First Try oder Odyssee 3

Manchmal ist es wie verhext. Da geht gar nichts. Nicht mal der Deckel ab von der Niveadose.

Nummerschild

Sieht aus wie ein Nummernschild, greif sich auch so an… funkt trotzdem nicht. 

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Wer kennt das nicht?!

Da versuchst du nur mal schnell den Zylinderkopf abzunehmen, was eigentlich eine Arbeit von 3, was sag ich, 2 Minuten. Reißt dabei aber gleich mal die Schraube ab. Dann findest natürlich keinen Metallbohrer  (der letzte ist gestern abgebrochen und heute ist natürlich Sonntag), der Nachbar, der vielleicht was leihen könnte, ist auf Urlaub. Was heißt, DER Nachbar. ALLE Nachbarn. Also bleibt nur noch der Schwager der 80 km weiter wohnt (und sich immer schon ins Fäustchen gelacht hat wegen deiner Schrauberkünste). Dann beim Ausbohren triffst du den Motorblock, vernudelst das Gewinde, findest keine Überschraube, schlussendlich zerreißt noch die alte Dichtung und neu gibts die nicht mehr, und spätestens dann schmeißt du den offene Motor in die nächste Ecke wo er die nächsten Jahre vor sich hin schimmelt, und du fängst wieder was sinnvolles an. Breifmarkensammeln zB. Was willst du machen wenn dir die Schraubergötter nicht gewogen sind?! Ich sag’s euch… kämpfen.

Meine Schraubergötter hatten immer noch einen Schleim auf mich. Seit 3 Jahren steckte ich schon in der Typisierungsodysee. (siehe vorige Artikel) Aber aufgeben war nicht. Kämpfen. Ich will das Teil in Österreich auf der Strasse sehen. Und wär es das letzte was ich tuhe.

Der nächste Morgen…

So stand ich im brav um 5 Uhr ich wieder neben meiner APE. Nach einer mageren Stündchen Schlaf. Ein echter Schrauber braucht keinen Schlaf.  (murmelte ich immer wieder vor mich hin.) Was sollte ich tun. Hatte ich ja die halbe Nacht an der verdammten Hupe herumgeschraubt. Und heute war ja der Typisierungstermin. Aber das war nicht der eigentliche Grund für meine frühmorgendliche Selbstquälerei. Der Termin selbst war nämlich erst um 9 Uhr. Wär ich zur Fuss gegangen, hätte es locker gereicht um 8 Uhr aus den Federn zu kriechen. Aber ich sollte ja mit meiner APE dorthin. Besser ist es. (Sonst wäre ich noch typisiert worden, und wer weiss, ob ich das bestanden hätte. )

Neinneinnein… ich will nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Gut sie ist langsam, aber sooooo langsam nun auch wieder nicht. Der Grund war etwas subtiler. 

Die Prüfstelle war auf der anderen Seite der Stadt. Klar wo sonst. Und ich hatte noch kein Nummernschild.

D.h. ich hatte zwar ein Nummernschild, aber das war aus Posdam 7 Jahre alt und die Prüfplakette vor 5 Jahren abgelaufen.
Ähm.

„Echt, das Pickerl ist nicht mehr gültig Herr Inspektor? Muss ich übersehen haben…“

Hallo! Meine Ape stand in den letzten paar Jahren in diversen Garagen um von Grundauf renoviert zu werden. Und zwar die meiste Zeit davon in Einzelteilen zerlegt.

Wie machst man da ein Pickerl?

„Hab heute mal die Kurbelwelle zu Begutachtung vorbeigebracht.“ Neeee…

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Das was die Sache spannend machte: Mein Gefährt war nicht gerade das was ich unauffällig nennen würde. Nein, konnte man nicht sagen. Ein rosaroter 40 Tonner ist unauffällig, aber eine APE? Nach dazu wenn ich den gesamten Frühverkehr der Stadt unfreiwillig hinter mir her entscheunigt, eine Schlange von mehreren Hundert hupenden Autos durch die ganze Stadt gezogen hätte, da hätte es gut sein können, dass ich das Interesse des ein oder anderen Freund und Helfers in Grün auf mich gezogen hätte.
Kluge Leute besorgen sich ja ein Überführungsschild von einer befreundeten Werkstatt … aber ich war mit keiner Werkstatt befreundet. Oder einen Anhänger wäre auch ein super Idee. Aber schon mal nach einen Autoanhänger für ein dreirädriges Gefährt gesucht? Also hieß es nach bester Motorschraubermanier. No risk no fun. Oder… Mut kann man sich nicht kaufen.
Das Ziel war also, möglich ohne Aufsehen durch die ganze Stadt zur Prüfungsstelle zu kommen. Und das schien mir in aller Herrgottsfrühe am wahrscheinlichsten. Sehr früh. Ganz früh. Vor dem Morgentau quasi.Je früher desto besser. Nur keine Aufmerksamkeit erregen. Pssssst.

