Tag20:Unter Spannung…

Wer jetzt glaubt ich wäre heute in den Stromkreis gekommen, irrt. Das war gestern. Da aber war es wieder das Schweissgerät. (Ist ja nicht das erste Mal, das das Gute Schwierigkeiten macht) Und dabei hab ich noch keine einzige Naht gesetzt. Wie wird das erst, wenn ich wirklich mit dem Teil arbeiten will? Da brauch ich dann wohl einen Schutzanzug, wie ein Raumfahrer. Höllische Geschichte, das Schrauben. Ich sag euch…

Der Strom war übrigens nicht die 40 Volt die vorne anliegen, sondern ich schätz mal die vollen 220 Volt. Das brutzelt. Mein Finger und die linke Hand war zum einen total überrascht, zum anderen wahrscheinlich deshalb eine Zeitlang einigermaßen taub.

 

Inzwischen werd ich schon phobisch. Ich tip alle Teile, die Made in China sind, immer ganz kurz vorher an. Man weiß ja nie.

Wenn mich jemand fragen sollte. Sind die Teile aus dem Reich der Mitte wirklich so wie ihr Ruf, kann ich sagen, nein. Man untertreibt. Maßlos.

Ich frag mich echt, wie die ihr Prüfsiegel bekommen, mit denen die Verpackung geradezu zugekleistert ist. Wahrscheinlich designen die mit der Hand einen 1a Prototypen, schneiden den mit spitzen Fingern aus den besten Materialien. Den schicken sie dann in die diversen Prüfinstitute, und wenn die Prüfplaketten da sind, lassen sie den Rest in Jurte in der Mongolei aus Industrieabfällen aus Tschernobyl schnitzen.

 

Das wäre dann noch die saubere Methode.

 

Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass ein Grafiker im Fernen Peking einfach einmal so googelt, was man so unter „Deutsche Prüfsiegel“ finden kann, und das dann im Computer auf die Verpackung pappt. Cut and Paste. Schaut schnieke aus, und die doofen Wessies (das sind wir, auch die aus den neuen Bundesländern. Ja ist alles eine Frage der Perspektive) wollen das Gedöns ja unbedingt haben. Und da sind sie mal nicht so im fernen China. Kundenwünsche werden erfüllt. Restlos. Also rauf mit den schnieken grafischen Verzierungen. Unter dem Motto, je mehr, desto besser.
Nööö, das wär ja unehrlich. Da könnte es ja passieren, dass sich der Kunde verletzt, oder noch schlimmer, in den Stromkreis kommt.

 

Ok genug geschwärmt. Heut hatte ich vor, die Radaufhängung vorne zu zerlegen, die ja bekanntlich bei der APE aus einem ganzen und einzelnen Rad besteht. Den kaputten Finger hab ich dabei einfach weggespreizt. Ging ganz gut, dass Finger wegspreizen. Da Lukas im Moment auch lädiert ist, leiden wir im Duett.
(Er hat sich beim Laufen ein „Pfoti“ gezerrt, und er nimmt es wie ein Mann. D.h. er leidet abgrundtief, elendig und schauspielreif. Er humpelt herum, als wäre das Teil abgetrennt worden, oder noch schlimmer, läge in Eiter und offen und Wund.
Zückst du ein Leckerlie ist er ganz schnell da. Und auf allen Vieren. Ohne humpeln. Dann kriecht er wieder ,auf drei Pfoten, zurück in sein Körbchen und gibt sich seinem Elend hin. Eine solche Ratte. Und ich hab ihn einen ganzen Vormittag im Körbchen in der Wohnung herumgetragen, weil er mir so Leid getan hat. Na warte. Ich jag die Katzen auf dich.
Yell)

 

So schauts aus….

Die Aufhängung muss zur Gänze auseinander, weil das Teil so rostig ist, das die ursprüngliche Funktion nur noch zu erahnen. Und ich war vorbereitet. Und shoppen. Was aber bei mir das gleiche.

 

Da die Aufhängung einer APE P2 mit einer ziemlich rabiaten Stahlfeder ausgestattet, war es ratsam zum Lösen derselben einen Federspanner zu besorgen.

 

Rabiat

Federspanner? Wasn das? Und wichtiger: Ist das Notwendig?

Zu ersteren. Federspanner ist eigentlich nichts anderes als eine große Schraube mit Widerhacken, die dazu dient große Schraubenfedern, die unter Spannung stehen, zusammenzudrücken, damit man sie demontieren und montieren kann. Z.B. beim Stossdämpferwechsel. Oder wenn man die ganze Aufhängung zerlegen muss, um sie zur reinigen. Bei mir war beides fällig.

