Tag19:Phosphorsäure

Blech rostet. Der der das erfunden hat (Am 8. Tag wahrscheinlich, übellaunig weil Überstunden, unbezahlt) muss eine gehörige Portion satanischen Humor gehabt haben. Oder Sadismus. Oder beides. Das ganze in bösartiger Allianz mit jenen Ingeneuren die willkürlich, oder in Ermangelung am dringend nötigen Wissen und eines anderen Materials (hypermateriales Alanoid kommt erst ca. 2435 soweit ich weiß) auf gerade jenes Blech zurückgegriffen haben, aus den unsere Leidenschaften gebaut sind. Es muss ihnen Spaß machen Menschen wie mich beim Leiden zuzusehen, wenn ich wieder mal voller Hoffnung unter irgendwelchen Ecken meine Ape greife und da, statt harten Metalls nur in braun-bröseligen Modder greife.

 

Gestern erst wieder hab ich ein neues Rostnest ausgemacht. Am Motorträger. Super. Muss ja kaum was aushalten, dass Teil.

 

Nicht das sie eine totale Rostbeule, aber eine angerostete Beule ist sie schon, meine Schöne. Insbesondere die Falze sind stark angegriffen. An der Ladeboardwand hat sich das Metall bereits verbeult. Sieht wild aus. Tut mir richtig, aber so richtig, weh.
Nur: da hilft kein Weinen, (Achtung Salz! Sabbert also bitte in ein Taschentuch) auch kein lamentiert, nur hartes männliches Handeln. Die Flex ist da das Mittel der Wahl. Ex und Hop. Funktioniert immer… Einmal hingelangt und das Teil ist weg, und mit ihm der ganze Rost. Und das nächste und…. Da kann es durchaus sein, dass wenn man seine Trennscheibe vielleicht etwas zu progressiv einsetzt, und jedes Teil, das den Anflug einer rostige Stelle zeigt brutal männlich und gnadenlos ins Nirwana befördert, und sich dann vielleicht noch in einen jener berühmt berüchtigten Flexräusche flext, am Ende nur noch Getriebe und Motor dasteht. In etwa. Die aber Pikfein. Muss man sagen.
Gemacht, gemach, junger Jedi. Nicht jedes von der braunen Pest befallene Teil muss gleich ins Gras beißen. Manchmal genügt es, das Teil auch gut zu entrosten. Zum Beispiel indem man es abschleift und am besten solange, bis nur noch das Metall übrig ist. Das muss sauber gemacht werden, denn vor allem in den Poren des Blechs (ja, auch so ein Blech hat seine Poren) bleibt gerne Flugrost zurück, und von dort aus beginnt der ganze Schei… von neuem. Also weg mit dem Schmodder. Porentief sauber.
Trotzdem, auch hier gilt es taktische Zurückhaltung walten zu lassen. So mancher hatte nach einer hormongesteuerten Schrupporgie den Röntgenblick im Blech. Ähnliches passiert, wenn man dem Sandstrahler ganz ungehemmt seine Arbeit tun lässt. Da kann das geliebte Blechle eher wie das Nudelsieb der seligen Tante Herlinde, aussehen. Da hilft auch oft nicht mehr der Spruch

 

„Da schweißt du ein Blech drauf, und gut ist“ Weil die Frage

„Worauf denn“ für immer unbeantwortet bleiben muss.

 

Hat man diese Erfahrungen erst gemacht, kommt man gerne wieder zu den Entrostern zurück. Jene Chemischen Mittelchen die zu hunderten den Markt überschwemmen. Sie versprechen wahre Wunderdinge. Also alles neu, und fix und fertig. (Ein Wunder dass sie nicht gleich alles neu Lackieren und tiefer legen und zwar in einem Arbeitsgang).