Startschwierigkeiten

Doch bevor ich losfahren konnte, gab es noch ein kleines Hindernis zu überwinden. Ein Kitzekleines. Ich hatte am Vortag nicht probiert, ob meine Kiste überhaupt anspringen würde. Hey, ich war mit der Reparatur meiner Hupe beschäftig. Ihr erinnert euch. Aber ich vertraute ihr. Meine APE liebt mich, so wie ich sie liebe. Sie lässt mich nicht im Stich.

Ich drehte also den Zündschlüssel und der Anlasser rotierte los.. und rotierte und rotierte… und rotierte. Sie rotierte und viebrierte, dass es mir die Goldkrone aus dem Backenzahn schüttelte, aber anspringen wollte sie nicht. „Zumindest funktioniert der Dynastarter“, dachte ich. (Bin Optimist. Halb Voll. Ihr versteht.) Ich klemmte mich unter mein Gefährt und tat das was ein Apefahrer für gewöhnlich macht. Er schraubt mal an der Glühkerze rum.
Und die war knochentrocken.
Irgendwas in meinem Gehirn glimmte bei diesen Anblick, war aber vom Leuchten zu weit entfernt, weshalb ich es glimmen lies und mich weiter meiner APE zuwandte.

Zu meiner Entschuldigung: Ich  hatte da noch keinen Kaffee, sodass mein Gehirn noch im Stealthmode funktionierte, nämlich gar nicht. Und anstatt dem Dämmerungsgefühl nachzugehen, zog ich es vor noch eine neue Glühkerze einzuschrauben, das Gasseil zu überprüfen und noch einen zweiten, dritten, vierten, fünften Startversuche zu wagen.

Inzwischen war es schon nicht mehr „früh“ und mein Plan, in der Morgendämmerung unauffällig durch Salzburg zu schleichen, löste sich in dem nahen Sonnenaufgang in Wohlgefallen auf. Ihr wisst schon, die Götter…. Als ich schon alles hinschmeißen wollte (ich plante gleich mal eine vollständige Motorrevision), fiel es mir wie Schuppen von der Denkleiste, und das Dämmergefühl von zuerst wurde zum Licht, das mir aufging.
Das Teil hatte ja einen Benzinhahn! Den hatte ich, weil ich ein Schlauer bin, vor 3 Jahren zugedreht. Und weil ich dämlich bin, dasselbe vergessen.
Den aufgedreht und noch ein paar Minuten stotterte und sprottete sie los. Hinter mir ging die Welt in graublauen Nebel unter…..

Mich kann nichts stoppen… ausser vielleicht zuwenig Kaffee in der Früh… 

 

Abfahrt

So tuckerte ich also endlich in „nicht mehr“ aller Hergottsfrüh los. Der Frühverkehr brüllte inzwischen mit aller Macht durch die Strassen.

Jetzt nur keine Panik.

