Tag14: Blaumann tot

Ich habe einen Blaumann. Ja ich habe einen Blaumann. Einen echten. Jeder Schrauber hat einen Blaumann auch wenn die heutigen Dinger eher grau, oder „bluejean“ sind und eher wie das kleine Arbeitsschwarze von James Bond, denn einer klassischen ehrlichen Arbeitskluft ähneln. Taschen und Täschchen, Multifunktionszipper, Ledereinlagen und Kniepolster, Handytäschchen, und Stauraum für das Accessoire?! Und kosten soviel wie Gucci Designer Jean. Der Bierbauch der drinnen steckt ist der selbe, aber das Outfit würde in einen Hochglanz Erotik-Arbeiterkalender passen.

Meiner ist ehrlich und original. Und er heißt „Friendship“. Ja mein Blaumann hat einen Namen. Und ich mag ihn. Und ich pass auf ihn auf. Sehr. Heut wurde er versaut.

Aber vom Anfang an:
Ich habe das Teil von einen Flohmarkt im Ostteil von Berlin, war wohl noch original aus Honeckers (Gott hab in selig) Zeit und originalverpackt. Die DDR muss damals das Hochtechnologieprodukt „Trabi“ gegen das Hochtechnologieprodukt „Blaumann“ aus dem Sozialistischen Bruderland China zu hundert tausend eingetauscht haben, denn dort harrten, trotz Mangelwirtschaft, noch mehrere Duzend dieser Arbeitsuniformen Made in China verpackt ihren Abnehmern entgegen.

Freundschaft
Warum die Chinesen einen Blaumann, den sie in die anderen Sozialistischen Bruderstaaten schickten, ausgerechnet in des Feindes Zunge „Friendship“ bezeichneten?
Einer der vielen Treppenwitze der Geschichte.
Ich musste das Teil haben, und investierte 1,80 Euro. (Ich handelte ihn brutal von 2 Euro herunter). Für noch einmal den gleichen Betrag hab ich mir im gleichen Laden noch eine Medaille „Held der Arbeit“ besorgt.

HeldWirklich wahr. Ich wollte, das komplette Outfit. Seither trage ich beim schrauben Medaille samt Blaumann. Schräg? Nein. Ab und zu setz ich mich so in der Garage vor den Fernseher und schau Kubanisches Bildungsfernsehen. Das ist Schräg.
Wie auch immer. Ich schlüpfe also relativ geschwinde in meinen Blaumann „Friendship“ und ab zur Garage. Obwohl geschwind vielleicht relativ.

 

Ich muss vorrausschicken: Ich war in den letzten zwei Tagen weder verschollen, noch auf Urlaub, noch des Schraubens und des Schreibens darüber überdrüssig. Mein Bruderherz hatte 40 ten Geburtstag, und da musste ich dem alten Mann doch in dieser schweren Stunde zu Seite stehen. 😉

Kaum zurück in Österreich, hab ich mich sofort… nein nicht zur Werkstatt begeben, sondern erst einmal … niedergelegt. Ich musste irgendwie versuchen, den restlichen Begrüssungspunsch rauszuschlafen. Ja Punsch. Zum Bier bin ich nicht mehr gekommen. Rückblickend gesehen war es nicht besonders clever, sich als Begrüssungskommitee für den im Garten errichteten Punschstand zu melden. Klang gut, und hatte theoretisch seinen Charme aber praktisch gesehen hatte das System einen Fehler.
Es ist ein unumstößliches Naturgesetz, das Gäste immer, und ich meine, „immer“ zu spät kommen. Warum wir, mein Bruder und ich, auf die Idee kamen, es wäre gut, bereits eine Stunde vor dem Beginn beim Punschstand zu warten und dann bei Minusgraden und leichten Schneefall dort auszuharren. Ich kann es nicht beantworten. Die einzige Möglichkeit, sich zu wärmen, war das heiße Punschglas anzugreifen, und weil das Glas bei den Temperaturen nicht lange heiß blieb, war wiederum die einzige Möglichkeit, das Glas warmzuhalten, selbiges möglichst rasch leerzutrinken, und sich frischen Heißen aus der Thermoskanne nachzufüllen. Muss ich mehr schreiben? Nach eineinhalb Stunden kamen die ersten Gäste.

Mein auftauchen heute in der Werkstatt hat dann auch erst Bayer möglich gemacht. Ein dank an dieser Stelle…


Ich stand also wieder in meiner Werkstatt mit Restpunsch uns im Blaumann. In einem Blaumann den ich schätze.

Nun vielleicht ist den ein oder anderen aufgefallen, dass ich von „Ordnung“ sprach im letzten Beitrag, dann aber nur einen Werktisch montierte. Jaaaa, das hat schon seinen Sinn und lässt sich wunderbar damit argumenterien, dass man in einer Garage für Ordnung einen Stauraum braucht. Nicht?! Und was bietet mehr Stauraum als ein montierter Werktisch. Na seht ihr.

