Tag12:Chemie Ali

Ich wurde gefragt, was mit Lukas los ist.

Lukas ist z.Z. unabkömmlich. Hundeleiden. Wir haben uns beide darauf geeinigt der Öffentlichkeit keine näheren Details preiszugeben. Es ist ihm peinlich. Ausserdem leidet er. Leckerlies nimmt er gequält aber dafür ausdauernd an. Dann leidet er weiter. Er liegt deshalb zur Zeit lieber in seinem Körbchen herum als mir bei meiner Arbeit zu helfen. Ich muss damit leben.
Eine Pfote weniger.

so krank

Auch Shoppen macht weniger Spaß, wenn der Kleine nicht dabei ist.

Ich war heute beim Baumarkt. (Welch Überraschung). Ich glaube noch zwei Wochen und sie sprechen mich beim Betreten mit Namen an. Eine Woche mehr und sie benennen eine der Einkaufsstrassen nach mir.

Ich brauch eine Flex. Eine gute, große. Eine ehrliche, eine echte. Mit Power. Die alles kann. Natürlich.

Nicht leichtJetzt des Nachtens während ich das schreibe stapeln sich neben mir die Prospekte der diversen Firmen. Metabo, de Walt, Bosch. Und darin steht: Alle können alles, und natürlich besser als die anderen. Und das nennt man „Hilfe zu Kaufentscheidung“. Im Internet hab ich nach Tests gegoogelt. Ja Bushit!

In jeden Test ist eine andere Testsieger. In einem sogar ein Aldiprügel.

Das hilft gar nichts beim Entscheidungsprozess. Auch eine Runde Hundegraulen brachte mich nicht wirklich weiter.

Meine Ansprüche sind wirklich nicht so hoch. Sie soll halt alles können, enorm stark, und dabei klein und handlich. Inkusiver elektronische Regelung und ewig halten soll sie auch. Ist das so schwer? Bin ich den der Einzige? Was machen die Marketing Jungs in den Firmen eigentlich die ganze Zeit?

 

Ah ja Chemie.

Habt ihr euch schon einmal gewundert, was für einen Sinn Chemie in der Schule macht?

ChemieDa hampelte draußen hinter dem Experimentiertisch der Oberlehrer im schicken weiß an der Tafel herum, mischte verschiedene Wässerchen, nur um aus einen gelben und einen grünen ein rotes zu machen. So what? Hab ich das im täglichen Leben je gebraucht? Ich könnte mich nicht erinnern.Farbenspiel

Ganz ehrlich. Wer hat schon mal seine Badewanne geputzt und dabei mit verklärten Blick dankbar seiner Schulzeit gedacht und der Funktion von Tensiden in Anionischen Umgebunge?
Die wirklich fundamentalen Sachen haben sie ja ausgelassen. Warum z.B. Kleber immer nur dort klebt, wo er nicht soll. Und TNT? Hatten wir nicht. Auch kein Experiment. Nicht dass ich mich erinnern konnte. Und das war auch damit das Ergebnis des gesamten Chemieunterrichts bei mir. Ich konnte mich nicht erinnern.

 

So war es auch kein Wunder, dass ich ziemlich erstaunt aus meinen Schutzbrillen sah, als sich an einer Stelle hinter den verrosteten Schrauben, die ich wieder einmal mit einem kräftigen Stoss Rostlöser (völlig umsonst) einnebelte, sich dahinter der Unterboden abzulösen begann.
Ich schaute geschwind auf die Zusammensetzung des Mittels, aber der Text sagte mir so etwas von gar nichts.
Vielleicht war der Effekt auch reiner Zufall so dachte ich leise bei mir. (Warum laut. War ja niemand da.)
Ich nebelte gleich mal eine Stelle daneben ein, und siehe da, nix passierte.
Zufall also.
Als das gleiche bei einer weiteren Schraube passierte, wieder löste sich der Unterboden, wurde ich stutzig.
Wieder ein Stück weiter auf einem Jungfräulichen Unterboden getestet. Nix passiert.

Ich grübelte und kam drauf, dass ich bei beiden Schrauben nicht nur mit Rostlöser, sonder auch mit MOS eingedunkt hatte.

Und voila, sprayte ich beides auf eine Stelle, konnte man nach kurzen Einwirken den Unterboden einfach abheben.

 

Is ja ganz leicht

 

WOW: Ich bin ein Genie, und das ohne Chemie und dem Hintergrundwissen von Anionische Tensiden. Zufall? Ja, aber natürlich? Und dabei teile ich diese Art der Genialität mit 99,99% aller menschlichen Erfindern.

Oder glaubt ihr, dass der erste Mensch das Rad direkz am DinA1 Zeichentisch entworfen hat?

