Tag:6 Schau ma mal . . .

Heute ist’s wirklich ernst geworden. Schnell noch meine Finger fotografiert, damit ich mich später daran erinnern kann, wie sie mal ausgesehen haben.

 

HändeIch weiß, ich weiß. „Typische Akademikerbratzen“. Nur mit der Ruhe. Wird schon noch. Wenn die erst mal den blanken Stahl geküsst haben, dann mit ein paar Leukoplast gepimpt sind, passen sie auch stimmig zur Schrauberumgebung.

 

Heut hab‘ ich mal mit einer Begehung begonnen. Von außen sieht das Fahrzeug ja super aus.

 

ApeAber wie immer, liegt der Teufel im Detail. Oder unter der Lackschicht, oder besser gesagt „den Lackschichten“. Viele der alten Kisten sind x-mal überstrichen (und ich meine, oft auch wirklich „gestrichen“) Oft wurden die offenen Rostwunden ein bisschen gereinigt, ein bisschen Fertan draufgeklatscht, eine Menge Spachtel drüber und gehofft, dass er damit über den Winter kommt.
Ist nicht.
Einen Spruch kann man sich gleich mal merken. Ist traurig aber wahr, und hab ich von Claus, dem Schrauberguru von hier.

 

„Autos rosten von innen. Immer.“

 

Da kannste außen soviel streichen wie du willst, der Rost nagt sich von innen seinen Weg durch den Stahl, und damit durch unser leidgeprüftes und gebrochenes Herz. Da hilft nur eines. Alles auseinander nehmen, reinigen, entrosten, schleifen, fluchen, wieder schleifen, versiegeln und dann lackieren.

„Kann man eigentlich am ersten Blick erkennen, ob das Objekt der Begierde, das da breitbeinig, hochglänzend am Hof eines Autoverkäufers steht, eine Perle oder eine Rostbeule im neuen Kleid ist?“

Ja und nein. Manche dieser Dinger sind schnell „renoviert“. D. h. nur neu lackiert. Sieht gut aus, glänzt, ist bunt und lässt Wasser abperlen. Bei denen sieht man’s nicht.
Der ein oder andere mag jetzt einwerfen „Passt!!“
Nein, passt nicht, weil lackieren und lackieren sind zwei unterschiedliche paar Schuhe.

 

Die Frage ist, wurde der Rost entfernt, oder wie oben beschrieben, nur „weggetätschelt“. Wurde der alte Lack richtig angeschliffen, oder gar abgenommen? Oder einfach mit der Sprühpistole draufgehalten, bis genug Lack die Karosserie zusammengehalten hat? Diese Fahrzeuge fallen dann halt mit einer Zeitverzögerung von ein paar Monaten auseinander. Dafür dann aber in alle möglichen Einzelteile. Auch solche die gar nicht als Einzelteile vorgesehen waren. Kann man schwer sagen, ob bei diesen Frischlackwundern das Auto so einer oder so einer ist. Muss man in der Werkstatt prüfen lassen. (Manchmal hilft zum Vorsortieren ein Griff unter die Gürtellinie, sprich den Radkasten, oder den Türschwellern. Wenn man da die Hand voll hat, (nämlich mit Rost) ist der Rest nicht besser.)

 

Deshalb greift aber der Profi auch viel lieber zur scheinbaren Rostkiste. Man nennt das „unverbastelt„. Also so wie er 1935 vom Fliesband kam, nur mit „Patina“. Sprich Rost mit Auto drum herum. Ein ehrlicher und aufrechter Schrotthaufen eben. Ist dennoch meistens schneller herzurichten wie die „Hergerichteten“. Ehrlich. Denn man ja weiß nie, wer da wie hergerichtet hat. War es der Vollprofi, der schnell mal privat dem Nachbarn die 3 Schicht Flipflop Lackierung gemacht hat, mit professioneller Entrostung, perfekter Grundierung, Schweissarbeiten, oder der zweimal Linkshand-Bastler höchstselbst, der eben mal die Lammfellrolle vom letzten Geländerstreichen im Garten hergenommen hat. (Mehr dazu in einem Tip zum Kauf von Old- and Youngtimer später.) Profis kaufen sowas nicht.