 

Auch ich beiß heute damit zurück. Meine spezielle Wunderwaffe: Reine Phosphorsäure. Mit 80%!!
Es hätte auch eine mit 72% gegeben, aber ich dachte, wenn schon, dann vom guten Zeugs.
Heute weiß ich, dass das ziemlich egal ist, weil man die Säure sowieso verdünnen muss, und 80% gerade mal doppelt so teuer wie die 72%ige ist. Aber ein exklusiver Geschmack will bezahlt sein.
Wem den ein oder anderen vor dem Gedanken an Säure schaudert, er an vom Knochen genagten Fleisch denkt, dem sei gesagt: Jungs, ihr trinkt das Zeug. Manche sogar tagtäglich.
Phosphorsäure ist eine der Bestandteile im allseits beliebten Cola. (Zitrone war wahrscheinlich zu teuer.) Womit die alte Mähr, mit Cola könne man Rost auflösen, einen funken Wahrheit bekommt. Eber eben nur einen Funken, weil der Anteil an Phosphorsäure im Blubbergetränk ist derart minimal dass man damit nicht einmal ein Magengeschwür ausreichlich begründen könnten. Der Rost lacht sich da eher tot.
Wie gesagt Phosphorsäure. Ich hab mir meine Flasche beim Chemiebedarf geholt.

 

„Für was brauchens den das?“ fragte die freundliche Verkäuferin.
„Weil trinken dürfens das nicht, gell?“


Als wäre ich so bescheuert und würde Phosphorsäure trinken
. Also wirklich.
D.h. kosten wollte ich schon. Man ist ja neugierig, warum das der Atlanta Sprudelkonzern in unsere Brause packt. Dann eben nicht. 🙁
Seit einiger Zeit stand dann das Fläschchen mit dem „Ätzend“ Zeichen auf der Kommode, als Mahnende Erinnerung damit auch etwas zu machen, und einen Handbreit neben den Marmeladen. Wo auch sonst.
Heute wanderte ich damit in die Werkstatt.
Vielleicht ein wenig zur Theorie.
Rost ist ja ein Oxydationsprodukt. Was sag ich lest es selber nach, und zwar da.

 

Nun Phosphorsäure ist ein so genannter Rostumwandler. Nicht dass es den Rost wirklich wieder in scheinendes Metall zurückverwandelt, (so unter dem Motto, ich lass mal schnell Nachbars Pool aus und stell meine Mühle in die Brühe, ein – zwei Monate, und das Teil scheint wieder wie früher) aber es verwandelt ihn in etwas was etwas stabiler als Rost. Das nennt sich Phosphat. Ist nicht hart, glänzt nicht, lässt sich nicht belasten, macht den T-Träger nicht wieder heil aber es rostet zumindest nicht mehr. (Man wird ja ziemlich bescheiden).

 

Und da alles besser ist als Rost selbst, nehmen wir das umgewandelte Etwas eben in kauf. Phosphorsäure ist auch der Grundbestandteil der meisten Industriell hergestellten Rostumwandler, sei an der Stelle gesagt, die aber noch ein Menge anderes Zeugs enthalten, das trotz der phantasievollen Bezeichnungen meistens einfach ein Gel ist, das verhindern soll, dass die Säure zu schnell vom Rost abgleitet, bevor sie wirklich wirkt. Das dauerte nämlich eine Zeitlang. Aber diesen Bonus lassen sich die diversen Hersteller einiges Kosten. Oder den Konsumenten, je nachdem, wann man diese Frage stellt. (Also vor oder nach dem Kauf) Kriegt man einen Liter hochprozentige Phosphorsäure um knapp 14 Euro zahlt man dasselbe für einen durchschnittlichen Entroster, der gerade mal 10% der aktiven Säure besitzt. Oder anders gesagt, aus einem Liter Phosphorsäure kann man bis zu 8 Liter Rostumwandler im Eigenbau herstellen.
Nicht übel. Da freut sich das Sparschwein. Ob’s auch wirklich funktioniert wollte ich heute testen.

 

Das Ding ist verdammt…
Das Teil sollte mein Versuchstier werden. Und ich hab mir vorgenommen, keine Gnade walten zu lassen. (jaja, so siehts in meiner APE aus. Ist es nicht herzerweichend.?)