Es ist nur leider so, dass die reine Existenz eine Schrankes an und für sich, die Werkstatt noch nicht sauberer macht. Ja ist so. Man muss das Zeug auch da hineinräumen.

Da stand der Schrank, als ich nach zwei Tagen das Garagentor öffnete, als strahlender Fels der Sauberkeit und Stabilität, Ordentlich und vor allem leer an den Gestaden. Um ihn herum brandete immer noch das Chaos. Ich traute mir kaum Licht zu machen.

Chaos immer noch

Aber ich bin da konsequent, nein wirklich. Wenn man schon etwas nicht gemacht hat, soll man es gleich ganz „nicht“ machen. Und ich entschloss mich dazu, erst einmal den Motor vom Rahmen zu montieren. Um den Rest würde ich mich später kümmern.

Managment, by ignorance. Manchmal macht das Sinn und Dinge erledigen sich wirklich von allein.

 

In dem Fall war das eher unwahrscheinlich, und die Stunde würde kommen, und das ganze würde sich bitter Rächen. Ich wusste es, fühlte es und ignorierte es.

Stattdessen kümmerte ich mich um den Motor.

MotorEin paar Details dazu. Ein Zweitakter Triebwerk beschleunigt meine Ape von null auf 50 in etwas unter 45 Sekunden. Die Spitze von 65 kmh hat sie kaum eine weiter Minute später erreicht. Möglich machen diese Werte ein 7 kw, 225 ccm Aggregat aus dem Hause Piaggio.
7 PS. Das ist beeindruckend. Jeder 50cm Rasenmäher schafft das doppelte. Moderen Zweitakter Rennmaschinen machen aus demselben Hubraum das 8 Fache. Mann muss sich fragen, wie die Techniker diese Werte zustammen bringen. Nein, nicht das 8 Fache! Ich meine Piaggios bemerkenswerte 7 kw. Da muss man sich doch bemühen. Wo verstecken sich das restliche Leistungspotential. Jene brachiale Kraft die irgendwo in diesen Alu-Klos schlummerte.Motorinnen Drosselklappe? Luftzufuhr zugeschweißt? Kein Benzin? Ich weiß es nicht, aber ich versuchte es herauszubekommen. Ein paar (total verrostete) Schrauben später hievte ich den Motor vom Rahmen. Wow, das Ding ist nicht nur leistungsschwach, sondern auch urschwer.
Ich platzierte ihnvorsichtig auf zwei Holzklötze.
ja ja.. fast.

Wow, heavy

Ich baute den Zylinder aus. Der Kolbenreiber hat Spuren hinterlassen. Tiefe Rillen dort wo sich der Kolben in den Zylinder gefressen hatte. Das wird teuer. Aber die Pleuelstange war Ok. Gut.
Dann begann ich das Getriebeöl abzulassen. Damit nichts schmutzig wird. Da muss man sehr aufpassen. Besser man läst so schnell wie möglich das Öl aus dem Motor. War bei mir sowieso schon etwas spät, aber besser spät als nie. Ein dummer Spruch.

 

Ich bereitete also alles schön vor. Eine Ölwanne unter den Ausfluss der durch eine Schraube verschlossen war, einige Tücher um sich die Pfoten danach abzuwischen. Und das alles über einer Schutzfolie, damit der Boden sauber bleibt.
Die Schraube für den Ablass war eine blöde Schraube denn sie lies sich nicht so leicht lösen wie ich das gehofft hatte.
Es stellte sich heraus, nach einigen „Oumpf“: Blöde war nicht die Schraube. Die war eigentlich ganz ok. Wenn man sie den in die richtige Richtung aufdreht.
War die Richtung erst gefunden, war das Aufschrauben kein Problem mehr, obwohl ich es mir im eigentliche Sinne hätte sparen können.
Denn während ich vorne den Motorblock anhob, um die Schraube besser lösen zu können ist hinten das Öl über den offenen Zylinder (wir erinnern uns) auf den, Gott sei dank immer noch mit Folie abgedeckten Fußboden, gewechselt. Ab da wurde es heiter, und das Schicksal des Blaumanns war besiegelt.

Vorerst hatte das ganze noch sein gutes.

Denn: merken. Es war gut, dass ich nicht zusammengeräumt hatte. Erstens lag noch die Folie, und die war schon schmutzig vom Unterboden abschaben.

Gut war es im doppelten Sinn, denn durch die klebrigen Unterbodenreste, hatte ich eine perfekte Bodenhaftung als ich im Ölteich tanzte um zu verhindern. dass diese Sauerei auf den, nicht versiegelten, und deshalb saugfreundlichen, Betonboden floss.

Also wieder merken: Gut das ich nicht zusammengeräumt hatte, weil ich am alten Schmutz hängen bleib und nicht am neuen Schmutz ausrutschte.