Zu zweiteren. Na, ich denk es geht auch ohne. Federspanner nämlich. In Simbabwe oder in Russland. Also einfach den dicken Vetter auf die Feder setzen. Stossdämpfer, der das Teil unter Druck hält, abschrauben, und dann zuschauen wie weit die Aufhängung samt Feder und Vetter fliegt.

Im Internet hat einer geschrieben, dass er das mit ganz normalen Schraubzwingen machen würde, also die Federn spannen. Also eingedenk der Tatsache, dass Schraubenfedern mal locker 400 Kilo Druck aufbauen können, halt ich diese Aktion für mutig. Und ich hoffe, er hat seine Schraubzwingen nicht aus dem Supermarkt. Und die sind nicht Made in China.
Wie auch immer. Der Oswald hat sich welche gekauft. Federspanner nämlich. Schöne Teile. Gute Teile. Aus Deutscher Produktion. Leider passten sie nicht auf meine Schrauben. (Universal ist nicht universal, wie ich feststellen musste) Aber was nicht passt wird passend gemacht. Und wozu hat man eine Flex und einen Schraubstock. Und ein paar Feuerfunken später, funktionierte es.

Zurechtgestutzt

Das Teil, also die Feder, hat eine enorme Kraft, weshalb ich denjenigen, die da den diversen Einflüsterungen aus Foren erliegen sollten, und das ganze z.B. mit einem Schraubstock probieren sollten rate, eine gute Lebensversicherung abzuschließen. Dann freuen sich wenigstens die Nachkommen. Ja, die sollen auch was davon haben, wenn sie schon die ganze Werkstatt nachher sauber wischen müssen.

Mein lieber Vetter. 400 Kilo ziehen ganz schön.

Wie auch immer. Das Teil kam herunter.
Anschließend hab ich versucht, die Feder mit der Zopfbürste notdürftig zu entrosten, aber das war ein Schuss ins Ofenrohr, und die Zopfbürste bezahlte die Aktion mit einigen ziemlich kahlen Stellen. Jetzt badet das Teil zusammen mit den Bremszylindern im Phosphorsäure Bad.

Säurebad

 

Morgen fange ich an die Aufhängung sauber zu flexen.

 

Was haben wir gelernt.


1. Das das Arbeiten mit China – Schrott eine spannende Angelegenheit.
2. Das es eines Hundes bedarf, um zu erahnen was Schmerz ist.

 

Gruss, Oswald

2 Reaktion zu “Tag20:Unter Spannung…”

  1. Nachtfalke schreibt:

    Hallo Oswald
    Da musst du ganz schön aufpassen. Ich bin in den Stromkreis gekommen, als ich vor einiegn Jahren ein altes Radio repariert habe. Die Hand war ein Monat wie Gummi. Und gespürt hab ich es noch ein halbes Jahr später.
    Zum China Werkzeug. Ich kann nur sagen, wer billig kauft kauft doppelt. Ich hab mit dem Chinesischen Zeugs auch nur schlechte Erfahrungen gemacht. Nur bei Schweissgeräten wird es schon schwer Firmen zu finden, die nicht in China produzieren. Fronius glaub ich baut noch in Europa. Die sind auch sehr gut. Aber eben auch teuer.
    Zu Lukas den kleinen Simulator 🙂 Hundeschmerz zählt doppelt. Solltest dir eine Scheibe abschneiden und eine Woche blau machen und dich von deinen Lieben verwöhnen lassen.

    Gruss Nachtfalke

  2. Sigbert schreibt:

    hi oswald
    bis jetzt bin ich ja nur begeisterter leser deiner wirklich fantastischen seite, aber jetzt werd ich auch mal ein oder zwei zeilen schreiben.
    also zu schweissgeräten: die qualitätsunterschiede sind bei keinen gerät so gravierend wie bei diesen. das geht vom material der spulen bis hin zur verarbeitung der drahtführung, wie du ja schon selber bemerkt hast. besonders schlimm wirkt sich das beim betrieb aus, wo entweder der drahtvorschub nicht passt, oder der strom pulst. dann wird sauberes arbeiten eine reine glückssache. um ehrlich zu sein muss man sagen, dass man mit dem chinaplunder höchstens mal einen zaun schweissen kann, aber nie im leben ein fahrzeug.
    gute geräte kosten ein kleines vermögen. oder du machst es wie ein kumpel von mir. der hat das teil vollkommen umgebaut. lüfter hinein, andere spule, anderen drahtvorschub, bessere einheit. aber das war im ende teurer als wenn er ein neues gekauft hätte.
    sonst gilt. bei allen was strom führt die finger weg von made in china. das mein ich sehr ernst. ein wunder das da nicht viel mehr passiert, muss man sagen.

    sigbert
    und schreib weiter. freu mich schon auf mehr.

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