Die Weihnachts (shopping)geschichte

Gestern war der Oswald Weihnachtsshoppen. Ja das muss einmal sein. Is ja nur einmal im Jahr. Und das ist auch gut so.

Auch ich will meinen Lieben eine Freude machen. Und ihnen Sachen schenken, die sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach nie gewünscht hätten. Deshalb schnell in den Wagen gehüpft und ins Einkaufscenter gefahren. Kann ja kein Problem sein. Am 19. Dezember. Irrtum!

 

Das ganze fing mit Parkplatzsuchen an. Was heißt suchen! Zuerst einmal bin ich vor dem Einkaufszentrum gestaut, in einer Autoschlange, die sich nicht bewegt hat. Ich hab alleine da drei mal im Radio, „Last Christmas gehört.“ Im gleichen Sender! Rechnet das mal durch.

Dann x-mal kurven in der Tiefgarage. Immer schön im Kreis, immer passen, dass irgendwo ein Rückfahrlicht aufleuchtet. Vor einem 40 Wagen, ebensoviel dahinter. Neben mir ein schwarzer Golf, der immer wieder mal ein-zwei Meter vor, dann wieder hinter mir war. Wir, dass heißt der Fahrer des Golf’s und ich, waren bereits gute Bekannte. Wir hatten bereits Blickkontakt. Und es reichte ein Blickkontakt und alles war klar. Heute Nachmittag gings um ihn oder mich. Und wer von uns beiden als erster einen Parkplatz finden würde. Triumph oder Niederlage. Heute würde es sich entscheiden.

Aber die Entscheidung musste warten, denn es wollte und wollte kein Parkplatz frei werden.

Ich renkte mir den Hals aus. Mein Nachbar im Golf renkte sich den Hals aus. Einmal sah es fast so aus, als würde jemand zu seinen Auto gehen. Wir gaben beide Gas. Aber das Aas hat nur lächelnd seine Einkaufssäcke in den Kofferraum verstaut und süffisant auf uns blickend, denselben wieder geschlossen, und ist zurück ins Einkaufszentrum. Was will der Mensch da drinnen. Hat doch schon alles. Ich hasste ihn. Manch mal denk ich, die Leute haben einfach zuviel Geld. Wirklich.

Dann seh ich, durch eine Autoreihe hindurch, dahinter jemanden ausparken. Der schwarze Golf war ahnungslos, weil ich ihm, durch meinen Wagen, die Sicht versperrte. Taktik, alles Taktik. Aber er musste etwas geahnt haben, denn als ich beschleunigte, gab auch er Gas. Wir bogen mit leicht quietschende Reifen um eine Kurve und nur durch ein geschicktes Ablenkungmanöver meinerseits, (ich habe rechts geblinkt und bin dann links ausgeschert), hab ich ihn, beinhart, ausgebremst.

 

Ja, es ist ein Dschungel da draussen meine Herrn. Und ich bin sein Herr und Meister. 🙂

 

Die Eile hätt ich mir sparen könne. Am Steuer des ausparkenden Fahrzeugs saß eine Frau.

Nein, nein, ich hab nicht grundsätzlich etwas gegen Frauen am Steuer. (Meine Freundin hingegen schon. Die ist der Meinung man müsste der Hälfte von ihnen den Führerschein abnehmen.) Aber ich denke, es wird schon eine gewaltige Erleichterung für uns alle Beteiligten, wenn Autos irgendwann nicht mehr selber gesteuert werden müssen.

Das Problem. Die Dame hatte einen relativ großen Wagen. Also eine Suzuki Swift. Und gerade einmal… na… drei Autolängen Platz zum ausparken. Ungefähr, kann auch etwas mehr gewesen sein. Und da wird das Herausfahren dann zur reinen Nervensache. Versteh ich.

Ich verstehe dabei auch noch, von wegen, Frauen sind genetisch nicht aufs Ein- und Ausparken programmiert und solche Geschichten, (als hätten wir Männer damals bereits auf dem Mammut geübt) aber warum die Fahrerin des Swift dreimal „Kerzen gerade“ aus der Lücke heraus und ohne das Lenkrad irgendwie zu berühren wieder zurückgefahren ist… ich kann es nicht sagen. Dann hat sie die Hände vor das Gesicht geschlagen.

