Terror oder Mitnehmersteinchen from Hell

Beim Leben ist es so: Immer wenn man glaubt, es geht nicht schlimmer, zeigt sich das Leben kreativ. Die Ape ist da noch ein bisschen kreativer.

 

Meine kreative Herrausvorderung sah so aus.

Mitnehmerwellen

 Gangwelle… ich hasse sie. 

Das unscheinbare Stück Mechanik ist der geöffnete Schaltkasten, der meine Ruderbewegungen am Ganghebel in Gangschaltungen übertragen sollte. Böse Zungen behaupten ja, dass es reines Glück ist, welchen Gang man mit der Ape einlegt, weil bewusst schalten, dafür ist eine Ape gar nicht vorgesehen.

Haha…denen Lach ich ins Gesicht.

Aber sie haben recht. :/ Das Ganggestänge zwischen den Ganghebel und eben diesen Schaltkasten ist so beweglich, dass eigentlich jeder Gang reingehen würde, nur nicht der gewollte. Und zwar unwillkürlich und rein von dem Willen des Kosmos abhängig und von dem Gestänge, den umgefallenen Rädern im fernen China, aber nicht vom Fahrer. Wären die nicht unsynchronisiert und wäre der Rückwärtsgang nicht extra mit einem Hebelchen zu schalten würde man auf der Fahrbahn die lustigsten Pirouetten hinlegen… 

Nun, als ich diesen besagten, und oben gezeigten Schaltkasten bei der Motorrenovierung vor einem Jahr geöffnet hatte, (aus purer Neugier, muss ich hinzufügen, weil kaputt war da drin nix) fielen 2 kleine trapezförmigen Stahlstückchen auf den Boden. Putzig und klein waren die.

Das wahre Ausmaß dieses an sich unscheinbaren Events sollte mir genau an dem Tag heute klar werden. Denn diese trapezförmigen Stahlblöckchen waren die Mitnehmersteinchen, die die verzweifelten Ruderbewegung des Fahrers auf die Wellen übertrug die man ganz oben ganz gut sehen konnte, und die waren nicht fix montiert, sondern nur in zwei Löcher hineingeschleckt.

Mitnehmersteinchen

Hier sieht man ganz gut die Mitnehmersteinchen, bzw einen davon. 
Man musste die, einmal herrausgefallen, quasi blind bei halb geschlossener Abdeckung in diese Mitnehmerringe hereinfudeln, genau in den richtigen Ring bringen, horizontal ausrichten, während man den Deckel gleichzeitig, wenn man das Gefühl hatte, sie könnten die Richtige Position haben, geschwind schloss.

Ich weiss nicht wer sich so ein Konstrukt hatte ausdenken können. Geht nur in Italien. Mit Gottes Hilfe fügt sich halt alles. Nur nicht meine Mitnehmersteinchen.

Ich weiss nicht wie andere das machen. Vielleicht haben die an ihren Fingern kleine Magnetkuppen eingewachsen und natürlich ein paar Augen auf denselben ontop.

Weil ohne ist das unmöglich zu schaffen.

Oder mit anderen Worten: Ich schaffte das nicht. Was sich immer wieder aufs Neue bei hundert missglückten Versuchen bestätigte, in denen entweder der eine Stein herausfiel, oder sich beim Aufsetzen der Kappe verschob, oder der andere auf den Boden kullerte, oder am besten beide zu gleich verschoben, verdrehten, oder auf den Beton kullerte. Inzwischen war es Abend geworden.
Clausis Papa beugte sich unter die Ape, wo ich seit  12 Stunden lag, von einer Kaffeepause einmal abgesehen. Und fragte. „Geht’s?“

„Alles gut.“ Lächelte ich hinauf.
Wahrscheinlich, so dachte ich, gäb es eine Trick und die Sache wäre idioten-einfach. Der gelernte Apemechaniker nimmt einen gebunzten Dongel und Dingelt das Ding wahrscheinlich mit seiner Linken in die Position während er rechts seine Frau in den Armen hält und gleichzeitig eine Tasse Kaffee trank.

Aber die Antworte im Forum, in denen ich mein Leid gepostet hatten waren niederschmetternd. „Neee Trick gibt’s keinen. Musst halt Geduld haben.“  Die ging mir schön langsam aus. Zwei der Jungs schauten vorbei um mir „zu helfen“, öffneten ein Bier und gaben sofort das was ich am nötigsten hatte, nämlich gute Tips. „Hast du das schon probiert.. oder warum machst du nicht einfach das so…“ und natürlich…  “hey, dass kann doch nicht so schwer sein.“
„Hey Leute, ich häng hier seit 12 Stunden. Ich hab wirklich alles schon ausprobiert.“ Hätte ich gerne gesagt, aber ich biss mir auf die Zunge, weil ich inzwischen ein Krampf in einen der Arme bekommen hatte.
„Vielleicht muss das da gar nicht hinein“ meinte Jakob, während er lässig an der Ape gelehnt einen Zug aus seiner Bierflasche nahm. Ich wollte gerade eine geharnischte Antwort schmettern, als es leise Knack machte, und … der Verschluss zu fiel… und die Steinchen genau da waren, wo sie sein sollten. Still und ruhig, als könnten sie kein Wässerchen trüben haben sie ihre Position eingenommen. Ich sprang hoch und Jakob ging kurz in Deckung, aber ich flitze an ihm vorbei zum Ganghebel und testete … und er funktionierte.
Nur fragt mich bitte nicht, wie ich es gemacht habe. Ich habe keine Ahnung. Aber verdammt… ist das wichtig?

 Was wir gelernt haben.

Das man ruhig völlig unwissend und untalentiert sein kann… 

wenn man nur genug Zeit und Geduld hat sich einen Arm zu verrenken kommt man damit gut durchs Leben.

 

Verehrte Schraubergemeinde. Damit reitet der Oswald für heute in den Sonneuntergang. Die Mitnehmersteinchen sind an ihren Platz, und morgen  starten wir das Teil zum ersten mal an. 🙂 I gfrei mi. 

 

Oswald

2 Reaktion zu “Terror oder Mitnehmersteinchen from Hell”

  1. Frank schreibt:

    Gratuliere zu deiner Geduld. Ich hab so etwas ähnliches an meinem Volvo. Manchmal hilft weggehen und eine Stunde auszeit. Aber Hauptsache die Teile sind drinn. War wieder sehr amüsant.
    Frank

  2. WEHOE schreibt:

    Das kenne ich auch. Ich habe darüber auch mal so richtig geflucht und bin dann kreativ geworden.
    Hattest du nicht auch im Forum nachgefragt?
    Die Dinger mit Fett/Vaseline festpappen und es geht dann relativ einfach. Das habe ich ja schon öfter mal geschrieben.
    An einer Ape ist ja eigentlich nichts kompliziertes dran, aber ab und zu fordert die einen doch mal richtig heraus. Ich dachte ja schon mal, eine Ape könnte mich nicht mehr überraschen, aber selbst nach über einem Jahrzehnt schafft sie es immer wieder mal. Mal sind es extrem unwillige Schrauben oder anderweitig widerspenstig fest sitzende Teile.
    MfG Werner

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