Der selbstlose Einsatz mehrere Rollen Wisch und Weg verhinderte schlimmeres.
Damit wirklich nichts mehr passiert, hab ich die Folie, und damit das restliche Öl mit den Unterbodenresten eingeschlagen.
Das Öl hatte die Eigenschaft, so stellte ich fest, die Unterboden Reste schön an und aufzulösen, was ich für interessant und auch für gut hielt. Vorerst.
Leider bildet so eine UnterbodenGetriebeöl-Pampe zwischen zwei Folien eine geradezu fantastische Viskosität aus. Mit der Zeit. Das dauert etwas, denn man muss dem Öl schon ein bisschen Zeit geben, bis der Unterboden völlig vermatscht ist. Etwa zu der Zeit bin ich wieder einmal über mein Zusammengerolltes Öl Folie Unterbodendesaster gestolpert und muss wohl … Restpunsch sei dank… das Restliche Gleichgewicht verloren haben, den ich versuchte mich noch (vergeblich) an der Karosserie anzuhalten und legte mich dann auf den Boden.

Schön der Länge nach auf den Steiß.

Da lag ich nun dachte über den Sinn des Lebens nach, als mein Blick nach oben fiel, und dort am oberen Eck der Karosserie hängen blieb. Da baumelte, an einer nicht gelösten Schraube meine vermisste kleine Knarre mit dem 10er Nuss.
War also nicht der Hund. Welch Erleichterung, ….. welch Schmerz!!
Und ich spürte, wie die Ölreste durch den Blaumann difundierten. Mein Blaumann. Mein aus China in Berlin gekaufter Blaumann. Und wäre es nur öl. Es ist die Unterboden-Ölpampe. Ich entschied mich, anstatt noch eine Runde zu sterben, schnell aufzustehen um noch zu retten was zu retten war.
War nicht mehr viel. Zu retten nämlich. Der Blaumann war im Öl.


Die Folie hingegen war dort wo ich gelegen bin wieder weitgehend und einigermaßen sauber.

Vor lauter Frust räumte ich die ganze Bude zusammen. Folien in die Säcke, neue Folie aufgelegt, Gekehrt, gesaugt, und alles weggeräumt.

Einige Leser könnten jetzt sagen, hätt er sich alles ersparen können, wenn er es gleich gemacht hätte, aber dann hätt ich wohl meine 10er Knarre nie gefunden.
Und überhaupt: Zählen wir zusammen. 3 Guten Aspekten, meiner Faulheit, stehen 2 Negative gegenüber. Nachzählen.
Schwachsinn. Der Blaumann ist versifft. Und das zählt 10 Punkte minus. Unter dem Strich bin ich also negativ ausgestiegen.
Ich weiß nicht, Manchmal fordere ich mit Begeisterung das Schicksal herraus. Mir ist klar, dass das was ich tu schief gehen kann, und ich mach es trotzdem. Spielernatur. Und manchmal gewinn ich und manchmal das Schicksal.
Heut hat auf jeden Fall der Blaumann verloren. Vielleicht kann mir jemand einen Tip geben wie man am besten Getriebeöl mit Unterbodenschutz aus der Kleidung bekommt.

Was haben wir gelernt

1. Das, wenn wir mit dem Schicksal wette, manchmal ein Blaumann verliert.

 

Gruss Oswald

4 Reaktion zu “Tag14: Blaumann tot”

  1. schrauber30 schreibt:

    mein beileid dem blaumann!
    du warst anscheinend noch blau-mann! gg

    bezüglich reinigung fällt mir in so einem schwierigen fall nur noch die fleckenschere ein.

    ps: schraubendrehrichtung im uhrzeigersinn =zu/fest
    gegen uhrzeigersinn =auf/locker

    gggggggggg

    gruss von schrauber mit graumann

  2. Pommes - Peter schreibt:

    Wie ich das vermisst habe !!!!!!
    Es wurde solangsam Zeit , Oswald -lass mich nicht immer so lange leiden . Denk an meine zittrigen Finger.
    Und weitermachen – nicht aufhören , bitte nicht aufhören .
    Gruss PP

  3. Jörg schreibt:

    Langsam wirs mir immer ‚Hein(e)iger‘, wenn ich an Deutschland denke.
    Wo sollen wir auch hinkommen, wenn ein junger Schreibtisch-Frührentner, sich ans Restaurieren, eines Dreiradels macht, sich selbst zum ‚Helden der Arbeit‘, zwangsbefördert, nebenbei noch Cubalibre schaut und 200 Millionen Chinesen am Essen hält.
    Hoffentlich hat uns Udo noch ne Lederjacke, für Hony’s Erben.
    Gruss
    Jörg

  4. Jörg schreibt:

    Hallo Oswald,
    habe gerade Deinen Beitrag im Forum gelesen.
    Warum könntest Du denn nicht ein kleines Forum dranhängen, wäre doch viel netter und bei völliger Kontrolle, auf die Du ja stehst.
    Gruss
    Jörg

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