 

Verdammt viel Platz Und ich erst! Der kalte Angstschweiss brach bei mir aus, dachte ich daran, dass sie neben meinen empfindlichen Aussenspiegel und dem nächsten Auto gerade mal knappe 6 Meter Platz hatte. Sie hat’s dann schlussendlich irgendwie geschafft, nicht ohne ihren Außenspiegel an einer Säule zu verbeulen. Obwohl, die überhaupt mit dem Spiegel zu treffen… das war nicht schlecht. Muss man sagen.

Ich wartete bis ich nicht mehr in ihren Gefahrenbereich war, und krallte mir dann MEINEN Platz.
Und der war genau vor dem Eingang des Shoppingtempels. Eh klar. Ich fühlte mich gut. Ich grüsste noch einmal den Schwarzen Golf mit einem Kopfnicken (ich bin da nicht nachtragend), als er während einer weiteren Runde an mir vorbei zog, bevor ich beschwingt ins Einkaufcenter eintauchte.

Eintauchen ist auch das richtige Wort. Verdammt ich dachte wir haben Wirtschaftskrise. Lift konntest du vergessen. Da standen 15 Kinderwägen und warteten, Rolltreppe wäre reiner Selbstmord gewesen. Kinder kämpften da mit stockbewehrten rüstigen 70jährigen um einen Platz zum atmen. Ich nahm die Feuertreppe. Das ist ein Geheimtip. Wenn nix mehr geht, dann kann man über diese noch irgendwie von Stock zu Stock. Die sind immer leer, auch wenn draußen der nackte Wahnsinn tobt. Die Leute stehen lieber eine halbe Stunde vor den Lifts, als sich 2 Minuten zu bewegen. Ein Rätsel unserer Kultur.

 

Rudi

 

Oben angekommen, schlagen mir zuerst gleich einmal die letzten Tackte von „last Chrismas“ entgegen, die, wie ich in der Folge erfahren sollte, „Dj Schneeflocke“ zum besten gab, der in dem Einkaufscentrum für die nächsten Stunde „für gute Laune“ sorgen sollte. Ein Garant für Super Stimmung, der DJ, und ein ganz ein kreatives Kerlchen. Wie ich noch feststellen sollte. Über mir baumelt, Rudi der verschnupfte Paarhufer mit Gefolge von der Decke. Rechts ein Baum, links eine Bäumin, um Heinz Erhard zu zitieren. Geschmückt. Von einem offensichtlich Farbenblinden. Bäumin

Da, in der Tür des Notausgangs, stellte sich mir das nächste Problem. Ich musste nach links. Klingt einfach. Aber die vor mir tosende Menge schob nach rechts. Ich musste es irgendwie schaffen durch die nach Rechts ziehende Menschenschlange durch, ohne zu-weit abgetrieben zu werden, in die nach links stoßende zu gelange, die dahinter, um mich da einzufädeln. Den Rest macht ja die Masse. Nur Treiben lassen, und im richtigen Moment aussteigen.
Ich wurde an einem ganzen „Hennes und Mauritz“ vorbeigeschwemmt, ehe ich die Fahrtrichtung ändern konnte.

Gehts euch auch so? Immer vor Weihnachten hab ich ein kreatives Loch. Ich weiss nicht was ich schenken soll. Nicht das die Leute, die ich liebe, schon alles hätten. Ja, das behaupten alle. Aber das ist bei genauer Betrachtung eine handfeste Lüge. Krawatten, stimmt, haben sie genug. Schon von den Weihnachtsfesten der vergangenen Jahre. Und den Roman von letzten Jahr, und das Gesellschaftsspiel des Jahrzehnts, das Duftwässerchen, das selbst die Motte aus dem Pelz haut. Alles im Überfluss vorhanden. Ein Ferrari hingegen geht dem ein oder anderen sicher noch ab. Und ich glaube auch nicht, dass ich da viele enttäuschte Gesichter erleben würde, würde aus dem Paket sich in ein HDTV Plasmaschirm auswickeln lassen. Nur so einen hätt ich selber gerne. Mein Weihnachtsbudget war aber beschränkt. Mir schwante böses. Es würde nicht leicht.