Ich nehm zuerst die volle Dröhnung. Also 80%. Ich will sehen, ob das Metall mit der Zeit von der Säure angegriffen wird. Also vom Rost befreit dafür von der Säure zernagt. Wäre kein hundertprozentiger Sieg, nicht? Vielleicht löst es sich mit einem „Zisch“ auf. Wäre schon wieder fast cool.

 

Malermeister…
Vorsichtig mit Dem Zeug einpinseln. (Es zischt nicht. )

 

Geschafft…
Hier sieht man das Teil 5 Minuten nach der Behandlung. Nass ist es, aber rostfrei nicht wirklich.
Ich hasse warten. Wenn ich was nicht kann, dann ist es warten. D.h. ich kann auch sonst fast überhaupt nichts, aber warten kann ich noch viel weniger.

 

Alles Schwarz

So sah es nach zwei Kaffee, einer Folge „Guck mal wer da Hämmert“ eine Runde mit den Nachbarn quatschen, den ersten Versuch, die Werkstatt zusammenzuräumen, draufkommen, dass ich etwas total wichtiges daheim vergessen habe, das Teil mit dem Auto holen fahren, dort noch einen Kaffee trinken. Etwas im Internet stöbern, wieder zurück in die Werkstatt fahren, dort draufkommen, dass ich das Teil wieder vergessen hatte, 2. Versuch die Werkstatt zusammenzuräumen, (diesmal aber wirklich) das gleich darauf abbrechen, weil es für heute wirklich schon genug ist, aus.

Das Schwarze ist das Umwandlungsprodukt.
Eisenphosphat. Es ist glatt und glänzt etwas. Man kann es wegkratzen und darunter ist Metall. Nix Rost. Metall. 🙂
Besonders wirksam ist die Brühe gegen Flugrost. Verdünnt auf einen Lappen, auf dem Blech verteilen, einwirken lassen, und jut ist.
Nicht schlecht. Sollte die Sache funktionieren möchte ich damit den Rost in den Ritzen bearbeiten. Ich halte euch am laufenden, wies weitergeht. Vielleicht macht’s ja heute Nacht „Zisch“ und die ganze Ape verschwindet. Mal sehen.

 

Was haben wir gelernt.


1. Das Rost der Fluch der uns Schrauber von der absoluten Seeligkeit trennt. Wir wären sonst einfach nur Glücklich. Und ich glaube das ist verboten. Im Himmel, und auf der Erde sowieso. Wieso gäb es sonst das Finanzministerium.

 

Gruss Oswald

 

 

13 Reaktion zu “Tag19:Phosphorsäure”

  1. Schrottmartin schreibt:

    Phosphorsäure- habe ich vor 20 Jahren regelmässig eingesetzt, ist prima, macht die Industrie übrigens ebenso. Mann muss das Zeug übrigens nicht vom blanken Blech entfernen, ist als dauerhafter Schutz unterm Lack , als Primer sozusagen , gut.
    Ich habe mal einen 180er Benz neue Schweller verpasst ( 1984 ) , die Unterseite nicht lackiert, aber eben alles vorher mit Phosphorsäure eingepinselt, 3 Wochen im Regen stehewn lassen- blankes Blech !
    Das Zeug hatte ich übrigens im 10 Liter Kanister als Schwimmbadreiniger gekauft, war teuer ( 120 DM ) , hielt aber Jahre und diverse Restaurationen …
    Bitte vergesst die Handschuhe nicht, ist etwas unschön für den Teint, Schutzbrille gegen Spritzer ist auch sinnvoll…
    Martin

  2. Barney schreibt:

    Zum reinen entrosten für kleinere Teile hab ich mir früher mal einen 30L Kanister Salzsäure gekauft.
    Teile 24 Stunden in eine Wanne mit der Säure geben, blitzblank.
    Vor dem lakieren müssen die Teile aber gründlich gereinigt werden.

