Tag23:Geschafft

Geschafft… meinen 5 Jahre alten Laptop aus dem Keller zu puhlen und ein paar Schrauben zu drehen. Damit ich wieder ins Netz kann. Und Schreiben. Aughhh!!! Ich fühl mich wie amputiert. Schlimm. Das alte Teil hat zwar keine Batterie mehr, wiegt auch ohne locker 5 Kilo und hat einen Lüfter da wirds im Lokal muxmäusschen still, wenn der annröhrt, aber von diesen hat er nur noch einen. Nach allen Regeln der Kunst ist er ein Wrack, aber der Monitor leuchtet. Und damit ist er meinem niegel nagel neuen Laptop, der immer noch tot im Eck liegt, um ein vielfaches überlegen,

(jaja „der Techniker kommt Donnerstag“. Heut ist Donnerstag und nix ist. 24 Stunden „next Day“ ist auch nicht mehr das was es mal war. Die meinten wahrscheinlich „next Week“ und haben sich nur verschrieben.) Nach ein bisschen tricksen geht der Alte wieder ganz gut. Und ich hab wieder ein Computer zum Schreiben. Endlich. Ich gesteh das jetzt unter der Hand, aber jetzt fühl ich mich jetzt wieder als Mensch. … Ja ich schäm mich dafür auch, aber drei Tage ohne Internet ist wirklich die Hölle. Da wird das Zittern unkontrollierbar.

Die Festplatte von der alten Maschine war übrigens in Ordnung, und durch den Adapter konnt ich die Daten auch retten. Danke für den Tip.

Und ausserdem, viel ist passiert … ICH HAB MEINE ERSTE SCHWEISSNAHT GESETZT. Und die sieht so aus.

Meine erste Schweissnaht. Schnüff. Noch ganz feucht hinter den Ohren.

Ja, ja lacht nur. Naht ist wahrscheinlich wirklich etwas übertrieben, aber es blitzte und auch ein bisschen Metal wurde verschmort. Das ist doch schon was. Macht das mal besser. Und überhaupt: das beste, diesmal musst nur das Metall daran glauben. Und nicht meine Bratze. Die ist heil und munter. Das ist weitaus mehr als ich die letzten Wochen geschafft habe.

Aber alles schön der Reihe nach.

Zuerst war Grossreinemachen angesagt. Nachdem ich Lukas unter all dem Chaos fast verloren hatte.

Lost in Confusion

Lukas: Lost in Confusion


Also hab ich mir ein Herz genommen und die Bude zusammengeräumt und gesaugt. Der Feinstaub flog, ich sage euch, da wurde die Sonne dunkel, und ein paar Spinnen hat sicher jetzt der Pseudkrupp dahingerafft. Zum Lachen hatte ich auch etwas, als ich das sicher weltschlechteste Chinawerkzeug gefunden habe. Hab ich irgendwann vor vielen Monden geschenkt bekommen.

Made in Chian, was sonst

Das weltschlechteste Chinawerkzeug. Schlimmer geht nimmer.

Die KanteMan beachte die wellenförmige Schnittkante, das handgeschliffene hochwertige Finisch, und das Teil ist bereits gebrochen!! (Vorne an der Schnittöffnung). Und nein, es wurde noch nie benutzt. Ich hebs mir auf. Kommt bei mir über das Bett. ( Ich hab ja die Vermutung, die meinen das gar nicht ernst.)

 

Nach der Orgie mit Staubsauger und roher Männergewalt sind alle Teile im Vorraum aufgeschlichtet. Sieht doch fast ordentlich aus, oder? Ich hab gesagt…fast.

Es werde Ordnung

Lukas liebts lieber unordentlich und trabbierte sich in den letzen chaotischen Fleck mitten unter die Reifen. Da blieb er auch bis ich ihn dort vertrieb, weil Flexlärm nichts für seineempfindliche Hundeohren ist. Für ebenso empfindliche Menschenohren auch nichts, aber da bin ich erst später draufgekommen.

