Gedanken…

Leben wir nicht in einer verrückten Zeit? Also mir kommt so vor, als ob zur Zeit jeder am Rad dreht. Und die Wenigsten scheinen zu wissen, was sie tun.

Vor allem die Mächtigen (und alle die es werden wollen) dieser unserer Welt. Wäre es wenigstens ein und dasselbe Rad, an dem sie zerren würden, wäre das zwar eine wilde Keilerei, aber sie wären wenigstens nur damit beschäftigt, sich gegenseitig aufs Schienbein zu treten. Aber sie haben ihre kleinen machtgierigen Griffel überall mit drinnen, und beschäftigen sich mit Vorliebe mit uns. Dass dann unsere Welt nicht rundlaufen kann, ist ja kein Wunder.

Ab und zu passiert es, wenn mir das Gedrehe und Gezerre zu wild wird, dann poppen in meinem Schrauberhirn Gedanken hoch. Die rollen dann durch mein Gedankengebäude wie hunderte Murmeln und machen mich mürrisch. (Fragt meine Freundin)

Dann müssen die einfach heraus. Und dazu ist diese Seite da. Nennt es innere Hygiene.

Oder: Einfache Gedanken eines einfachen Schraubers, zu einer nicht so einfachen Welt.

5 Reaktion zu “Gedanken…”

  1. Jörg schreibt:

    Da tropft der Frust einem ja aus dem Computer raus, musste ihn schon trockenlegen. Scheint ein typisch deutsches Phänomen zu sein, die ewige Unzufriedenheit.
    Dann will ich Dir mal ein bisschen einfaches Leben schildern, wie es anders nicht sein könnte.
    Um mal auf Dein Handy zu kommen, so etwas habe ich hier in Chile noch gar nicht gesehen, nicht das es sie nicht gäbe, aber da kannst du touchen wie du willst, ohne Empfang taugt das Ding noch nicht mal, um Eindruck zu machen. Ich wohne ca.500 Km von der Hauptstadt entfernt, in Los Angeles, der Nachbarort heisst Santa Fe. Ich habe den Fehler begangen, etwa 2 Km ausserhalb der Stadtgrenzen zu ziehen, d.h. 1 Km vom Festtelefon entfernt. Mein Handy, so etwas gibts bei Euch nur noch im Museum, hat einen Empfang ca.3500 km von Nord nach Süd, leider haben sie vergessen, das Chile max 330km breit ist, deswegen gibt es auch ausserhalb der Autobahnreichweite keinen Empfang. Da es hier nur Überlandstromleitungen gibt und die Chilenen auf dem Lande doch sehr trinkfreudige Gesellen sind, fällt bei mir in der Regel 2 mal die Woche, der Strom für ein paar Stunden aus, da es anscheinend Sitte ist, die Strommasten über den Haufen zu fahren.
    Am Anfang, meines hiesigen Daseins, hatte ich immer gedacht, was die Chilenen doch für Tierliebhaber sein müssen, da die gesammte Autobahn und sämtliche Nebenstrassen, voll mit kleinen ‚Hundehütten‘ sind, schön mit Blumen geschmückt, bis man mich dann beleidigt aufklärte. Die Dinger heissen ‚Casa de espiritu‘, auf deutsch Geisterhäuser. Jeder Verkehrstote bekommt so ein Ding und ‚meine‘ Strommasten, die für mich Kontakt mit der Zivilisation bedeuten, sind ringsrum damit zugebaut. Im Sommer ist das nicht so schlimm, aber im Winter können die Nächte doch verdammt lang werden.
    Wenn ich mal Sehnsucht nach Deutschland habe, stelle ich natürlich die Deutsche Welle an und werde wunderbar über Afganistan, Irak, Iran und den Libanon informiert, ich kann mir sogar die Sprache aussuchen, denn jede Stunde, wird die gleiche Nachricht mal auf Deutsch, Englisch und Spanisch wiederholt. Warum die noch Deutsche Welle genannt wird ist mir schleierhaft. Als Auslandsdeutscher wüsste ich ja gerne mal, was zu Hause passiert.

    Aber interlektuelle Gespräche gibt es hier viele, zwar nur 2 Themen, Asado, ist hier Nationalspeise (auf dem Grill verkokeltes Fleisch, stark gesalzen), oder Frauen und das stundenlang. Die Frauen sprechen natürlich über Männer und übers Einkaufen. Alles hochinteressant. Ich glaub noch ein Jahr und ich bin total verblödet.
    Im nationalen Fernsehen, laufen tag und nacht, irgendwelche herzergreifenden ‚Seifenopern’und die ganze Bevölkerung leidet mit.
    In der Politik hört man nur von Korruptionsskandalen, neuen Freihandelabkommen, dem hohen Wirtschaftswachstum und anderen Märchen.