    Barney

  3. Pommes - Peter schreibt:

    Danke Oswald ,
    das war das , was ich vermisst habe . Und nächste woche bin ich für 10 Tage weg. Ich weis nicht , ob ich das überlebe.
    PP

  4. Oswald schreibt:

    @Schrottmartin
    Das stimmt mich positiv. Ich hatte schon Angst, die Phosphorsäure könnte dem Stahl was tun. Da geh ich gleich beschwingter ins Bett heute.

    @PommesPeter.
    Peter, mach dir keine sorgen. Du versäumst nichts. Bleibt ja alles im Cyberspace bestehen. Falls du eine Reise machst, wünsch ich dir viel Spass. Wenns Schiefahren geht, brech dir nix.

    @Barney
    Von Salzsäure hab ich schon gelesen. Benutzt du das unverdünnt?

  5. Barney schreibt:

    @Oswald
    Das war 30 Prozentige, da wird alles aufgelöst was nicht gesundes Blech (Stahlblech) ist.
    Wenn der Rost schon in die Milimeter geht auch mal was länger baden, kommt halt auf die Teile an.
    Wichtig ist halt die Säurereste zu entfernen.
    Viel Wasser oder z.B. auch mit Natron.
    Hab so 1980 mit dem Schrauben angefangen und eigentlich 1995 damit aufgehört…. bis, ja bis ich unbedingt eine APE haben wollte.
    Die Dinger machen wirklich süchtig.

    Barney

  6. Gunter schreibt:

    Toller Erfahrungsbericht
    grüße Gunter

  7. Jürgen schreibt:

    Sitze hier am anderen Ende der Welt auf einer Insel am salzigen Meer und muss einen knapp 10 Jahre alten, selbstgeschweissten Bootskran(-bahn) mit Laufkatze entrosten und konservieren. ‚Hab das vor gut drei Jahren schon mal gemacht mit dem Rostkonverter (die Gallone kostet hier um die 5 €) und dann 3 Schichten rotbraune Rostschutzfarbe, 2 Schichten 2K-Epoxy“Best-Coat“ und wegen dem Salzwasser noch einen klaren Latex drauf!? War auch nicht genug oder vieleicht zu viel des Guten. Letzten Herbst blühte das rote Etwas, von den Kannten des T-Trägers beginnend wieder kräftig auf und …
    Werde diesmal das Eisenphosphat d’rauflassen auf Grund Eurer Erfahrungen und dann wartet auch noch so ein Käfer, der Generationen am Salzwasser fast überdauert hat auf einen willigen „Schrauber“!?
    Danke für alle „Erfahrungen“ und mit sonnigen Grüsen Jürgen

  8. ► Rostige Schraube lösen schreibt:

    […] k

  9. bodo-a schreibt:

    Danke für die Erfahrungen u. Tipps.!

  10. Rost im Geh schreibt:

    […] Kauf dir Phosphors

  11. Maik schreibt:

    Hallo Oswald,
    wenn auch schon vor langer Zeit verfasst so ist dein Bericht doch noch immer lesenswert u vor allem aktuell.
    Mich und vermutlich viele andere auch, würde mal deine Langzeit Erfahrung interessieren. Was ist aus der Geschichte geworden, hast du damals noch Fugen u Co damit behandelt???

    Über eine Rückmeldung würde ich mich riesig freuen.

    Grüße
    Maik

  12. admin schreibt:

    Ja Maik. Ich hab die Fugen mit der Phosphorsäure behandelt, dann mit Wasser gespühlt und dann mit Owatrol versiegelt. Hält jetzt seit 8 Jahren. 🙂

  13. Maik schreibt:

    Perfekt!!!
    Ich danke Dir recht herzlich. Bisher hatte ich Angst mich an Fugen oder ähnliches heran zu wagen da ich befürchtet habe dort mehr zu schaden aber nun werde ich es probieren!

    Danke!
    Grüße u weiter so!

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