Alle Posts vom Juni, 2008

Heute mal ein neue Seite…

19. Juni 2008

Ich bin immer noch beim schleifen. Und laut Claus wird das noch Monate so weitergehen.

Hab deshalb eine neue Geschichte über meine autofahrerische Vergangenheit geschrieben.  

Hier…..  

Viel Spass 

Tag44:Por 15

15. Juni 2008

oder: wie man für das lackieren eines Unterbodens 3 Wochen verbraten kann.

 

Beim schweissen

Das bin wirklich ich, beim schweissen. Fesches Mützchen. Ich weiss. Zu dem Bild gibts eine Geschichte…ehrlich. . Kommt später.

Zuerst einmal ist eine Entschuldigung fällig. Ja ja, ich weis. War lange her, das ich hier was von mir vermelden lies. Mir fällt auch keine gute Ausrede ein, ausser, das wieder Sommer, dass das Wetter unverschämt schön war und die FussballEM begonnen hatte.
Oder eben die, dass ich in den letzten 3 Wochen nur eines gemacht habe. Meinen Unterboden lackiert.
Ehrlich. Normalerweise ist das ja in einen guten Nachmittag erledigt, aber wenn man ein ganz superschlauer ist, kann man dafür schon mal gut das 40 fache verbraten.
Und der Oswald gehört ja zu den Superschlauen.

 

Unterboden ist aber natürlich auch ein ganz besonders heikle Angelegenheit, weil bekanntlich dort der Rost ganz besonders gerne wieder kommt. Weil bekanntlich im Feuchte und Dunklen. Und das liebt die Rote Pest ganz besonder. Und Rostvermeidung war ja ursprünglich der Ausgangspunkt des ganzen Restaurationsmassakers. Also muss der Unterboden nicht Rostgeschützt, sondern Rostsicher gemacht werden. 100%.

 

Am liebsten hätt ich das Teil einfach mit 200 Kilo heissen Fett ausgefüllt und gut ist. Aber erstens sind 200 Kilo Fett ziemlich teuer, und so einfach ist das ganze nicht. Vor allem wie kriegst du 200 Kilo Fett heiss….

Also das Netz befragt was zu tun wäre. Und da bekommst du ganz schön was zu lesen. Hunderte Methoden. Und jede ist die beste und alle sind 100, was sag ich 110% sicher. Und das sind nur die Infos die man von den Foren bekommt. Man könnte glauben, Rost wäre schon längst ein Problem das der Vergangenheit angehört.

Der Aufmerksame Leser fragt sich dann aber schon, warum in denselben Foren die Leute ganz verzweifelt um Hilfe schreien, weil wieder einmal die rote Beulenpest zugeschlagen hat. Kognitive Disonanz.

Das Problem mit diesen Unterboden ist ja wie bereit geschrieben, ein ganz besonderes, das sich nicht nur alle Nässe und Dreck dieser Welt dort sammelt, (der die Nässe schön vor Ort hält) sondern auch noch einem Steinhagel, von den Reifen aufgewirbelt, ausgesetzt ist, der früher oder später den besten Lack den Garaus macht. Und natürlich hat man genau diesen Unterboden nicht jeden Tag im Blickfeld, um gegebenfalls dagegen was zu unternehmen. Es sei denn man robbt mit der Taschenlampe bewaffnet, anstatt seine Joggingrunden zu drehen, jeden Morgen mal schnell unter seinen blechernen Liebling.
Da ich weder Jogge, noch jeden Morgen mal im Dreck robben wollte, hab ich lang gelesen und geblättert und mich dann für etwas ganz besonderes Entschieden. Tja, der Oswald ist, wie geschrieben, ein ganz besonders schlauer…
Por 15.


Por 15 kann man auch auf angerostetes Eisen auftragen. Und selbst wenn man eine Ape Sandstrahlt, ganz Rostfrei wird das Teil nie, da man in manche Fugen mit den Sand nicht hinkommt. (Gilt übrigens für alle Karosserien.)