    So, eigentlich kann ich Deinen Frust gar nicht verstehen, Euch gehts doch gut, das Leben ist geregelt, sicher und abwechslungsreich.

    Ich könnt ja mal ein Therapiecamp für unzufriedene Akademiker machen, damit sie mal das, was sie haben, wieder zu schätzen lernen. Biete ein schönes Haus, Wald viel Natur, Oldtimerfahrten usw.
    Halt mal die Ohren steif und lass Dich nicht von dem Schäuble unterkriegen.
    Jörg

  2. oswald schreibt:

    Hallo Jörg.

    Ich hab mir sehr lange überlegt, was und wie ich auf dein Kommentar schreiben soll. Du hast vielleicht gemerkt, dass nicht gleich etwas kam, obwohl ich sonst gerne sofort antworte da ich mich über jede Reaktion freue.
    Deines ist besonders insofern, weil es eine Thema anspricht das mich stark berührt.

    Du hast Recht. Lebt man im Ausland, hat man eine andere Sicht der Dinge in der Heimat. Insbesondere aus einem Land wie Chile das doch sehr „anders“. Der Begriff Heimat bekommt eine andere Dimension. Oder wird überhaupt erst zu einer Dimension. So ging es zumindest mir in den Jahren, in denen ich nicht „zuhause“ war.
    Ich weiß, bist du in Mexiko (meine Erfahrung) erst einmal in einem Krankenhaus gestanden, findest du die Deutsche Krankenversorgung geradezu von einem anderen Stern. (Oder die Mexikanische, kommt darauf an von welchem Stern wir hier reden.) Es wird dir klar, das alleine die Möglichkeit in eine Bäckerei zu gehen, in vielen Ländern nicht zum Alltag gehört. Vom Brot ganz zu schweigen.
    In Indien werden Menschen der untersten Kaste am Morgen von der Strasse gekehrt, wo sie des Nachtens überfahren wurden. Etwas was man sich bei uns, trotz dem allgegenwärtigen Fernsehauge, nicht wirklich vorstellen kann, und auch will.
    Aber mir geht’s bei meinen Gedankenkoller nicht um Dinge, wie den Handyempfang, oder den täglichen Ärger mit der Bürokratie. Das Nervt, weil man sich damit beschäftigen muss, aber es ist nichts Fundamentales. Da hast du Recht. Wir leben in einem sicheren und sauberen Land und gehören damit, global gesehen zu einer glücklichen Minderheit.

    Was mir im Magen liegt ist der Umstand, das heute Entscheidungen getroffen werden mit Konsequenzen die wir uns heute noch nicht auszumalen im Stande sind. Und das von Menschen, die nicht wissen was sie tun.
    Du hast ein langes Kommentar geschrieben, du bekommst eine Lange Antwort. Selber Schuld 😉

    Ich war einige Jahre jetzt in Berlin, und auf Grund meines Jobs hatte ich die Möglichkeit in Berlin hinter die Kulissen der hohen Politik zu sehen. Dass heißt ich habe jene Köpfe „anfassen“ dürfen, die die Geschicke des Landes, und inzwischen Europas und ein bisschen auch der Welt zu lenken gedachten. Und das war ein Schock.

    Dachte ich bisher, dass nur die Fähigsten Menschen das Land regieren, bin ich zu der Einsicht gelangt, dass genau das, nämlich Fähigkeit, ein Hinderungsgrund für eine Machtposition in dieser unserer Demokratie ist.
    Dummheit, Naivität, gepaart mit Arroganz (eine fatale Mischung) überall (Keine Ausnahme, auch nicht in einer Partei ist das anders). Eine dieser drei Attribute traf immer zu, zu allermeist auch alle drei mit unterschiedlicher Gewichtung. Ich habe einen Mediensprecher einer großen Volkspartei kennen gelernt, der noch 2003 nicht wusste, wie man Email abruft weil der Computer für ihn nur ein Bahnhof war. Wäre nicht weiter erwähnenswert wäre nicht er der Mann darüber zu Entscheiden hatte, wie diese Hochtechnologieland seine Zukunft angehen soll. Ich traf auf eine hohe Entscheidungsverantwortliche für den Bereich Internet, die einen „Backbone“ für einen Abwasserkanal hielt. Wir mussten miterleben, wie 18 Jährige Berater ihre völlig überforderten Spitzenpolitiker während TV Diskussionen Schummelzettel zuschoben die diese dann unter dem Tisch ablasen, und unreflektiert nachplapperten. Ich habe Entscheidungen miterlebt, bei denen es um Hochtechnologie Milliardenförderungen ging, wo quasi die Sekretärin, weil sie sich „mit dem Computer ja auskennt“, den Ausschlag gab, ob, oder ob nicht das Geld fließen soll.

