Kabelbaum deluxe

oder: Farbenlehre auf Italienisch. 

Ich hatte mir für heute fest vorgenommen bis zum Abend die Ape anzulassen. Koste es was es wolle. Und wer mein Blog kennt, mich kennt, meine Leidenschaft für akribische Vorbereitung, meine professionellen Timings hemmungslosen Einsatzes (alles für den Dackel alles für den Club) und die uralten Schraubergeheimnisse…weiss: Sowas geht daneben.

 

Es ist eines der fundamentalen Schraubergesetzte, das jeder Zeitrahmen den man sich selber mit Leidenschaft setzt ebenso leidenschaftlich gerissen wird. Ich hab noch keinen Schrauber getroffen, der gesagt hat. „Heute hab ich mir echt zuwenig vorgenommen“. Oder „Ich dachte ja, ich brauch dafür eine Woche, jetzt bin ich bereits nach einer Stunde fertig“. Wenn ihr so was hört, packt es unter Schrauberlatein. Immer.   
Die Realität sieht meistens so aus, dass man anstatt, wie der Fr. Gattin hoch und heilig versprochenm um punkt 6 Uhr 48 im kleinen Schwarzen ausgehbereit und geschniegelt, mit glänzend Fusswerk für den Ring der Nibelungen parat steht, meist schwarzverschmiert noch mit beiden Bratzen im Differenzial hängt.

„Was, schon so spät?“

 

Kabelbaum ordentlich verstaut…
 Ordnung
Ich weiss, Ordnung geht auch anders, aber was ist an einem Kabelbaum schon per se ordentlich.
Und überhaupt: Mein Innenraum sah so aus.

InneraumimChaos

Wie gesagt. Sie sollte heute laufen. Musste. Wird!! Ich weiss es, fühlte es, spürte es. Glaubt ihr nicht… Kleingläubige!!!

Achtung: Beim Kabelbaum Einbau, besonders wenn er nirgends Kontaktstecker hat die ihn Stückeln lassen, ist es unbedingt wichtig mit Plan zu arbeiten.

Jaja. Lacht nur. Ich meins ernst.

Tip: Legt den Kabelbaum neben dem Auto aus

Schon ungefähr so wie es dann schlussendlich verkabelt gehört. Dann schaut wo die größten Teile sind und fädelt von dort weg eure Kabel durch die Eingeweide eurer Karre. Bei der Ape muss man von der Kabine weg verkabelt werden.

Wehe man beginnt beim Motor. 

Klingt banal, aber Duce, ein Freund aus Potsdam hat den Kabelbaumsalat seines Mercedes 280 e 4 mal angefangen zu verkabeln, quasi von jeden Eck einmal. Jedes Mal ein Wochenende dahin.  Weil er sich nicht vorher 5 Minuten hingesetzt hat.  Er nannte es seine „Elektriker Lehre“ ich nannte es… na lassen wir das dahingestellt.
BeschriftungWas auch noch hilft: Beklebt vorab die Enden mit Hinweise wohin sie gehören.  Ich habe Klebeband genommen und darauf mit Edding geschrieben.

 
Paketband Und noch ein Tip. Nehmt nicht Paketband, wie es der gute Oswald gemacht hatte, weil davon mit der Zeit auch das letzte Fussel Eddingschrift heruntergeht.
Ich fing beim Relais hinter der Batterie an, klemmte das mal fest und fädelte von da weg die einzelnen Stränge durch die APE.

Noch ein Tip. Macht Bilder. Beim Abau. Und das nicht zu sparsam. Wer weiss für was es gut. Ist. Ich weiss es.
Gott sei Dank hatte ich während des Abbaues hunderte Fotos gemacht.  Hunderte. Ich übertreib nicht. FarbenspielJede verdammte Buchse hab ich von allen Seiten fotografiert.