Als nächstes ging ich also daran, die Ersatzteile für die Karosserei aus Blech zuzuschneiden und zuzurichten. Da ich die Teile hauptsächlich auf Stoss schweissen möchte (also Blechkante an Blechkante anstatt überlappend Blech über Blech) ist eine Menge einpassen nötig.

Warum Stoss? Weil es bei den Nähten nicht so auf Stabilität ankommt, die man nur mit Punktschweissen bekommt. An manchen Teilen erlaubt der Tüv ausschliesslich punktgeschweisst Stücke. Warum? Weil Stahlblech, wenn es zusehr erhitzt wird (wie beim Naht-Schweissen), spröde wird, und neben den Nähten bricht. Lustig, wenn das bei 200 auf der Autobahn passiert, und plötzlich der Motor den Beton küsst. Mit Punktschweissen bleibt die Verbindung flexibel, stabil und der Stahl hält trotzdem. Stossgeschweisste Nähte sehen dafür besser aus, weil sie, wenn man es sauber macht, fast unsichtbar sind. Und darauf kommts mir bei den Teilen an. Keine Sorge: Die Teile, die bei den Seitenträger sind, werden Punktgeschweisst.

Das sind die Teile

 

LeonardoKomm mir vor wie Karl Lagerfeld beim Schnittmuster basteln.

 

 

ZurichtenZuerst die Teile mit etwas Spiel auf das Blech gezeichnet, dann mit der Flex zurichten. Habt ihr die tollen Arbeitshandschuhe gesehen?

 

 

Handschuhe Die hab ich von meinen Nachbarn. Ja die mit dem „Guten Pils“. Ein Sponsorgeschenk gewissermassen. Gleich mehrere Paar. Die Teile sind weitaus besser als die Ledernen. Man hat viel mehr Gefühl darin, dass ich zwischendurch vergesse, dass ich sie überhaupt trage. Ob sie gegen Verletzung ebenso schützen weiss ich (noch) nicht. Aber Gripp haben sie, Madonna Mio. Da kann ich wahrscheinlich die Wände hochlaufen…. Schick nicht? 🙂 Danke Jungs.

Und dann kommt das schleifen und biegen. Manche Teile haben eine ziemlich sonderbare Form, weshalb ich biege und hämmere, was das Zeug hält.

Schraubstock zum umknickenGummihammerDie Kante fertig

Das Zurichten mit dem Schraubstock ist einfacher als gedacht, auch die Kanten werden einigermassen sauber. Profis nehmen dafür spezielle Maschinen, die wunderbar gerade rechtwinklige Kanten setzt, aber für kleinere Kanten kann man auch den Schraubstock nehmen.

Gott sei Dank, hab ich schon beim Wegflexen darauf aufgepasst, so gut es ging, immer gerade Kanten als Schnittbegrenzungen zu suchen. Sowohl in der Karosserie, als auch beim Schneiden selbst. Gewusst hab ich das nicht, eher „qualifiziert geraten“. Böse Zungen könnten auch sagen: „Glück gehabt“. Jetzt zahlt sich das aus, denn das Einpassen ging ziemlich einfach von der Hand. Dazwischen ca. 1 mm Spalt lassen. (Da auf Stoss geschweisst. Sonst müsste man ca 8mm Überstand lassen. )

Fertiges Blech und eingepasst.

Sieht gut aus, nicht? 😉

Die Bleche sind fertig. Und ich bin taub. Natürlich hatte ich keinen Ohrenschutz. Dachte immer, das wäre nur ein Angeberzubehör. Nope. die Teile sind wichtig. Zwar den Hund vor die Tür geschickt, damit der nicht taub wird, dafür bin ich jetzt weitgehend gehörlos. Bis auf ein lästiges Summen in den Ohren.

