Tag16:Schweissen bis der Arzt kommt

Nahrung

Lieg‘ im Bett. Ja, nicht nur weil es bereits, na… 2 Uhr Nachts ist. Normalerweise schreib ich da immer noch oben im Arbeitszimmer meine paar Zeilen fürs Blog. Nein. Ich hab mir irgend so einen Virus gefangen.

Schrauberkrankheit?! Ja .. doofer Witz. Ne. Einen Echten.

Dabei fing der Tag so gut an. Wie Weihnachten. Ich habe heute mein Schweißgerät ausgepackt. War aber nicht zum ersten Mal.

ZuFast schon daEndlich

 

Ich fürchte, das muss ich erklären…


Vor etwas mehr als einem Jahr hab ich mir ein Schweißgerät gekauft. Da war vom Renovieren noch gar nicht die rede. Auch an Umzug dachte noch niemand. Stand mitten im Job und meine APE in einer Scheune weit draussen im Märkischen Sand. Also warum in Gottes Namen, ein Schweißgerät?

Ich wollte einfach sicher gehen, dass ich auch wirklich mit dem Projekt beginne. Und was ist dazu besser geeignet, als ein Schweißgerät, das da mitten im Wohnzimmer steht. Logisch. Das kann man beim besten Willen nicht ignorieren. War auch schwer. Eine zeitlang stand es eben im Wohnzimmer, dann in der Küche, dann im Vorzimmer. Ins Schlafzimmer wollte es meine Freundin nicht lassen, im Bad wollte ich das Ding nicht. Um es in den Keller zu verfrachten war mir das Ding zu schwer.
Ich warf irgendwann einmal eine Jacke darüber schob es in den Flur und begann es aktiv zu ignorieren.

Beim Umzug hob ich mir dafür fast einen Bruch, als ich es, der vorsichtshalber, (und weil das Männerarbeit ist sein eigenes Werkzeug selber zu schleppen,) nicht nehmen lassen wollte, das Ding selbst in den Umzugswagen zu hieven. Spätestens dann merkste, dass du keine 20 mehr bist (genau genommen ja auch keine 30 mehr). Meine Männlichkeit an der Werkzeugfront trug mir diese bittere Erkenntnis ein. Diese und zwei Wochen die ich mit einer warmen Wärmeflasche im Kreuz verbringen durfte.
Das Schweißgerät war übrigens ein China Import. Ja, schlagt mich tot! Zu der Zeit als ich das Teil gekauft hatte, war ich noch nicht so schlau wie heute.

Aber es war immerhin ein MIG/MAG Gerät. Und das ist für Autos wichtig. Für den totalen Laien unter uns ein paar Basics.

Aaaalso. „Schweißen“ bedeutet nichts anderes, als das man, unter der Zugabe von dem gleichen Material, das man miteinander verbinden will, und Energie, das Material in einen Flüssigen Zustand überführt und das ganzer erhärtet dann und ist dann miteinander fest verbunden.

Na, wie hab ich das erklärt? Doof? Nana.

 

Anders: Wir wollen eine Männerverbindung. Stahl auf Stahl mit Feuer vereint. Also Schweißen.

 

Dabei gibt es normales Elektrodenschweißen, Mig, Mag, Wig, mit Wechselstrom, ohne usw…

Wichtig für uns. Für dünne Bleche, wie beim Auto üblich braucht man ein so genanntes Schutzgasschweißgerät. Genauer ein Mig, (wobei das Mig auch Mag kann, aber kein Wig, wobei das wieder egal, weil Wig wir keines brauchen weil das speziell für Alu und teuer und eigentlich auch Mig genug… ach lassen wir es gut sein.)

Das muss vorerst reichen: Uns reicht zum Autobasteln ein MIG Schweißgerät. Sagt jetzt der ein oder andere „Kenn ich, dass sind die Teile aus dem Baumarkt“ irrt er. Die Teile die im Baumarktregal stehen sind meistens sogenannte Elektrodenschweissgeräte. Mit denen kann man den Kernreaktor in Tschernobyl mit einer cm Dicken Schweißnaht verschließen, oder eine Schönheitsreparatur am Aussenblech vom Leopard II mal schnell aus dem Hemdsärmel schütteln. Aber für das kleine schwarze unserer Autos sind die eher ungeeignet. Es sei denn man will ne Reaktor Schweißraupe auf der Motorhaube oder man ist im Rahmen seiner Autorenovierung günstig zu Panzerstahl gekommen. (genaueres dann im Werkzeug thread_Schweißgeräte).
Also ich hatte so ein MIG Gerät. Wenn auch, wie bereits angedeutet, aus dem fernen Land der Mitte.
Vor ca. 3 Wochen wollte ich das Teil ausprobieren. Da man zum Betrieb eines MIG Schweißgerätes eine Gasflasche braucht, die mit teuren Edelgas gefüllt bin ich zuerst zu Linde getigert. Linde vermietet solche Flaschen samt Inhalt. Gibt’s zu 10, 20 und 50 Liter. Ich hab gleich mal das 50 Liter Teil anvisiert obwohl die Mitarbeiterin mir ja das 20 Liter Teil andrehen wollte. Diese Schlaumeier. Wen glauben die eigentlich, dass sie vor sich haben. Die Miete von der Grossen kostet fast gleich viel wie der kleinen, und das befüllen sogar mehr. Ha. Mit mir nicht. Für was hab ich studiert. Ich kann rechnen. Mögen sich anderen mit den kleinen Flaschen begnügen. Mir kommt nur die Grosse ins Haus.
Als der freundliche Mitarbeiter das Teil auf einem Gabelstapler daherbrachte, fiel mir schlagartig ein, dass andererseits auch Small verdammt beautifull sein kann. Und überhaupt, Linde muss auch von was Leben, und irgendwie würde ich mit den 20 Liter Teilen auch mein auskommen finden. Musste ich halt sparsam sein, nicht? Kann doch nicht so schwer sein. Das die Menschen immer gleich übertreiben müssen.