Mein Freund, der aus Potsdam, der mit seinem 280 e, meinte, das wäre doch Blödsinn, weil ich hätte ja das Schema des Kabelbaums im Werkstattbuch. Und ich müsste mich ja nur beim Zusammenbau nach dem und den dortig angegebenen Farben halten.
Irgendwie klang das logisch. Aber das ganze hatte einen Hacken. Die APE kam aus Italien. Und offensichtlich waren die Italiener nicht nur Meister des lockeren Leben, sondern zusätzlich Farbenblind. Denn keines der Kabel hatte die im Werkstattbuch angegebene Farbe.  Ein Rot hier, war ein Schwarz da. Und BlauGelb gestreift, war im wirklichen Leben Grün einfarbig.  
Und um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen (wär ja sonst zu einfach), hatte kaum mehr ein Kabel überhaupt seine Farbe. Der Zahn der Zeit hatte die Farbinformation einfach ausradiert und aus einem dunklen Rot, ein Zartrosa gemacht, aus einen Blau ein Grün und Türkis ist irgendwie gelbbraunviolett geworden.
Caramba.
Aber wie gesagt, ich hatte Fotos. Hunderte. Und so sass ich mit meinem Laptop auf dem Knie in der ohnehin nicht üppig grossen Kabine und verkabelte was das Zeug hielt. Verglich, schaute an, versuchte zu erraten…
Es passierte „trotzdem“ der ein oder andere Fehler. So ging das erste mal die Hupe an, als ich der Blinker betätigte. Nicht schlecht Herr Specht. Und das Rücklicht lies sich nur schalten, wenn ich die Fernlichttaste betätigte. Einmal ging nur der Rechte Scheinwerfer, dann nur der Linke. Dann beide nicht. Aber irgendwann im Laufe des späteren Nachmittag sah das von hinten so,Lichttesthinten
und von vorne so aus. Lichttestvorne

 

 

Und es war an der Zeit das erste mal meinen frisch zusammengebauten, neu verkabelte, neu eingebauten Motor anzuschmeissen. Und alle, wirklich alle waren der Meinung, das klappt nie. Mich eingeschlossen. 

Bitte das anklicken -> ErstesAnknattern Video

Ja…. Ich würd jetzt lügen würd ich sagen, ich habs gewusst. Ich habs nicht einmal geahnt und gehofft schon gar nicht. Mit allen hab ich gerechnet nur nicht das das ding beim Ersten Mal angeht.

Was lernen wir daraus.


Das es irgendwo einen Schraubergott geben muss, der von Zeit zu Zeit Mitleid mit uns hat.

Das ein Bild mehr als 1000 Worte sagen kann, dir aber dieselben fehlen, wenn du dich auf italienische Reperaturanleitungen verlässt.

Und das ein Rot nicht unbedingt immer ein Rot sein muss.

 

Tja…

3 Reaktion zu “Kabelbaum deluxe”

  1. Lamar schreibt:

    Jaaaaaaa, da lacht der A. ob des Geknattere und ich freu mich für dich (hab auch ein Grinsen im Gesicht).

    Auf ein baldiges Treffen in G.,

    Martin 🙂

  2. Giotto schreibt:

    Very nice. Very, very nice… 🙂

  3. Badduck schreibt:

    Das gibts ja nicht. Der Oswald schreibt wieder. Nit zu glaube. Ich habs ja schon aufgegeben in dein Blog zu schauen, aber immer wieder mal hats mich hergezogen. Und jetzt neue Beiträge. Gleich drei davon. Das freut mich. 🙂 Hab mir schon Sorgen gemacht. Du kannst das Blog nicht so vernachlässigen. Du hast eine Verantwortung mein Lieber.
    Also hau in die Tasten.

    Übrigens. Bei vielen älteren Fahrzeugen stimmen die Farbcode der Kabelbäume nicht mit den herumkursierenden Schemas überein. Das liegt daran, dass die Farben öfters über die Jahre hinweg geändert wurden, und wenn du nicht das Schema deines Jahres hast, ist die Chance mikrig, das du die richtigen Zuordnungen hast. Ich zeichne mir immer einen neuen, wenn ich eine Restauration anfange. Dazu nehm ich den alten, mach ihn von den Farbcodes frei, vergrössere ihn ahf DinA 2 und Zeichne die einzelnen Lizen mit Farbstiften. Dann einscannen und gut ist.

Schreib ein Kommentar