Die ersten paar hundert Meter gingen auch ganz prima. Keine gröberen Vorkommnisse. Ich bewegte mich vorwärts. Ohne Polizeibegleitung. alles im Rahmen. War auch kein Verkehr unterwegs. War eine Privatstrasse. Aber ich fuhr. Bis zur nächsten Kreuzung. Da würgte ich siegleich mal beim Schalten ab. Natürlich stand ich mitten auf der Kreuzung.Eh klar. Wo sonst
Schwitzend versuchte ich sie wieder in Gang zu bringen, während links neben mir ein 24 Tonner eine Notbremsung hinlegte und der Fahrer wohlwollend lächelnd nach unten blickte. Ich lächelte gequält zurück. Ein-zweimal orgeln, dann hustete sie sich wieder frei. Ich knatterte befreit von der Kreuzung und die Straßen weiter.
Nur von frühmorgendlicher Einsamkeit keine Spur mehr. Verdammt… was machten jetzt schon die hunderten anderen Autos auf der Straße.
Habt ihr kein Bett, könnt ihr nicht auspennen?! Ich schaute mich vorsichtig nach Polizeiautos um aber da waren Gott sei Dank keine. Ich röhrte Richtung Altstadt. Der Stau hinter mir. Aber zumindest vor mir war die Straße frei. 🙂 Über die Salzach auf die Staatsbrücke und dann bog ich Richtung Flughafen ab. Meiner anfänglichen Nervosität wich langsam eine gewisse Gelassenheit. An der Burg, die sogenannte „Festung“, die hoch über der alten barocken Stadt stand, nagten die ersten Sonnenstrahlen und tauchte sie in ein angenehmes Gelb und ich begann das Ganze zu genießen. Ab und zu fuhr ich auch knapp an die 50 kmh. Wahnsinnige Geschwindigkeit. Coool. 7-8 Minuten noch. Um eine Kurve, den kleinen Hügel beim sogenannten Henkerhäusl hinauf. Nichts ist geschehen. Noch 2 km und kein Polizist weit und breit. Ich atmete durch. Ging leichter als Gedacht. War geradezu ein Kinderspiel. Weiß gar nicht was ich hatte. Ehrlich gesagt, das kann jeder. Bei einer Kreuzung kurz angebremst, 2. Gang hinein … krach….. hust….

aus.

 

Und ich stand wieder mal mitten auf einer Kreuzung. Diesmal auf einer der meistbefahrenen in der ganzen Stadt. Im Frühverkehr. Mitten drauf. Rechts und links kein Vorbeikommen an mir und meiner APE.
Aber was kümmerte mich der Frühverkehr. Was war mit meiner APE? Kolbenreiber? Oder noch was Schlimmeres?? Ich startete und sie röhrte sofort wieder los. Motor schien ok, aber als ich vom ersten in den 2. Gang schalten wollte ging das nicht mehr. Der Erste steckte wie festgeschweisst. Zumindest konnte ich mich aus der Kreuzung bewegen. Ich fuhr im Unterschritttempo (und jeder der eine Ape hat, weiß was ich damit meine.) Mich hätte der Himalaya beim Wachsen überholt, so langsam ist die Erste untersetzt. Aber ich schaffte die hundert Meter raus aus der Kreuzung auf einen öffentlichen Parkplatz. Dort probierte ich nochmal die Gänge. Aber nix. Ich fluchte ich schimpfte, dann fluchte ich wieder, dann klemmte ich mich unter meine Ape. Aber nix war zu sehen. Ganggestänge war ok, Öl im Getriebe…
Nach zwei Stunden fluchen schimpfen und suchen musste ich davon ausgehen, dass das Getriebe wohl hinüber wäre, und das konnte ich beim besten Willen nicht in 10 Minuten mit einem Leatherman mal wieder gängig machen. Traurig und geknickt nahm ich mein Handy herraus und rief die Behörde an um meinen Termin für heute abzusagen. Als ich einen neuen Termin ausmachen wollte, hörte ich den netten Mann an der anderen Seite der Leitung sagen… „Wollen sie es wirklich noch einmal probieren?“Arsch…
Für heute hatte ich verloren… but „Il be back….“

 

Was lernen wir daraus. 

Das man Benzin zum fahren braucht, 

und Kaffee zum schrauben. 
und das Briefmarkensammeln keine wirkliche alternative…

 

 

3 Reaktion zu “First Try oder Odyssee 3

  1. wieseundco schreibt:

    Meine Fresse, Oswald.
    Auch wenn es kein HappyEnd gab… deine Storys sind so klasse zu lesen … und immer wieder ein schmunzeln … danke dafür.

    Liebe Grüße,
    der Halm

  2. Piotre schreibt:

    Ich schwörs, das wird meine Lieblingsseite für lahme Stunden im Büro. Ich bin da zufällig drüber gestolpert, und fahr auch keine APE, aber mann dein schreibstil ist einfach super. Schad dass du bei deinen Karren nicht mehr weitergeschrieben hast. Hör ja nicht auf… Peter

  3. wehoe schreibt:

    Schaltbox?
    Mal eben rausnehmen und dann wieder einfädeln wäre so meine Idee. Sind ja doch nur drei Schrauben. Dann kannst du gleich weiter fahren. (nein, bitte nicht für diesen Kommentar erschlagen)
    Ich fühle mit dir.
    MfG Werner

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