    Und diese Menschen fällen jetzt Entscheidungen die nicht mehr revidiert werden und unser aller Zukunft verändern. Wir leben in einem Wandel, dem größten den wir Menschen gemacht haben, seit der Erfindung der Schrift. Das Internet wird unsere Gesellschaft und uns Menschen verändern in einem Ausmaß das nicht vorstellbar ist. Es wird unsere Plattform. Unterhaltung, Kommunikation, Business, unser Tägliches Leben läuft bereits heute großteils darüber ab.

    Und jetzt wird in schnell und über Nacht in Stein gemeißelt, das diese Plattform Menschlicher Kommunikation zur Gänze der Kontrolle des Staates unterliegt. Und zwar zu 100%. Stell es dir so vor, als würde auf der Strasse an jeder Ecke ein Mann in Schwarz stehen, der zuhören will, was du mit deiner Begleitung sprichst. In deinem Wohnzimmer, in deinem Schlafzimmer, Büro, in der U-bahn, wenn du auf Urlaub fährst, etwas einkaufst. Immer ist jemand dabei. Und macht die Ohren auf, hört zu, schaut dir über die Schulter. Und der merkt sich das was du tust.
    Und deshalb gib Acht, dass du nichts Falsches tust.

    Es entsteht ein „die“ und „wir“. Auf der einen Seite ein Staat, auf der anderen Seite seine Bürger. Der eine der Kontrolliert, auf der anderen Seite die die Kontrolliert werden. Erinnert dich das an was?

    Das Problem ist ja, wie gesagt, dass niemand derjenigen Abgeordneten die diese Gesetze beschlossen haben überhaupt eine Ahnung haben, über was sie da abgestimmt haben. Viele meinen ja bis heute, dass es gar nicht möglich ist, z.B. den ganzen Emailverkehr zu kontrollieren. Zu viele Daten.
    Bereits 2002 reichte ein handelsüblicher PC aus dem Mediamarkt um den gesamten Emailverkehr von Berlin zu scanne. Bereits ein Jahre zuvor konnte Echolon den gesamten Telefonverkehr Deutschlands abhören, sortieren und protokollieren wie die EU 2006 entsetzt entdecke. Aber die Parlamentarier und Politiker, ja genau jene die in den Ausschüssen ihre Sekretärin über Technologieprojekte entscheiden lassen, wissen das nicht.
    Es entscheiden geriatrische Dilettanten über deine und meine Zukunft. Ja, und Schäuble ist einer von ihnen. Er weiß nicht was man mit Computern macht (kein Witz, der Mann hat davon keine Ahnung) Aber es ist schlecht und deshalb müssen wir es kaputtmachen.
    Obwohl sie es alle irgendwie ahnen. Weil die Gesetze die sie beschlossen haben zwar das Abhören von allen Bürgern (auch der Presse und der Anwälte) erlaubt, aber nicht jene der Parlamentarier. Vielleicht hat sie ihre Sekretärin gewarnt.

    Du sitzt heute in Chile und dein Handy geht nur auf der Autobahn. Aber in 15 Jahren haben wir eine Welt in der alle ihren Bewegungssensor mit sich tragen und derjenige die nicht gehören automatisch zu den Verdächtigen, auch oder vor allem wenn er Chile sitzt. Wir werden uns zu Untertanen entwickeln die bei jeden Schritt überlegen werden, was sich „das System“ dabei denken könnte.

    Du hast recht, ich lebe gerne hier. Und genau deshalb mach ich mir Sorgen.