 

Ich mein, so ein 50 Liter Teil wiegt, ich weiß nicht, 60 Kilo? Und ich wollte nicht schon wieder ne Wärmeflasche ins Kreuz.

 

20 Liter sind genug Also in der Werkstatt hab ich gleich mal testweise das Schweißgerät ausgepackt. Montiert (Ja, die 20cent Plastikreifen werden extra geliefert) Stahlflasche angeschlossen. Das Teil eingeschalten und plötzlich war’s in der Werkstatt finster.
Und zwar zappenduster. Ich tastete mich zum Sicherungskasten, aber selbst als ich den fand, die Sicherungen sämtliche wieder auf Normalposition brachte, kam der Strom nicht zurück. Ich hatte schon Angst ich hätte in ganz Mitteleuropa die Lichter ausgepustet. Aber es stellte sich Tags darauf heraus, dass ich „nur“ im Haus die FI´s getriggert hab. (Gut die Hausbewohner fanden das nicht so lustig.)
Am nächsten Tag hab ich auch festgestellt, warum das passiert ist.
Die riesige Spule des Schweißgerätes, die den Strom transformieren sollte war dummerweise „zu nahe“ am (Stahl)Gehäuse montiert worden, und der Funke sprang da gerne über. Da muss einem Chinesen wohl der Akuschrauber ausgerutscht sein. Macht ja nichts. Kann ja passieren. Andererseits, hätte ich da beim Einschalten meine Brazen dran gehabt… Entertainment einmal anders.
Ich schickte, da ja noch Garantie, das Teil ein. Diese Woche kam es endlich wieder zurück. Repariert. Stand auf der Verpackung.
Ich also wieder in die Werkstätte, das Teil angeschlossen, und wirklich. Der Strom blieb an. Erfolg. Testweise bin ich mit einem Phasenprüfer ans Gehäuse (man weiss ja nie. Vielleicht hatten sie ja nur, den Nulleiter abgeklemmt oder so) Aber alles blieb ruhig. Also Gas eingeschalten und Draht eingeklemmt, Brille aufgesetzt, Handschuhe angezogen, Werkstück vorbereitet, und…….nix. Gar nix.
Ich brauchte eine Weile, bis ich dahinter kam, warum dem so war, und das Schweißgerät nicht so wollte, wie ich wollte, und zumindest wild Funken sprühte, und damit die ganze Werkstatt einsaute. Ein kleines Teil im inneren, war so fest montiert worden, das das Qualitätsplastik seinen Geist aufgab, sich ergab und zerbrach. Macht ja nix. Ist ja noch Garantie. Und der Postdienst freut sich. Und für mich bedeutet das warten bis nach Weihnachten. Mindestens.

 

Lukas, heute mal nur freundlich

Lukas war das ganze ziemlich egal. Kein Mitleid der Hund.

Das war ungefähr der Zeitpunkt wo ich weiche Knie bekam, und mir zu frösteln begann. Zuerst dachte ich ja, es wär der Frust, aber Frust macht einen roten Kopf, aber keine bösen Kopfschmerzen.
Jetzt lieg ich im Bett, mit 4 Aspirin im Kopf und klopf die Stories liegend in mein Laptop während sich Bob Ross auf BayernAlpha den Wolf malt. Daneben schraub ich an meinen Plan b.

 

Erstens müssten die mir das Schweißgerät so schnell wie möglich wieder herstellen, und wenn sie den ReparaturChinesen unter dem Weihnachtsbaum hervorzerren müssen. Ist mir egal. Das Teil muss spätestens nach Silvester wieder da sein. Bis dahin würde ich etwas an meinem Design arbeiten. Farben aussuchen kann man auch liegend mit dem Laptop auf dem Bauch. (Solange der mir nicht das Gemächt wegkocht. Dieser Computer wird verdammt heiß!) Dann könnte ich anfangen Ersatzeile zu bestellen, und wenn ich wieder auf den Füssen bin, am Motor zu arbeiten, und die Vorderradaufhängung zu zerlegen.