 

Ich hatte letzteres. Meiner APE wurde wahrscheinlich mit des Lammes Hilfe ein neues Farbkleid verpasst (zwei um genau zu sein. Sie war ursprünglich einmal weiß, dann blau und jetzt…. na ja Orange/Schwarz). Und darunter spielt’s Caramba. Gut, ganz so schlimm ist es nicht. Der Unterboden ist ganz in Ordnung (was man so sieht unter dem fingerdicken Unterbodenschutz), die Substanz im grossen und ganzen in Ordnung (was bei Ebay eher die Ausnahme ist) aber es gibt auch knusprige Stellen. Also man kann sagen, Glück im Unglück. Oder mehr Glück als ich verdiene, oder die dümmsten Bauern haben… ich denke, es genügt. Die Message kommt rüber.
Rost am SchwellerDas ist quasi der Türschweller der APE. Hier rosten die Fahrzeuge immer schnell und gerne. Wenn es so aussieht wie hier, der Rost bereits den Lack ablöst, ist darunter nur noch Sodom und Gomorra. Ein Fall für die Flex. Und für wenig Erbarmen.

 

 

 

Schweller Hier ganz gut zu sehen, die Rostbeulen, und da wurden diese schon mit einer Stahlbürste bearbeitet, wie’s drunter aussieht.

 

 

 

Unterboden KantenHier die Schweisskanten des Trägers. Meistens am Unterboden eines Fahrzeuges findet man solche Stellen. Die oft vom Unterbodenschutz zugekleistert wurden. Da das Wasser aber von innen kommt, hilft der Unterboden überhaupt nichts. Weshalb auch viele darauf verzichten. Kein Scherz. Darauf zu verzichten hat auch seine Vorteile. (Übrigens warum gerade an solchen Nähten der Rost besonders leicht ansetzt, im Rost Tip . . .)

Wieder. Wenn das so aussieht wie hier ist dahinter bereits alles zu spät. Da kann man nichts mehr retten. Flex und gut ist.

 

 

Türgelenk Hier war der Vorbesitzer mal richtig kreativ und hat mit Spachtelmasse ein Türscharnier „nachmodelliert“. Gibt´s auch. Ich hab mal einen T-Träger des Rahmens eines 3 Tonnen Geländewagens gesehen, der mit Spachtelmasse „nachgebaut“ war, mit einigen Metern Gafferband an der Karosserie „fest gemacht“ und mit einem Besenstiel „verstärkt“ wurde. 🙂 Und wo? Natürlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Mann ist mit dem Teil noch jeden Tag 80 km den Highway 1 nach LA gebrettert. Na Rost an und für sich hält ja auch irgendwie zusammen. Spucke auch, glaub ich. Adhäsion ist schon cool.

 

Unterboden Fahrerkabine Der Unterboden. Auf der Fahrerseite ein Loch.

Meistens dort, weil Wasser, das man mit ins Fahrzeug schleppt, nicht ablaufen kann, sich unter der Fussmatte sammelt und dort sein Werk beginnt. Unbemerkt, und konsequent. Tip: Fussmatte und Teppich hoch und nachschauen.

 

 

Das war´s soweit. Wenn nicht mehr ist, dann sollte das zu machen sein.

 

Ach ja, Lukas war wieder „beim Helfen“.

Lukas bei der Arbeit

(Irgendwie nimmt er die Geschichte nicht so ernst.)

 

 

 

3 Reaktion zu “Tag:6 Schau ma mal . . .”

  1. Peter schreibt:

    Hallo Oswald. Danke für deine Seite, ich lach mich krumm. Das ist bestimmt das lustigste was ich seit langen gelesen habe. Besonders die Beamtengeschichten. Kenn ich auch. So ähnlich. Ich musste einen Traktor anmelden… ich sag dir, die reinste Hölle.
    Mach weiter so.
    Peter

  2. Thomas schreibt:

    Hallo Oswald
    Das ist doch kein Rost!!! Wenn das alles ist dann bist du locker in 3 Monaten fertig. Ich schick dir mal ein paar Bilder damit du mal siehst wies bei mir ausgesehen hat. Eigentlich war meine Ape gegen deine eine wahre Rostmühle. Lass dich überraschen!!!

    Gruss Thomas
    PS: Bilder einstellen geht denke ich nur per E-Mail

  3. Johnd706 schreibt:

    Amazing YouTube movies posted at this website, I am going to subscribe for daily updates, as I dont want to fail to take this series. ebeedecfkeaf

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