Der Effekt ist der, dass eine Sandgestrahlte Karosse, spätestens in 6 Jahren wieder blüht, wie der Dschungel im Mai.

Soweit so schlecht.
Por hat eben den Vorteil, dass es durch ein Chemisches Verfahren direkt auf angerostete Stellen aufgetragen wird. und da der Lack „DURCH WASSER“ aushärtet nimmt er gegebenenfalls dem noch existenten Rost seine Lebensgrundlage. Ausserdem soll es, wenn ausgewassert, so hart sein, dass nicht einmal der Böse Kiesel meiner glänzenden Oberfläche etwas antun kann. Soweit die Theorie, und die kling gut.
Nachteil ist, dass dieser Lack in Europa kaum verkauft wird deshalb ziemlich teuer ist und dann muss man auch noch höllisch aufpassen, das kein Wasser in die offene Dose kommt, da diese dann schnell aushärtet. Wir erinnern uns. „Härtet durch Wasser aus.“ Ausserdem wäre es wohl ein Problem, wenn man die Farbe auf die Haur bekäme, den von derselben bekäme man sie nie wieder weg. Schreckt mich alles nicht. Oswald ist nicht nur ein ganz besonders schlauer, sondern auch ein mutiger. Und Farbe macht mir keine Angst. Zu Vorsorge hab ich mir einen Reinraumanzug und diverse Handschuhe besorgt. Man weiss ja nie.


Ein paar Jungs haben mir die APE auf den Kopf gestellt, und los gings mit der Vorbereitung der Oberfläche. Ist ne ziemliche Arbeit. Zuerst wird all der Rost, den der Sandstrahl nicht erledigt hat, so gut es geht weggeschliffen.
Anschliessend muss man die Oberfläche mit Phosphorsäure einpinseln.

Hab schon mal über Phosphorsäure geschrieben. Phosphorsäure wandelt Rost in Eisenphosphat um. Eisenphosphat ist, im Unterschied zu Eisenoxyd, also Rost, Chemisch stabil. Oder anders ausgedrückt: Es rostet nicht mehr weiter.

Danach muss die Phosphorsäure wieder herunter, da es sonst das Metall angreift. Und zwar nimmt man dazu Wasser. Keine Sorge, das Eisenphosphat bildet eine dünne Schutzschicht. Das Eisen rostet, bei kurzen Wassereinfluss nicht weiter.
Dann hab ich die Kanten, Falze, Stossnähte, mit Owatrolöl ausgefüllt.

Owatrol ist eigentlich kein Öl, sondern eher ein Harz, das zuerst extrem flüssig ist, dadurch in alle Spalten kommt, und dort dann gummiartig aushärtet. Ergebnis. Es kommt dort kein Wasser mehr hin. Und Rost wird eingeschlossen. Rostet aber auch nicht mehr weiter.
Zusätzlich kann man ausgehärtetes Owatrol gut überlackieren. Das Zeug ist wirklich gut.


Dann…. hab ich eine Woche Pause gemacht.
Zuvor alles schön mit einer Plane abgedeckt. Jedes Eck schön fest gemacht. Totaler overkill, da ja sowieso jeden Tag 30 Grad und strahlender Sonnenschein. Und warum sollte sich das auch ändern. Tat es auch nicht…bis zum Tag 2. Dann hat es zu Gewittern und schütten angefangen, als habe einer alle Schleusen geöffnet. Aber machte ich mir sorgen? Mit nichten, und enkeln. Ich hatte ja meine Planen. Und wer Planen hat, kann super schlafen, auch wenns draussen stürmt und schneit.
Habt ihr gewust, dass Planen zwar dicht sein können, aber nicht müssen?

Ich weis es jetzt. Als ich, nach ein paar Tagen, wieder zu meiner APE zurückkehrte, und die Planen wegmachte, schwammen darunter in der Bodenwanne die Frösche synchron.