Ich stiefelte sofort zum Baumarkt (ja schon wieder, die Verkäuferin grüsste bereits freundlich) und kaufte je 4 Dosen des Wunderzeugs. Ja aber Hallo. Ich kann mich noch lebhaft an die diversen Horrostories von wegen, abschaben des Unterbodens Millimeterweise mit dem Eierlöfferl, oder abkratzen mit der Heissenflamme die alles in eine zähe, stinkende, klebrigen Pappe verwandelt, erinnern. Für mich bedeutet das, tagelanges Schuften und dass die eigenen Freundin einen nicht mehr angreift. Da greif ich lieber zu dem was uns unsere Chemische Industrie so anbietet. Beidhändig.
Als ich zurückkam wartete schon meine Nachbarn vor der Werkstatttür auf mich.

 
Mit einem 6er Träger des guten Pils. Sie murmelten etwas von Feiern, ich murmelte irgend etwas von Magenverstimmung.
Ich wollte diesmal als möglichst Unbeteiligter den Beiden zusehen, wie sie sich warm tränken.
Während wir quatschten begann ich den Unterboden schön gleichmäßig mit beiden Mitteln einzunebeln.

 

Rückblicken betrachtet hätte ich mir ruhig das Bier gönnen können. Das was da in der Luft lag und ich mir in meine Lungen zog, hatte ein Dröhnung, da wurde der Mufti neidisch.
Und ja. Die Garagen-Tür war natürlich zu. Wird ja sonst kalt da drinnen.
Am schlimmsten ging es den beiden Jungs, die neben dem Bier, gleich mal zusätzlich meine Chemiekeule abbekamen.
Sie waren dann auch viel schneller wieder zurück in ihrer Werkstatt als sie und ich mir das vorgestellt hatten. (Bin mal gespannt was sie morgen so erzählen.
eine halbe Stunde ArbeitAber das Ergebnis rechtfertigt den Einsatz der Mittel. Oder? Na. Bin ich ein Chemiegenie? Nix gefutzel, nix schaben bis der Arzt kommt. Einmal die Kelle angelegt und gut ist.

Ich hatte in einer halben Stunde ein Viertel vom Unterboden Weg. Wenn´s so weitergeht, kann nix passieren.

 

 

Was haben wir heute gelernt.

1. Wissen ist nicht alles, und nichts wissen macht auch nix. Wahres Genie setzt sich immer durch.

2. Hätte es in der Steinzeit bereits das Marketing gegeben, wir immer noch mit dem Faustkeil arbeiten würden.

3. Schrauben kann durchaus auch Bewusstseins Erweiternd sein.

 

Gruss, Oswald

 

 

6 Reaktion zu “Tag12:Chemie Ali”

  1. Frank schreibt:

    Na da hoff ich, dass es deinem Kleinen bald wieder besser geht.

    Das mit der Chemiekeule. 🙂 Gratuliere zu deiner Entdeckung. Ich werde das gleich mal bei meinem Auto probieren. Habe da eine rostige Stelle, die ich befreien muss und mir graute schon von der Arbeit.
    Nimmst du da spezielle Mittel oder geht da alles? Hauptsache Rostlöser und MOS?

  2. Susan schreibt:

    Very nice Blog Oswald. Mein deutsch schreiben ist nich so gut, aber ich lese gerne vom Lukas. Lesen ist ok. Sagt man so?

    Cheers from New York

  3. schrauber30 schreibt:

    wow, sogar aus new york kommt schon fanpost, ggggg !
    die chemie sollte man nicht unterschätzen, vorallem die nachwirkungen der dämpfe! bitte vorsichtig damit umgehen und viel frische luft oder atemschutz verwenden, kann sonst böse enden.
    kopfschmerzen und übelkeit sind da noch harmlose erscheinungen, schlimm wirds wenn dein werkzeug mit dir zu sprechen beginnt und alles bunt leuchtet und sich dreht, ggg

    ps: der schaber am foto sieht schon recht profimäsig aus

    gruss der mit dem schraubendreher tanzt

  4. oswald schreibt:

    Hallo Frank, ja dem kleinen gehts den Umständen entsprechend gut. Der „Hintern“ brennt ihm halt…. Wer einen Hund hat, weiss von was ich spreche. 😉
    Ich weiß nicht, ob das mit jeden Mittel geht, oder nur den Teilen die ich hier habe. Ich fotografier die Flaschen mal und post sie morgen.

  5. oswald schreibt:

    @Susan
    Thanks for your kind words. I think I will have to open a special Lukas blog, when things go the way they seem to go.

    Greetings to NY

  6. oswald schreibt:

    Hallo schrauber 30
    Ja, ich hatte heute Kopfweh… das reichte für drei.
    Das Problem, eigentlich ist da eine Lüftung drinnen, aber die funktioniert natürlich nur, wenn man sie auch einschaltet.
    Ja und der Schaber… da bin ich auch fürchterlich stolz drauf. Den hab ich mir ganz alleine und selbstständig geliehen.

    Gruss von dem den der Schraubendreher beim Tanzen noch auf die Füsse steigt. 🙂

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