Tag29: Nichts ist härter…

…als das wirkliche Leben. Außer vielleicht eine Fächerscheibe …

 

Hmmm mein Finger ist fast wieder ganz. Und das was ich von ihm rausgeflext hab hat die Natur wieder nachwachsen lassen. Fast. Bin gespannt wann sie so etwas für Autos erfinden. Automatische Heilung. Auf Knopfdruck. Hoffentlich bald, aber für meine Audi auf jeden Fall zu spät. Der wurde diese Woche von einem feindlichen Auto abgeschossen und total verbeult. Und wenn kein Wunder geschieht, wird er diesen Unfall nicht überleben. Da helfen auch alle meine neu erworbenen Schweisserkünste nichts.

Apropo Schweisskünste.

Here we are.
Zweiter Teil der Operation am Offenen Blech, der hier begonnenen Stelle. Link.
Ich musste das, ebenfalls verletzte, Deckblech ersetzten. Wie gesagt, hält im Hintergrund ein L förmig gebogenes Profil, den Träger in seiner Form (und das Gewicht des 200 Liter Fasses Bier, das ich zur Einweihung transportieren werde), und verhindert, dass sich meine Ape irgendwann zum Klappbett verwandelt, weil ich die obere Nähte, nur auf Stoss geschweisst habe.
Aber vor dem Schweißen, hat der Gott der Motorschrauber, die Arbeit des Anpassens gesetzt.
Claus hat recht, als er in einem anderen Forum mir schrieb, dass sich Schweißen theoretisch als wenig Zeitaufwendig anhört, (unter dem Motto, kann ja nicht so schwer sein. Bruzzle das Loch einfach zu) aber das brutale Gegenteil wahr ist. Und es sind die Vorarbeiten, und Nacharbeiten, die die dir zuerst die grauen Haare aufs Haupt jagen, und dann dieselben sang und klanglos ausgehen lässt.
Allein das mm genaue Anpassen (besser ist sogar das ganze 1/10 mm genau zu machen) ist eine Heidenarbeit.
(Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass dieses Einpassen nur beim, „Auf Stoss Schweißen“, so aufwendig ist. Konventionell (Blech drüber, mit Absetzkante) ist etwas einfacher. Aber vom Ergebnis nicht ganz so schön. Meine Meinung.)

1. Zuerst zeichnet man, mit Hilfe des alten Teils, auf dem neuen Blech das zukünftige neue Teil an.

2. Dann
flext man das ganze mit der Trennscheibe aus dem Blech.

3. Dann
schmeißt man das Teil weg, weil man festgestellt hat, das die Trennscheibe ja einen ganzen Millimeter vom Blech weg frisst, den man nicht mit eingerechnet hat, und mit dem ebenfalls weg gefressenen Millimeter vom ursprünglich rausgetrennten rostigen Teils, es bereits zwei sind, und zwar auf jeder Seite, was nach Adam Riese 4 mm machen. 4 mm die einen Fehlen, einen Staunend machen und uns dann zu einer Runde Fluchen einlädt.

4. Hat man endlich ein Teil, das bestenfalls ein zwei Millimeter zu groß ist, muss man es eventuell Spengeln. Kanten, oder Rundungen müssen da hin, wo sie ursprünglich waren (Dazu braucht man Hammer, einen Klemmstock, Ausbeuleisen, und einen Ledersack, (zu dem komm ich später) und unendliche Geduld.
Dann schmeißt man sein Teil weg, weil man es so verbogen hat, dass es nicht annähernd eine schöne Oberfläche ergibt oder in das Loch passt… und fängt wieder bei 1 an. 
Das mache man ungefähr 3-4 mal.

Anpassen

5. Irgendwann
hat Mann es so hinbekommen, dass es passt, dann wird das Teil solange mit der Fächerscheibe bearbeitet, wieder eingepasst, und erneut bearbeitet, bis es passt. (Ich kleb hinter der Öffnung Paketklebeband, damit das Blech nicht immer hinunterfällt, was fürchterlich nervvvvvvvvt.) Alleine dieses Einpassen kann ne schöne halbe Stunde klauen. Dann

6. wird das Teil, sollte es Punktgeschweisst werden, gelocht. Ich bohr gleich in das untere Blech kleine Kuhlen, damit der Schweisspunkt auch gut hält.

