine . . . so sollte er surren. (Vielleicht mal zum Vergleich an der Nähmaschine lauschen 😉 ) Kupplungstest (Gezogene Handbremse, Gang einlegen und Kupplung kommen lassen.)
    Schiesst der Wagen wie gestochen davon, sind die Bremsen kaputt, bleibt er stehen und der Motor läuft ungestört weiter, ist es die Kupplung.

     

    eBay:


    All das kann man natürlich bei eBay nicht.
    Die Fahrzeuge sind nur Fotografien, und die meist so mies, dass man sich denkt, es gäbe erst sein einem Monat Digitalkameras. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Und schon Leonardo DaVinci wusste, die Kunst liegt im Weglassen, und wen interessiert schon der weggerostete Eintritt? Stört doch nur. Lieber eine Grossaufnahme von den ALU-Felgen. Sehen toll aus, und vor allem sind sie das einzige, das noch nicht wegrostet. Weshalb ich persönlich von eBay abraten würde. Oder man hat die Zeit, Lust, und die Möglichkeit, das Teil sich vorher im Original anzusehen. Aber dann wieder, fragt man sich, wie ökonomisch es ist, von Berlin nach Koblenz zu gurken, um dann von jemandem in letzter Sekunde überboten zu werden.
    Gut, ich habs auch getan. Ich hab bei eBay geordert, nicht vorher getestet, und verdammtes Glück gehabt. Und deshalb schreib ich`s ja. 🙂

     

    So: ich hab vor, das zu erweitern, gegebenenfalls. Auch Tips einzupflegen, falls einer der Profis hier ein Kommentar schreibt. Die seien hiermit aufgerufen, das hier Geschriebene zu kommentieren, verbessern und zu erweitern und zu zerpflücken.
    So long.

     

    Gruss Oswald

     

     

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