Ok. Jetzt hatte ich keine Ausrede mehr. Jetzt gings ans Schweissen. Ich hab zuvor das Schweissgerät selber gebimpt. Das Problem war: Die Phase war an das Gehäuse geheftet worden, und nicht die Erde. Deshalb auch der relativ herzliche Stromschlagschlag, den ich vor ein paar Tagen bekommen habe, als ich das Teil berührt habe. (Was müssen die für Eumel in der Reperaturabteilung sitzen haben). Dafür das Teil noch einmal einsenden wäre Zeit verschwendet gewesen (ausserdem weiss man ja nie, was den „Technikern“ dann wieder eingefallen wäre.) Also hab ich das Kabel selber gewechselt. Dann den Strom angestellt und schnell mal die Augen zu gemacht. ….. Hmmm, die Sicherungen blieben drinnen. Das war schon mal sehrgut. Dann bin ich mit einem Phasenprüfer an das Gehäuse…. Und der Gute blieb auch stumm. D.h. dunkel. Aber ich bin ein gebranntes Kind, weshalb ich den Phasenprüfer gleich einmal in die Steckdose gehalten habe. Man weiss ja nie. Vielleicht ist das Teil am Ende kaputt und ich krieg den nächsten Schlag. Lukas betrachtete ungläubig meinen Eiertanz aus der Nähe. Nope, in der Steckdose brannte der Phasenprüfer wie ein Christbaum. Noch einmal ans Schweissgerät und das Teil blieb dunkel. Nach allen Regeln der Kunst müsste das Teil jetzt ohne Spannung sein. Spannend. Jetzt schnell mit den Fingern ans Gehäuse getappst (als wäre dann der Schlag weniger Stark) aber nix. Alles blieb ruhig. Lukas drehte sich um und schlief weiter.

Ich frag mich, wenn ich da von einem Stromschlag niedergestreckt am Boden liegen würde, würde der Hund dann wie Lassie Hilfe holt, oder nur die Situation beinhart ausnützt und mir Stundenlang über den Mund und Gesicht schlecken.

 

Nachdem ich das Gas angeschlossen, den Draht eingefädelt hatte die Schutzbrille aufgesetzt, hab ich gleich einmal begonne ein paar Probebleche zu verschmurgeln. Heissa, war das ein Spass. Es hat gespritzt und gegurgelt. Zuerst ging leider das Gas nicht ein, dann das Schweissgerät nicht aus. Sagt einmal müsste das Gerät nicht die Spannung von der Einheit nehmen, wenn man den Abzug loslässt? Bei meinen bleibt die Spannung solange auf dem Schweisskopf, bis ich den Netzschalter drücke. Ich hoffe nicht schon wieder ein „Garantiefall“.

 

Die erste richtigte Naht…

Und weiss jemand, warum ich das Blech durch-verbrenne? Zuviel Spannung? Ich hab die niedrigste Stufe eingestellt. Auch der Russ rechts und links von der Schweiss-.. na, wie nenn ich es ab besten… „-Stelle“ sieht wild aus. Bin für jeden Tip dankbar. Heute geh ich wieder in die Werkstatt und werde noch einige Schweissnähte setzen. Immerhin hab ich 60 Meter Draht und eine 25 Liter Flasche Gas. Und wenn ich den Strom eines Atommeilers leerzutzle. Irgendwann wird’s besser. Ich halt euch am Laufenden.

 

Was haben wir gelernt.

1. Das Zeit relativ, und 24 Stunden beim Computerservice gerne auch mal eine Woche dauern kann.
2. Das ein Gehörschutz nicht nur bescheuert aussieht, sondern auch seinen sinn hat.
3. Das Schweissen nicht so einfach heisskleben ist.

 

 

Gruss, Oswald

7 Reaktion zu “Tag23:Geschafft”

  1. wieseundco schreibt:

    Zitat:“Lustig, wenn das bei 200 auf der Autobahn passiert, und plötzlich der Motor den Beton küsst“

    Nun frage ich mich, was für eine Maschiene baust du ein? 🙂
    Wie eigentlich immer, ein genialer Bericht.
    Und außerdem wie immer . . . . zum in die Hose pipien.
    Danke.