Löcher Bohren

Warum das so ist, weiß ich nicht, aber macht man das nicht, kanns sein, dass die Verbindung nicht hält, und sich mit einen knall beim Abkühlen wieder vom Blech löst (ja entfettet hab ich das Blech). Vielleicht weiß jemand warum?

 

und noch ein Loch

7. werden alle Nahtstellen vom Rostschutzmittel, Lack und Fett befreit. Ich nehme da den Dremel dazu (und wems Interessiert, ich bin mit dem Teil total zufrieden. Dagegen sind die Chinageräte (und ich hatte drei von denen) Faustkeile.)

Weg mit dem Lack

8. Dann: Schweißen, Bruzzeln, Brennen.

9. Dann Flex ich mit der Fächerscheibe enorm vorsichtig die Schweisspunkte glatt. Für das Finishing nehm, ich wieder den Dremel.

Fein machen

10.  und dann kommt kräftig Rostschutzmittel auf jene Stellen, die nicht vom Sandstrahl geküsst werden.

 und fertig. 

 

 So siehts ausDetail einsDetail zwei

 

Das wars eigentlich. Ist ja ganz einfach… . An meinem Dachblech schweiß ich in der vierten Auflage. Nicht übereinander. Dafür ist das Loch inzwischen so groß wie ein Fussballfeld (meine Subjektive Empfindung.)
Sollte sich dieses Loch je schließen, werd ich hier berichten. 

 

Was haben wir gelernt:

Das die Leute, die meinen uns einreden zu können, das 1 und 1 auch mal was anderes als Zwei wären, sicher nicht Spaltmasse beim Schweissen gemeint haben können.  
Und wahrscheinlich das Abi nicht geschafft haben. 

 Gruss Oswald

 

5 Reaktion zu “Tag29: Nichts ist härter…”

  1. wieseundco schreibt:

    Wieder einmal eine wunderbare Storry.
    Wie bekommst du es hin, dass man einfach nicht aufhören kann zu lesen?
    Doch was ist nun mit dem Ledersack? Ist es der Sandsack, zum Agressionen abbauen? 😀

  2. Oswald schreibt:

    Danke Wiese
    Der Ledersack wird mit Sand gefüllt und dient, als Untergrund, zum spengeln von Blechen. Damit kannst du mit einem Hammer runde und gewölbte Bleche nachbauen. Dauert, geht aber, mit viel Geduld und Spuke.
    Ich mach, wenn ich endlich dazu komme, einen Tip dazu.

    Gruss Oswald

  3. volvo740 schreibt:

    Dem schließe ich mich so nicht an 😉
    Klar ist der Ledersack zum Bleche nachbauen (dengeln), wobei so diverse Hartholzklötzchen, oder Klötze, oder Bäume 😉 ja auch nicht schaden können, aber auch sehr gut dazu geeignet, wenn es mal nicht geklappt hat, den Aggressionen freien Lauf zu lassen 😉

    Beste Grüße
    Peter

  4. volvo740 schreibt:

    Da fällt mit doch gerade der Bohrer auf, Du weißt wohl schon, das der Bohrer gleich Blechstärke mal 7 sein soll (so grobe Richtung) um einwandfrei Punktschweißen zu können und die Unterseite logischerweise richtig entgratet sein muß!? Ja, es geht auch anders (bevor hier die mit einem Profigerät kommen, davon rede ich aber erstmal nicht)!

    Also bei dem gängisten Blech (0,7) Bohrer 5 Millimeter (kommt ja nicht auf 1/10 an).

  5. Oswald schreibt:

    Hallo Volvo. Danke für die Tips. Auch die die du mir im Autoschrauber forum gegeben hast. Ich nehm ab und zu auch etwas kleinere Bohrer, weil ich echt panik davor habe, das Blech durchzubrennen. (Was trotzdem immer wieder mal passiert. Trotz niedrigen Strom, 0,6 mm Draht, und nur ganz kurzen ansetzen.)

    Gruss Oswald

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