WeihnachtstreterDie Auslagen sind nicht wirklich eine Hilfe. Zum einen sind sie nicht zu sehen, weil hunderte Menschen daran vorbeitreiben, zum anderen ist da nur der Müll drinnen der das ganze Jahr drinnen ist. Nur haben die Schuhe halt ein Weinachtskäppi auf, und in der Levis Jeans steckt … ein Weihnachtsmann. Super. Was ich mir wünschen würde, als Mann, wäre ein Geschäft auf dem steht: „Toller kreative 5Minuten all in one Weihnachtsgeschenkeshop für Männer.“ Am besten noch mit Pfeil am Boden, damit ich ihn auch wirklich finde.
Und darin gibts dann genau 4 Artikel. Für die Eltern, den Geschwister, die Freundin, die Verwandten. Aus.
Wir Männer hassen Auswahl. Nicht bei Werkzeug. Da ist Auswahl gut, aber bei Stoff (sprich) Mode und Weihnachtsgeschenke bringt uns die Variabilität regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Totale, abgrundtiefe Verzweiflung. So gings mir in dem Einkaufscentrum.

Ich brauchte Stoff.
Dringend. Irgendwie schaffte ich es, trotz widriger Prognosen, in einem Tchibo ein kleines Eck zum stehen, und einen Espresso zum trinken, zu ergattern.

 

Tchibo

 

Das Coffein tat seine Wirkung. Ich genoss ihn, sogut es ging, mit angezogenen Ellenbogen, während einem Meter vor mir ein kleiner ca. 5 jähriger Rotschopf seiner noch kleineren Schwester stolz das zeigte, was er gerade aus seiner Nase geschaufelt hatte. Zwei Tische weiter erklärte eine aufgeregte 70jährige ihren offensichtlich frisch verliebten und mindestens so alten Lebensgefährten, lautstark, dass sie „Kapuschino“ auf den Tot nicht ausstehen kann und jetzt gerne einen Tee hätte. Im Tschibbo… Der Mann tat mir leid. Irgendwo erklärte ein Kind, in der Lautstärke mit der Omi wetteifernd, seiner Mami, dass es mit Christkind nicht einverstanden wäre, und auf seine Playstation 3 bestehen würde. Böses Christkind.
Von der Lautstärke her stach der Kleine die Oma locker aus.

Wisst ihr, was da hilft? I-Pod ins Ohr und so tun, als gehöre man nicht hinzu. Da bekommt selbst diese Szenerie etwas vorweihnachtliches. Gerade als ich die Ohrstöpsel reinstecke, hörte ich noch die ersten Takte von Dj Schneeflockes nächster Auswahl… na zweimal dürft ihr Raten. Summen wir es mit… „last Christmas….“

Eine Mutter versuchte mir ihren Kinderwagen ins Tchibo zu drängen.
Wie sie das schaffen wollte, ohne eine Massenpanik auszulösen war mir ein Rätsel, aber ein paar gequetschte Nieren später stand sie neben mir. Mit Kinderwagen. Den hätt sie auch wirklich draußen anbinden können. Ob ich auf das Kind kurz aufpassen könnte. Sie hole sich nur mal schnell einen Kaffee. 😮
Ich meine, wer klaute hier einen Kinderwagen. Ist ja niemand bescheuert. Der stand da wo er stand wie einbetoniert, aber ich fragte mich schon was ich machen sollte, wenn die Mutter die Gunst der Stunde ergriff … und verschwand?