Und natürlich wieder überall Flugrost.

Flugrost

Also. Zuerst mal verzweifeln, dann das Wasser ausgeschöpft (1 Stunde arbeit), wieder alles schön angeschliffen (4 Stunden), und wieder mit Phosphorsäure gearbeitet (2 Stunden). Dabei ganz schön geschwitzt, weil ja wieder super heisses Wetter. An den Flächen wo Owatrol drann war, war übrigens kein Rost.
So am späteren Nachmittag, ich war mit meiner Phosphorsäure Attacke gerade fertig, zogen plötzlich wieder bedrohliche Wolken auf… und verzogen sich wieder.
Ich blickte etwas unsicher in den Himmel.

 

 

Die Wolken zogen wieder auf, dann wieder weg.
Ich deckte schnell alles zu, ging einen Kaffee drinken. Als ich mich wieder zeigte, waren die Wolken immer noch da, aber geregnet hat es bis jetzt immer noch nicht.
No Risk, no Fun, hab ich gebrüllt, und mit dem Lackieren angefangen.

Frisch lackiert
Und wirklich. Es regnete nicht. Bis zu dem Zeitpunkt, an den ich den letzten Pinselstrich getan, die letzte Ecke mit dem Sündhaft teuren Lack benetzt hatte. Dann, genau dann fing es an zu regnen. Was heisst hier regnen. Es schüttete. Es prügelte den Regen auf meine frisch lackierten Teile. Tropfen so gross wie Tennisbälle.

Nachdenkpause. Eher Gehirnleere.

Eigentlich sollte der Lack, so dachte ich fieberhaft, durch Wasser aushärten. Vielleicht ist dieser Regen sogar gut…. klammerte ich mich an den Strohhalm fest. Und wie ich klammerte.
Der Strohalm brach. Nein zersplitterte in alle Einzelteile, als ich mich einmal kurz in das Wasserchaos wagte, um mir die Teile anzusehen.
Es war schon richtig, dass der Lack mit Feuchtigkeit aushärtete, aber mit Wasser reagiert er. Die Obefläche sah aus, wie Pockenvernarbt.
Das ganze Chaos kam erst am nächsten Tag ans Tageslicht. Teile des Lackes waren wie Schaumgummi aufgegangen, und haben das Wasser richtiggehend eingeschlossen. Andere Teile waren mit Sand bedeckt, die der Regen hochgespritzt hatte. Und als wäre das nicht schon genug, haben einige Stellen, an denen der Sand den Lack abgenommen hatte, bereits wieder zu rosten begonnen.
Super. Das kommt herraus, wenn sich superschlau mit ungeduldig paart.
Was soll ich sagen. Ihr könnt euch denken was jetzt kam. Natürlich. Wieder alles abschleifen und nochmal lackieren.

Und das hab ich die letzten Wochen gemacht.

Die restliche Zeit hab ich versucht den Lack wieder von der Haut zu bekommen. Also, wenn auf der Dose steht, „Geht nicht mehr von der Haut ab.“ sollte man das glauben. Und vor allem sich nicht mit den Handschuhen, die Haare aus dem Gesicht schupfen…

 

Ach ja, das Bild vom Anfang. Da war ich noch optimistisch, und das Wetter noch schön. Da die Sonne mir von hinten in die Schweissmaske schien, und ich durch die Spiegelung sogut wie nix sah, hab ich das fesche Mützchen aufgesetzt. Und darunter geschwitzt wie ein Schwein. Nein. Bin kein Wüstensohn geworden. *fg*

Was haben wir gelernt.

 

    1. Das Planen nur dicht sein können. Aber nicht müssen.
    2. Superschlau nie , wirklich nie, schlau genug.
    3. Das „No Risk, no Fun“ nichts anderes ist, als der blöde Spruch eines Werbefuzzis

      Lg Oswald