  2. Frieder schreibt:

    Hallo Oswald,
    das klingt ja heute schon deutlich optimistischer!
    Das „Schwarze“ neben deiner Schweiss-Stelle ist irgendeine verbrannte Oberflächenbeschichtung Dein Probeblech hast Du (sieht zumindest so aus) nicht wirklich blankgeflext – muss aber!
    Wegen „Durchschweissen“: Den Winkel Deiner Düse ändern und vor allem „blank flexen“. Vor allem das „richtig blank machen“ ist wichtig, weil sich dann nicht alle Nase lang der Widerstand Deiner Schweissstelle ändert. Zwecks Durchbrutzeln: Stechend schweissen (mit der Düse vorwärts gehen, also nicht übers Blech ziehen) das gibt weniger Einbrand und bringt mehr als viel Draht. Je spitzer der Winkel, desto weniger „Durchfall“. Bleiben dann zu große „Würste“ auf dem Blech liegen, dreh den Drahtvorschub zurück.

    Bei meinem ersten Schweissversuch musste das Stück Farbeimer im Fussraum eines Passat durch ein Stück Blech ersetzt werden. Na mit einem Besuch beim TÜV ging das auch nicht durch… 😉
    Der 2. Versuch war eine Kehrschaufel (Eigenkonstuktion) hab ich heute noch (immerhin seit 22 Jahren…)

    Noch viel Spaß und pass auf Haut, Augen und Ohren auf!

    Grüße, Frieder

  3. Brahbe schreibt:

    Hi,
    den Gasverbrauch stellst Du so ein: (Drahtdurchmesser x 10) + 2 = Gasverbrauch in l/Min; Bsp: (0,8mm Draht*10)+2=8+2=10l/Min; Gasdüse immer von Spritzern entfernen.
    Brennerhaltung: Brenner genau senkrecht auf die Schweißnaht halten, dann um max. 15 Grad entgegen der Schweißrichtung halten–> stechend Schweißen; um max. 15 Grag in Schweißrichtung neigen –> schleppend Scheißen; Im Dünnblechbereich ist es eigentlich egal wie Du schweißt, wie es Dir am Besten liegt. Ich schweiße bei dünnen Blechen immer schleppend, da der Einbrand nicht so tief ist und man nicht so leicht durchbrennt!
    Gerät schlatet nicht ab: Es kann evtl sein, dass Dein Gerät auf 4-Takt eingestellt ist, d.h. damit der Draht stehen bleibt, musst Du nochmal drauf drücken. Evtl. ist an der Maschine ein Schalter, mit dem Du auf 2-Takt umschalten kannst, dann hört der Draht auf, sobald Du vom Schalter gehst.
    Auf dem 1. Foto Deiner Schweißnähte hattest Du einen viel zu großen Drahtvorschub!!! Der Draht stochert dann ins Scheißbad. Regler mal ganz zurück, schweißen beginnen und dann den Regler weiter rauf drehen, bis es ein schönes knatterndes Geräusch gibt!
    Bleche werden manchmal vom Hersteller geölt geliefert! Pures Gift für eine saubere Scheißnaht! Wisch die Bleche vorm Schweißen gründlichst mit Spiritus oder Aceton ab!!! Aber Vorsicht: Brandgefahr!!!

  4. Oswald schreibt:

    Danke Brahbe/Frieder für die Tips. Abschruppen. Mach ich.
    Ich habe heute zumindest einmal eine schöne Raupe zustande gebracht, und Punkte Schweissen geht auch schon ganz gut.

    Wie ist es denn mit der Drahtstärke? Ich benutze zur Zeit 0,8 mm. Möchte aber nich eine 0,6 er ausprobieren. Gibts da spezielle Vor oder Nachteile?

  5. Oswald schreibt:

    Hallo Wiese. Ja was glaubst du denn, was ich da für ein Triebwerk einbaue. Da überhole ich einen Tuareg rechts. Wirst schon sehen. 🙂

  6. Brahbe schreibt:

    Hi,
    0,6mm Draht gibt es nicht. 0,8mm Draht ist Deine Arbeiten genau richtig. Es gibt noch 1,0; 1,2; 1,6mm, aber der ist nur für größere Nähte geeignet

  7. Nachtfalke schreibt:

    Hallo Brahbe. Selten aber doch gibts auch 0,6 mm. Besonders fürs dünne Blech beim Auto gut geeignet.
    Gruss

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