 

Ich schaute vorsichtig in den Wagen, aber außer das Ende eines Schnullers war nicht viel zu sehen.
Eine halbe Ewigkeit später kam sie zurück. Mit zwei Espressi. Keinen für mich. Die gute war clever … und Selbstversorger. Die wusste, dass sie hier eine Weile nicht wegkommen würde.
Da wurde mir plötzlich klar, da musst du raus. Schnell. Raus aus Tchibo. Aus dem Einkaufszentrum. Ich suchte nach einen Notausgang. Irgendeinen. Die Feuertreppe hinunter und dann erst einmal nach den Wagen gesucht.
Scheiss Tiefgaragen. Wenn du da nicht den gleichen Ausgang wie Eingang benutzt bist du verratzt. Und da ich ja vor einen Eingang parkte, hab ich mir die Parkplatz Nr. natürlich nicht gemerkt. Warum auch. Männer finden immer ihren Weg. Haben wir am Mamut gelernt. Wahrscheinlich zur selben zeit wie einparken.

Wie ich so durch die Betongänge Irrte, dachte ich an den Schwarzen Golffahrer. Was wenn er immer noch keine Parkplatz, was wenn er jetzt auftauchen….
Ruhig wurde ich erst wieder auf der Autobahn. Ich hatte einen Entschluss gefasst. Heuer schenk ich meiner Familie Zeit mit mir. Ich koch für meine Eltern ein 5 Gängiges Menü anstatt mich mit einem Buch freikaufen zu wollen.

Und aus dem Autoradio schallte in dem Moment der Moderator….“Und jetzt den ultimativen Weihnachtssong. Wham mit….“ Ich konnte gar nicht schnell genug reagieren. War auch schon egal. Ist ja Weihnachten. Sing ich halt mit.

Ich wünsche euch allen, die ihr euch durch das Blog lest, frohe und besinnliche Weihnachten. Ich schick euch allen Virtuell ein Weihnachtskecks. Und vergesst das mit den Shoppen. Lasst es euch daheim gut gehen. Und haltet die Ohren steif. Und wenn es Heiligabend gar zu Nervig wird, einfach in die Werkstatt und irgendetwas wegflexen.

 

Kecks

 

Frohe Weihnachten …. Oswald

 

 

5 Reaktion zu “Die Weihnachts (shopping)geschichte

  1. Pommes - Peter schreibt:

    Moin oswald , mal wieder klasse Stoff .
    Ich habe mir gedanken gemacht . Das kommt zwar selten vor (ich bin verheiratet) – aber manchmal klapptes noch . Du bekommst von mir ein Geschenk . Kein Virtuelles , sondern ein richtiges . Aber nicht zu Weihnachten , sondern im Laufe des Jahres . Ich bin sicher , das wir uns im nächten Jahr noch persönlich kennenlernen werden . Und dann kriegst Du dein Geschenk . Spannend .
    PP

  2. Rhuphus schreibt:

    Hallo Oskar,
    vielen Dank für den Keks. Und vor allen Dingen für die tollen Berichte. Selten habe ich mich lesend so beömmelt.
    Frohe Weihnachten, einen gutenRutsch, und hoffentlich noch viel Arbeit mit der Ape, damit es noch lange was zu lesen gibt.

  3. schrauber30 schreibt:

    servus oswald !

    danke und auch dir ein gesegnetes fest !

    und noch ein danke für deine geschichten, die mich am ende eines anstrengenden tages immer sehr freudig stimmen !!

    besinnliche grüsse, der schrauber !

  4. admin schreibt:

    Hallo ihr drei. Danke. Für die Grüsse und … die Spannung Peter. Würd mich freuen dich mal kennen zu lernen. Ruphus, … was heisst den „beömmelt“? *Total verwirrt*

    Besinnliche Grüsse zurück

  5. Rhuphus schreibt:

    Hallo OSWALD,

    entschuldige bitte die Namensverwechslung.

    Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mich so beömmelt habe.

    Den Ausdruck gibt es im Rheinland und heißt nichts anderes, als dass ich mich schibbelisch gelacht habe. Versuch einer Erklärung: Ein Baby, das vor Freude quitscht. Jemand, der sich vor lachen auf die Schenkel klopft. Oder wenn man sich vor Lachen einfach nur bepi..t.

    Ich hoffe dass ich etwas Licht in das Dunkel einer regionalen Redewendug bringen konnte.

    In diesem Sinne, nochmal Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch

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