 

Und irgendwas war dann noch… ich komm gleich drauf…. ach ja Weihnachten. Stimmt.
Also es wird schon gehen. Irgendwie….. ………………grumml……….. fuck… ……..Sorry.

 

Was haben wir gelernt.

 

1. Nichts was wir nicht schon wüssten.
und
2. Das der Virus ein Hund.

 

 

Gruss, Oswald

 

5 Reaktion zu “Tag16:Schweissen bis der Arzt kommt”

  1. Peter ( fischer ) schreibt:

    Hallo Oswald !
    Dein Schlußwort unter „Was haben wir gelernt“ lautet bei
    2. Das der Virus ein Hund.
    Also ist der arme Lukas gar kein Hund, sondern ein Virus ?
    Jetzt wieder im Ernst : Ich, wie bestimmt auch alle anderen Leser Deines Tagebuches, wünschen Dir eine recht gute Besserung !
    Und – diverse Hausmittel wie Grog oder warmes Bier habe ich die letzten Tage schon ausprobiert. Sei blos Vorsichtig ! Das eine verursacht Sodbrennen, das andere dreht Dir den Magen um und beides steigert die ohnehin schon schlimmen Kopfschmerzen ins Unerträgliche. Einfach im Bett bleiben, Geduld haben und sich von der Frau / Freundin „Gesundpflegen“ lassen ist besser !
    Also – Halt die Ohrwatschel steif, das wird schon wieder !
    Peter ( fischer )

  2. Brahbe schreibt:

    Servus,

    also erstmal Gratulation zu Deiner tollen Seite! Möchte mit meiner Restauration einer Ape nächstes Jahr im Sommer anfangen! Aber wenn ich täglich Deine Fortschritte verfolge, bin ich am Überlegen, ob ich mir das wirklich antuen soll!

    Zu Deinem Schweißgerät: MIG und MAG ist ein und das Selbe Gerät. Entscheidend ist das Gas, das du verwendest. Für Stahl nimmt man ein Mischgas M21 (heißt bei Linde Corgon18): 82% Argon und 18% CO2. CO2 ist ein aktives Gas–> mAg. Nimmt man reines Argon (Inert)–>mIg. Du kannst mit Deinem Gerät auch „Edelstahl Rostfrei“ schweißen, dafür brauchst Du aber dann eine Kunststoffseele in Deinem Schlauchpaket und wieder ein anderes Gas (92,5% Argon, 5% CO2 und 2,5% O2).
    Aluminium kannst Du damit nur SChweißen, wenn Du auf Wechselstrom umschalten kannst.
    Mit einem WIG-Gerät kann man nicht nur Aluminium schweißen. Damit kann man alle Metalle schweißen!!! Ist meiner Meinung nach auch das einfachste, aber auch langsamste, Schweißverfahren.

    Ich weiß, ich bin ein kleiner Klugscheißer, aber ich hab das letzte Jahr nichts anderes gemacht, als mich mit Scheißen auseinander zu setzen. Und wenn ich schon mal jemanden aufklären kann, bin natürlich sofort hilfsbereit!!!

    Frag doch einfach mal Deine Nachbarn, wenn Du nicht weiter weißt! Für ’nen 6er-Pack vom „guten Pils“ schweißen die Dir doch sowieso ne komplette Ape zusammen!!!

  3. Stefan schreibt:

    Hallo Oswald,

    gute Besserung !!
    Mach weiter so !

    MFG Stefan

  4. Boeranha schreibt:

    Hallo Oswald,

    halt die Ohren steif und erst mal die Flossen ruhig, damit sich der Virus baldigst verszieht.

    Gute Besserung und frohe Festtage trotz Virus wünsch ich Dir.

    Ach ja und knuddel doch den Lukas ganz lieb von mir und meinen beiden Vierpfotern

    Grüsse
    Bernhard

  5. admin schreibt:

    @Peter Hallo.. danke für die Grüsse. Das ganze hat sich inzwischen wunderbar eingependelt. Ich koche tee für meine Freundin, die hats nämlich auch erwischt. Macht nichts. Solange die Aspirinvorräte reichen, kann nix schiefgehen. 🙂

    @Brahbe. Danke für die Tips. Werd ich bei meinem Schweissthread einbauen. Und ich denke, es gibt viele die hier lesen die die Tips von dir super gebrauchen können. Meine Nachbarn helfen gerne, aber die schweissen wirklich eher die Panzerplatten, als das Dünnblech. Gruss

    @Stefan. Danke.

    @Boeranha Ich knuddel Lukas und grüss ihn von deinen beiden Schätzen. Er würde wahrscheinlich eher gerne eine Runde spielen gehen, aber damit muss er leben. Er ist halt ein VirtualDog.

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