Tag:9 Feuer und Flamme

Tag neun. Und ich bin immer noch Feuer und Flamme für das Projekt. Heute eher Flamme, weil ich mir mit dem Heisslöt-Brenner die Fingerkuppen angebraten habe. Wow. War ich schnell beim Wasserhahn. Und dann musste ich zuerst den Handschuh von der anderen Hand bringen, um den winzig kleinen Wasserhahn aufzudrehen. Ja klar hatte ich einen Arbeitshandschuh an, was denkt ihr denn. Aber an der falschen Hand. Immer an der falschen Hand. Warum?

In diesen Dingern hast du auch so etwas von keinem Gefühl. Dann nimmt man natürlich zum Halten, wenn’s knifflig wird, immer diesen Handschuh ab. Nein, soll man nicht machen. Natürlich nicht. Auf keinen Fall. Merkt euch das. Ich merk’s mir auch, bestimmt, bis kurz vor dem nächsten mal.
Da stehst du dann mit einer verbrannten Bratze und überlegst schnell ob du mit dem Kinn den Wasserhahn aufdrehen sollst, oder mit den Zähnen die total versauten Lederdinger herunterziehen. Mahlzeit. Aber wenn’s genug brennt, wirst du mutig, und die Zähne werden eben schwarz.

 

Verband
Symbolbild, dieWahrheit ist schlimmer….

 

Profis muss man zusehen. Dann lernt man viel über Sicherheitsvorkehrungen. Jeder hat da seine Schweissbrille, jeder. Keine Ausnahme. Sind halt Profis. Der eine im Spint, der andere im Wagen, oder sie baumeln cool am Gürtel, wenn man mal eben einen Schweisspunkt setzt. Aber haben tut sie ein jeder.

Und natürlich hat man einen Schraubstock, um seine Teile gut und vor allem sicher beim Abrichten mit der Flex zu fixieren. Der Profi hat dazu keine Zeit, schont den Schraubstock, und flext mal locker aus der Hand.
Profis können das. Für sie ist das Teil ihres heroischen Alltags. Jahrelange Erfahrung macht sie sicher. Außerdem sind sie gut versichert. Wir Laien tun uns nur weh. Profis tun sich nicht weh. Die werden „erfahrener“. Sie generieren sich daraus die Heldengeschichten, die man an lauen Abenden im Kreise anderer Helden erzählt. „Das rote Aug hab ich von dem Schweißspritzer von dem grossen Stahlträger 1987. Und die Narbe, kannste dich daran erinnern, das war . . . “
Wir Laien schauen nur blöde aus, wenn wir mit verbunden Fingern auf Familienfeiern auftauchen. Nix Bewunderung, nur endlose Schadenfreude von der grinsenden Verwandschaft.

Aber es ist auch nicht ganz so einfach, alles richtig zu machen. Arbeit nach Vorschrift? Wenn du die Sicherheitsanleitung an deiner Flex einmal durchliest, und alles befolgst, was da so draufsteht, dann bist du vor jedem Flexen erst einmal zwei Stunden beschäftigt. Erst räumst du deine Werkstatt auf, um alles was brennen könnte wegzubringen. Dann sicherst du das Werkstück, ziehst dir feuerfeste Kleidung an. (Scheiße, war der Sweater jetzt Polyester oder Baumwolle? Besser du schaust nach.) Dann suchst du deine Handschuhe, deine Brille, deinen Haarschutz (yup, oder sie kokeln u. Umständen ganz wunderbar vor sich hin, wenn sich da ein Funken fängt. Das stinkt, da fallen die Mücken von den Wänden, von der Optik ganz zu schweigen. Da brauchst du dann einen verdammt guten Friseur)
Aufwendig und zeitraubend. Und nach dem dritten mal nimmt man einfach mal die Flex und ratscht das schnell herunter. Und beim jeden zehnten mal holst du dir das Leukoplast.



PaketbandHeute hab ich die Elektrik aus den Ritzen gepopelt. Ich hab mir Paketklebeband genommen und versucht, die Enden der vielen Drähte zu beschriften.
 