    Gruß Oswald

  3. Jörg schreibt:

    Wow,
    jetzt sind wir beide auf dem besten Wege, um zu Verfassungsfeinden erklärt zu werden, zum Glück bin ich in 15 Jahren 62 Jahre alt, da bleibt mir nicht mehr lange, um mich weiter bevormunden zu lassen.
    Glaub mir, es ist für mich viel erschreckender, die Geschehnisse aus dem Ausland zu verfolgen und mit anzusehen, das wir es, trotz aller Schrecken und Aufklärung immer noch nicht verstanden haben und alles daransetzen uns das Leben immer unmöglicher zu machen.
    Politiker wird man, wenn man die nötigen Beziehungen hat, nicht aus Verstand, deswegen fallen kluge Politiker immer so unangenehm auf. Es wird eine ‚Trittbrettfahrer‘ Menthalität erwartet, besonders geeignet scheinen Lehrer, da steckt ‚leer‘ drin und Rechtsanwälte, die können es so schön formulieren, das sie es hinterher selber nicht mehr verstehen, zu sein. Es geht hauptsächlich um Bevormundung, Verdummung und Kontrolle und nicht um es zu vergessen, den eigenen Posten bis ans Lebensende zu verteidigen, egal wie dumm man sich auch anstellt. Um ihre Ziele zu erreichen, schrecken sie vor nichts zurück. Das ist so in Deutschland, wie auch anderswo.
    Hier in Chile werden Posten sogar vererbt, deswegen wird die französische Revolution, im Geschichtsunterricht auch konsequent übersprungen.
    Ich habe hier gelernt, das wenn man die Bevölkerung dumm hält, kann man sie besser ausnutzen und die Lateinamerikaner, scheinen besonders gut dafür geeignet zu sein.
    – (Schöne lange Sätze hää, hab ich von alten Julius gelernt) –

    Nur was können wir daran ändern, ich bin vor 15 Jahren ‚ausgestiegen‘ und schaue meinem Wald beim wachsen zu. Habe mich von einem Städter, zum Hinterwäldler rückententwickelt und verbringe meinen Tag damit, mit einem 5.8 Liter V8 durch den Wald zu hüpfen und habe nicht aus Umweltgründen, sondern zur Rentenfinanzierung, obwohl das eine nicht das andere ausschliesst, über 200.000 Bäume gepflanzt und erwarte jetzt, teilweise, andere Leute übers Netz von der Arbeit abzuhaltend, mit Spannung darauf, das ich die Bäume endlich umsäbeln kann, tut mir sehr Leid, aber ich brauch die Knete, Derweil vergnüge ich mich mit alten Autos und das hiesige Nichtwissen ausnutzend, konnte ich mir zwei schöne Oldies ergattern, die ich mir in Deutschland, alleine aus versicherungstechnischen Gründen, garnicht leisten könnte.
    Jetzt stehe ich vor dem Dilemma, ich könnte mich bald zur Ruhe setzen, würde gerne nach Europa zurückgehen, kann es aber nicht, da ich in Deutschland geschieden bin und einen kleinen Sohn habe und Vater Staat nur daran denkt, mich finanziell auszuziehen. Mir bleibt halt nur, mich ab und zu mal in Deutschland, bei Nacht und Nebel reinzuschleichen, um meinen Sohn sehen zu können und das wird durch Bush’s Terrorwahn von Tag zu Tag schwerer, da er Politikern die Macht gibt, den gläsernen Menschen, jeden Tag noch transparenter zu machen.
    Vielleicht werden wir uns in ein paar Jahren mal Fragen, welchen Vorteil die Menschheit, vom technischen Fortschritt hatte, wenn wir es dann noch dürfen.
    Gruss
    Jörg

  4. Jörg schreibt:

    Hallo Oswald,
    ich hoffe das Du Dich ein bisschen beruhigt hast, wenn nicht, trink Dir nen Kaffee, mir hilft es immer. Du bist doch von der Internet Idee so überzeugt, aber damit hat man gewissen Menschen eine Kontrollmöglichkeit in die Hand gegeben. Einstein wollte der Menschheit auch nur helfen, als er mit Oppenheimer zusammenarbeitete, das Aha Erlebnis kam später.

    So nun löse mal keine internationale APE Krise aus, oder die erste ‚Computerverbrennung‘ und lass Dich nicht als Demagoge verfolgen. Denk lieber an Heine, der konnte auch nachts nicht schlafen, wenn er an Deutschland dachte.
    Dabei ist ein so schönes Land, wenn man es mit Abstand, betrachtet, aber es scheint des Deutschen Schicksals zu sein, immer alles bis zum Exzess auszukosten. Da finden wir automatisch ein Paar Dumme, die uns führen.
    Gruss
    Jörg

  5. Oswald schreibt:

    Nope ich schlafe super gut. Noch 😉 Ärgern tu ich mich immer nur kurz dafür kräftig. Dann muss ich was tun, was schreiben, oder jemanden anrufen und die Meinung pusten. Dann gehts wieder.
    Danke für die Wünsche.
    Gruss ins ferne Chile.

    Oswald

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