 

FarbenspielDenn … ich hab zwar einen Plan des Kabelbaums, und es sind auch alle Kabel eigentlich unterschiedlich eingefärbt. Aber das Ganze ist eben, das wollen wir nicht vergessen, Made in Italy. Und da ist eben nach 19 Jahren, ein Weiss eher ein Gelb, während das Gelb schon verdammt Richtung Strahleweiss wandert. Der Braungestreifte ist vom Rotgestreiften nicht mehr zu unterscheiden, und Grau ist . . . na ja, je nachdem wo es gelegen ist, jede Farbe die du willst. Und du schaust dir die Teile mit deinen kurzsichtigen Augen an, und siehst keinen Unterschied. Und du denkst so im leisen Geheimen. „Wow. Das wird noch lustig“.


BeschriftungAlso Beschriften, was das Zeug hält. Und Fotografieren. Ohne eine Kamera geht gar nichts. Digital. Das wär das Erste, das ich mir kaufen würde, würde ich wieder bei Null anfangen.
Zum Dokumentieren, Aufzeichnen, als Gedächtnisstütze, um Ersatzteile zu bestellen. Digitalkammera. Ich habe heute . . . muss gleich mal nachsehen… 87 Bilder gemacht.
Was haben die armen Schweine gemacht, die restauriert haben, bevor es diese Dinger gab? Leonardo hat gezeichnet, aber der völlig unterbegabte Normaluser? Polaroid? Da ging wahrscheinlich die Hälfte des Budgets für die Bilder drauf.
Ursprünglich hatte ich mir ja vorgenommen, den ganzen Kabelbaum in einem Stück zu entfernen, aber das war nicht möglich. Die Anschlüsse sind zu gross, um sie durch die Löcher der Karosserie zu ziehen. Deshalb protokoliere ich alle Anschlüsse vor dem Trennen und zieh sie dann auseinander. Eine Sauarbeit.
Nachher schlichtet man ordentlich! das Teil in das dafür vorgesehene Behältnis.

 

Ordnung

 

Dann bin ich heim. Blog schreiben. Mit DREI Fingern.

 

Was haben wir gelernt:

Dass Sicherheitsvorschriften eine theoretische und eine praktische Seite haben. Und das die praktische weh tut.

 

Oswald

 

6 Reaktion zu “Tag:9 Feuer und Flamme”

  1. Sprongi schreibt:

    🙂 Ja kenn ich. Ich fahr gerade auf Montage. Da wird nur so gearbeitet. Da klettern wir auch ohne Sicherung auf den Gerüsten rum…
    Da ist Motorschrauben ungefährlicher.

  2. Pommes - Peter schreibt:

    Weiter so , einfach immer weiter so , dann kann gar nix mehr schiefgehen – mit Deinem Buch . Ich möchte als erster eins haben , bitte Handsigniert .
    Dank im Vorraus – PP

  3. Oswald schreibt:

    Hallo Peter.
    Handsigniert? Ich glaub du musst es sogar handgeschrieben nehmen. 🙂 Das wird keinen Verleger finden. Aber danke für den Zuspruch.

  4. Motogucci schreibt:

    Doch damit findest du leicht einen Verleger. Hast du das schon probiert. Das ist besser wie 99% von dem was sonst so gedruckt herumschwirrt. Hab ich mich schlappgelacht. Musste nur einmal probieren. Ich denk das funkt.

    Walter

  5. Rhuphus schreibt:

    Hallo Oswald,
    auch ich schau öfter am Tag hier mal vorbei, ob es was Neues gibt. Es ist toll zu lesen, und ich habe Deine Seite auch schon Bekannten zur Lekture empfohlen.
    Wäre es ein Buch, es wäre gelesen.
    Gruß Bernd

  6. oswald schreibt:

    Hallo Ruphus…
    danke für das Kommentar. Aber es ist nur etwas für uns Schrauberverrückte. So wirds auch bleiben.
    Bleib mir gewogen.

    Gruss Oswald

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